Luiz Felipe Scolari : Bist du noch da, Trainer?

Luiz Felipe Scolari wechselt nach der Europameisterschaft zum FC Chelsea und wird dort Michael Ballacks Trainer. In der Heimat wird Scolari nun gefragt, ob er denn noch wirklich für Portugal bei der Sache sei.

Oliver Trust
Scolari
Bereits den Hut genommen. Luis Felipe Scolari wechselt nach der EM zum FC Chelsea und bringt damit Unruhe ins portugiesische Team.Foto: Reuters

Manchmal rastet Luiz Felipe Scolari einfach aus. Er schreit in der Kabine, tobt und scheint schnell in seinem Stolz verletzt. Vor knapp einem Jahr brachte ihn dieses Temperament in eine schwierige Lage, als er den serbischen Verteidiger Ivica Dragutinovic mit einem Fausthieb ans Kinn attackierte. Ganz Portugal fragte sich daraufhin, ob man noch den richtigen Trainer habe, denn der feurige Herr Scolari drückte sich zu allem Übel lange um eine Entschuldigung. Kaum sind diese Diskussionen abgeebbt, da taucht die Frage, ob Scolari noch der richtige ist, erneut auf.

Am vergangenen Mittwoch wurde bekannt, dass der Brasilianer ab der kommenden Saison den FC Chelsea trainieren wird - und damit Michael Ballack. Scolari hat dafür gute Gründe. Den Trainerjob wolle er „höchstens noch fünf Jahre“ machen, sagt der bald 60-Jährige. Schon seit längerem gab es Andeutungen, Scolari strebe ein Engagement bei einem zahlungskräftigen Klub an, bei Chelsea soll er nun etwa sieben Millionen Euro jährlich erhalten. Da sollte man dem Fast-Rentner eigentlich gratulieren, doch er sitzt unglücklicherweise noch auf der Bank der Portugiesen. Ob er denn noch wirklich für Portugal bei der Sache sei, wird er gefragt. „Was wollt ihr?“, rechtfertigt sich Scolari. „Ich bin doch noch da. Ich gebe alles für Portugal – bis zum Ende.“

Scolari will Portugal zum Abschied etwas Großes hinterlassen. Am liebsten den EM-Titel – der 2004 im Finale gegen Griechenland knapp verpasst wurde. Es lief ja auch alles prima, bis die Nachricht vom Wechsel publik wurde. Seitdem herrscht wieder Misstrauen, besonders nach dem 0:2 gegen die Schweiz im letzten Gruppenspiel. Scolari sprach hinterher von „zu viel Risiko“, versucht sich zurückzuhalten und verrät nur zögerlich seine Gedanken über den kommenden Gegner. „Ich mag es, wie Deutschland spielt“, sagt Scolari. „Die haben auch in schwierigen Situationen immer gut verteidigt und das Spiel wieder in den Griff bekommen.“ Den Deutschen kann es jedenfalls nicht schaden, wenn Scolari gedanklich schon auf einer anderen Bank sitzt.

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