Lukas Podolski : Ein Tattoo mit der Zahl 1425

Ein Tor als Erlösung - und dann auch noch gegen den früheren Klub und Rekordmeister Bayern München: Lukas Podolski ist wieder Lukas Podolski.

Gregor Derichs
1. FC Koeln - FC Bayern Muenchen
Lukas Podolski.Foto: ddp

Die Unruhe wuchs in dem Bereich, der im Kölner Stadion die Kabinengänge der beiden Mannschaften trennt und auf das Spielfeld führt. Mehrere Dutzend Leute verharrten fast schon zwei Stunden, um den Hauptdarsteller des Spiels zu Gesicht und zu Gehör zu bekommen. Endlich verließ Lukas Podolski nach schwieriger Prozedur den Dopingtest-Raum und entfernte den Eisbeutel, der einen Bluterguss am Oberschenkel kühlte. „Das Tor war eine Erlösung. Für mich war es nur eine Frage der Zeit, bis ich treffe“, sagte Podolski. Und er wirkte erleichtert.

Der 24-Jährige hatte beim 1:1 (1:0) des 1. FC Köln gegen den FC Bayern nach Monaten großen Frusts großartig gespielt, sein Treffer zur Führung war der Höhepunkt des besten Auftritts im FC-Trikot seit seiner Rückkehr aus München. Bei seinem Freistoß aus 22 Metern hatte Torwart Jörg Butt die Flugkurve falsch berechnet. Insofern half der Münchner Torwart mit bei Podolskis persönlichem Befreiungsakt.

Die Minuten von Podolskis Torlosigkeit waren schon lange gezählt worden – sie summierten sich am Ende auf 1425. Der Wert „interessierte mich eigentlich gar nicht“, behauptete Podolski. „Aber vielleicht lasse ich ihn mir tätowieren.“ Es gibt für Torjäger, die nicht treffen, kaum etwas Schlimmeres, als ständig die Zeitleiste ihres Versagens präsentiert zu bekommen. Seit fast einem halben Jahr hatte Podolski kein Tor mehr geschossen. Zehn Millionen Euro Ablöse hatte Köln aufgebracht, um den verlorenen Sohn zurück an den Rhein zu holen. Kritiker ermittelten, dass jedes Tor des in Köln wie ein Idol verehrten Podolski bislang fünf Millionen Euro kostete. „Ich darf es zwar nicht sagen, aber ich finde es geil, dass er getroffen hat“, sagte Bastian Schweinsteiger grinsend. Weniger lustig fand er den Auftritt der eigenen Mannschaft, die ohne Arjen Robben und fast eine Stunde ohne Franck Ribéry enttäuschte. Es war eine besondere Note der Partie, dass Schweinsteiger den Ausgleich schoss.

Podolski und Schweinsteiger, die während der WM 2006 als Traumduo dargestellt wurden, haben seitdem eine unterschiedliche Entwicklung genommen. Beim 1:1 waren sie die besten Spieler ihrer Teams, wobei Podolski eine Woche mit einem für ihn ungewöhnlichem Verlauf abschloss. Im Länderspiel gegen Argentinien (0:1) war er auf dem Feld unauffällig geblieben und hatte außerhalb gepöbelt, im FC-Trikot glänzte er. In der Regel ist es umgekehrt.

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