Lukas Podolski : Ist Köln der richtige Verein für Poldi?

Nationalstürmer Lukas Podolski will den FC Bayern verlassen und zurück nach Köln, in seine Heimat. Diese Woche sollen die Gespräche weitergehen. Ist das die richtige Entscheidung für Podolski?

Sven Goldmann

"Lukas Podolski ist ein weinerlicher Scheißkerl. Er heult die ganze Zeit nur rum.“ Das Zitat ist zweieinhalb Jahre alt, es stammt von Anders Svensson, einem schwedischen Fußballspieler, der seinen deutschen Kollegen Podolski nur flüchtig kennt. Im August 2006 sind die beiden bei einem Freundschaftsspiel aneinandergerasselt. Der Anlass ist unbedeutend, was bleibt, ist Svenssons Charakterisierung, der in München sicher viele zustimmen würden, wenn auch nicht im Wortlaut. Der Stürmer Lukas Podolski, 2006 noch zum besten Nachwuchsspieler der Welt gewählt, ist beim FC Bayern München gescheitert. Nicht grandios, sondern eher kläglich, mit einem Stammplatz auf der Ersatzbank.

Ein paar Monate noch, dann wird das Missverständnis beendet. Im kommenden Sommer verlässt Podolski den FC Bayern und kehrt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum 1. FC Köln zurück. Das ist nach zwölf Toren in 58 Bundesliga-Spielen im Trikot des FC Bayern ein sportliches Desaster. Für Lukas Podolski, weil er mit gerade 23 Jahren den Kampf um einen Stammplatz aufgibt und sich lieber als Karnevalsheld feiern lässt. Aber auch für die Bayern, weil sie es nicht geschafft haben, eine der größten Begabungen des deutschen Fußballs auf ein ihm angemessenes Niveau zu bringen.

In Köln feiern sie Podolskis Heimkehr schon lange vor Karnevalsbeginn. Die, nun ja, Kultband „De Höhner“ hat bereits den Schlager „Schnaps, das war sein letztes Wort“ umgedichtet in: „Köln, das war sein letztes Wort, dann ließen ihn die Bayern fort.“ Bei den Fans erweckt er Erwartungen wie Barack Obama in den USA, mindestens. Zehn Millionen Euro wird Köln für die Heimholung bezahlen müssen, das entspricht dem, was die Bayern im Sommer 2006 bezahlt haben. Die Münchner bringen bei einer solchen Summe gern ihr Festgeldkonto ins Spiel, für die Kölner ist sie von existenzieller Bedeutung.

Der 1. FC Köln ist ein armer Verein. Seit zehn Jahren pendelt der erste Bundesliga- Meister von 1964 zwischen Erster und Zweiter Liga, da lassen sich keine Reichtümer anhäufen. Mit Podolskis Verpflichtung gehen sie an ihre Grenzen. Zu der Ablösesumme käme ein auf 2,5 Millionen Euro taxiertes Jahresgehalt. Podolski wäre der mit Abstand am besten bezahlte Kölner Profi – und eine Mannschaft, in der so etwas keinen Neid provoziert, gibt es auf der ganzen Welt nicht.

Der Kölner Trainer Christoph Daum hat in dieser Saison eine Mannschaft zusammengestellt, die als Aufsteiger überraschend gut in der Bundesliga mitspielt. Noch ist offen, ob die Kölner zur Finanzierung ihres künftigen Stars den einen oder anderen verkaufen müssen, der für den unerwarteten sportlichen Aufschwung steht. In jedem Fall dürfte Podolskis Verpflichtung den Kölner Bewegungsspielraum auf Jahre hinaus einengen.

Ist Podolski dieses Risiko wert? Als Werbeträger vielleicht. Der Fußballspieler Lukas Podolski aber ist in seinen Anlagen limitiert. Er ist kein Regisseur, nicht mal ein spielender Stürmer. Keiner, der eine Mannschaft führen kann. Podolski ist einer, der geführt werden muss. Und das wird in Köln nicht der Fall sein. Dort wird die gesamte Architektur der Mannschaft auf ihn zugeschnitten sein. Alles wird sich auf ihn konzentrieren, nur hat er auf der Bank in München nicht gelernt, damit gut umzugehen.  Das letzte Mal, als sich in Köln alles um ihn drehte, ist der Verein abgestiegen. Köln mag eine Wahl des Herzens von Podolski sein, eine richtige Entscheidung ist es aber nicht. Weder für ihn noch den Verein. Eine persönliche und fußballerische Weiterentwicklung ist unter diesen Umständen kaum zu erwarten.

Seine Qualitäten liegen in der Schnelligkeit und der Kaltblütigkeit vor dem Tor. Podolski überlegt nicht lange, er schießt einfach, meist mit Erfolg. Auch deshalb hat ihn der FC Bayern 2006 gekauft. Sie versprachen sich von ihm eine große Zukunft, weg vom eindimensionalen Stoßstürmer hin zum variabel einsetzbaren Angreifer, der überall auf höchstem Niveau mitspielen kann. Dieses Versprechen ist er in München schuldig geblieben.

Es wird Podolski schwerlich gelingen, die Gründe für dieses Scheitern bei der ihm übergeordneten Instanz zu suchen. Ja, es kommt vor, dass ein Spieler nicht mit seinem Trainer kann, aber Podolski hatte in seinen zweieinhalb Münchner Jahren gleich drei davon. Er saß bei Felix Magath auf der Bank, bei Ottmar Hitzfeld und zuletzt auch bei Jürgen Klinsmann, dem Mann, der ihn in der Nationalmannschaft groß gemacht hat. „Lukas ist halt der Typ, der gern das Gefühl hat, dass er gesetzt ist“, sagt Klinsmann. Das mag mangels Konkurrenz alle zwei, drei Monate in der Nationalmannschaft funktionieren. In der Bundesliga aber herrscht Tag für Tag Konkurrenzkampf, und den hat er in München entweder gar nicht angenommen oder verloren. Gegen Weltstars wie Luca Toni und Miroslav Klose, aber auch gegen internationalen Durchschnitt wie Roy Makaay und Claudio Pizarro. Sogar der ebenfalls in München gescheiterte Roque Santa Cruz stürmte häufiger und erfolgreicher als Lukas Podolski.
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