Luka Pavicevic : Zu viel gemeckert

Trainer Pavicevic leitet Albas Niederlage in Bonn ein – mit den Schiedsrichtern gerät er oft aneinander.

Helen Ruwald
Pavicevic
Immer im Einsatz. Alba-Trainer Luka Pavicevic kassierte in Bonn ein technisches Foul. -Foto: dpa

Berlin - Luka Pavicevic war sich keiner Schuld bewusst. Der Trainer von Alba Berlin hatte mit seinem Gemotze am und auf dem Spielfeld die 72:75-Niederlage nach Verlängerung im Play-off-Halbfinale in Bonn eingeleitet, die Alba in der Serie mit 0:2 in Rückstand brachte. Doch gestern mimte er den Fassungslosen: „Ich habe nur gefragt, warum Jenkins kein Foul bekommen hat. Ich war überrascht, dass ich bestraft worden bin. Dabei ist das einer der besten Schiedsrichter der Liga“, sagte er mit ruhiger Stimme, in der weder Zorn noch Anklage zu hören waren. Er klang besonnen – ganz anders als er am Abend zuvor aufgetreten war.

2:21 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit hatte Robert Lottermoser ein technisches Foul gegen Pavicevic ausgesprochen. Das bedeutete vier statt zwei Freiwürfe für Bonns gerade gefoulten Winsome Frazier, der viermal traf und sein Team 64:61 in Führung brachte – die erste Führung überhaupt für Bonn. Die Szene mit Frazier war es gar nicht gewesen, über die Pavicevic sich geärgert hatte, sondern ein missglückter Korbwurf von Jenkins Sekunden zuvor, bei dem dieser laut Pavicevic behindert wurde. Er nahm eine Auszeit und geriet sofort mit Lottermoser aneinander.

„Diese Entscheidung trage ich mit“, sagt Jens Staudenmayer, der in der Basketball-Bundesliga für das Schiedsrichterwesen zuständig ist, über die Verhängung des technischen Fouls. „Pavicevic hat immer wieder das Spielfeld betreten und protestiert. Die Schiedsrichter sind vorher sehr gut mit ihm umgegangen. Aber wenn so etwas zum wiederholten Mal passiert, dann trägt der Trainer die Verantwortung.“ Alba Berlins Sportdirektor Henning Harnisch hingegen spricht von einer „harten Entscheidung in einer Phase, in der es um die Wurst ging. Luka hat protestiert, aber er war nicht obszön oder aggressiv.“

Pavicevics Auftritt war der Wendepunkt und setzt sein Team nun unter Zugzwang. Um das Finale zu erreichen, müsste der Deutsche Meister die nächsten drei Spiele gegen Bonn gewinnen, schon bei einer Niederlage am Sonnabend (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) ist die Saison beendet. Allerdings hatten die Berliner auch nach der umstrittenen Szene Chancen zum Sieg. So verwandelte Blagota Sekulic (24 Punkte) zwölf Sekunden vor Schluss nur einen von zwei Freiwürfen. Ausgleich statt Führung, Verlängerung. Auch hier scheiterte Sekulic an der Freiwurflinie, und fast mit der Schlusssirene bestätigte Dragan Dojcin mit einem missglückten Dreipunktewurf Albas ungewöhnlich schlechte Dreierquote von nur 23,5 Prozent. Dazu kamen nach einer Elf-Punkte-Führung zur Pause ein drittes Viertel mit nur acht erzielten Punkten und Reboundprobleme.

Bei der Pressekonferenz ließ Pavicevic sich nicht blicken, wollte dies aber nicht als Zeichen des Protests verstanden wissen. „Ich habe eine halbe Stunde gewartet, dass ich geholt werde, aber niemand ist gekommen“, sagte er. Bonns Sprecher Michael Mager dementierte dies, äußerte aber „volles Verständnis, dass man nach so einem Spiel sagt, ich will keinen sehen. Das ist keine große Sache.“

Sehr wohl eine große Sache ist aber Pavicevics Verhältnis zu den Schiedsrichtern. Er ist Basketballtrainer mit Herz und Seele – und bekommt häufig wegen seines Gemeckers technische Fouls aufgebrummt. Manchmal sogar zwei wie in Bamberg und Ulm, wo er deshalb die Halle verlassen musste. „Ich lebe das Spiel“, sagt Pavicevic, „und ich habe im Gegensatz zu anderen Trainern und Spielern noch nie jemanden beleidigt. Aber ich habe das Recht, etwas zu sagen und Erklärungen zu bekommen.“

Obwohl er mit seinem Verhalten dem Team schadet, sind Maßregelungen von Vereinsseite laut Harnisch nicht geplant. Gerade in den letzten Spielen habe Pavicevic sich zurückgenommen, findet der Sportdirektor. Und überhaupt: Man könne keine Diskussion über Pavicevic führen, ohne auch über die Schiedsrichter zu diskutieren. Von diesen fühlt sich Alba häufig benachteiligt und hat das auch mit Vehemenz kundgetan. „Da wird man dann als wehleidiger Loser betrachtet“, sagt Harnisch, „ich werde nicht kontextlos über den Trainer reden.“

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