Sport : Lukas Podolski

Wie der Stürmer das Spiel gegen Nürnberg erlebte

Daniel Pontzen

Der erste Zweikampf fand bereits kurz vor dem Anpfiff statt, jenseits der Seitenlinie, genauer gesagt war es ein Dreikampf. Größtenteils hatte sich die Fotografentraube da schon wieder aufgelöst, die sich zuvor vor der Ersatzbank von Bayern München versammelt hatte, doch zwei Kollegen wollten partout nicht von ihrem Motiv lassen. Als sie trotz mehrfacher Ermahnung nicht verschwinden wollten, schob ein Mann vom Ordnungsdienst sie kurzerhand mit vollem Körpereinsatz zur Seite. Wenn der arme Junge schon nicht mitspielen darf, schien der Mann sagen zu wollen, so soll Lukas Podolski zumindest freie Sicht auf den Platz haben.

Sein Trainer Felix Magath hatte dem Nationalstürmer in den vergangenen Tagen einige Hoffnung gemacht, beim gestrigen Spiel gegen den 1. FC Nürnberg erstmals in der Anfangself des Rekordmeisters zu stehen. Er ist jetzt durchsetzungsfähiger, er kommt besser zum Abschluss, als das noch vor zwei Wochen der Fall war, hatte Magath gesagt. Doch als die beiden Teams das Spielfeld betreten, sitzt Podolski wieder auf der Bank. In der 35. Minute hat das Nichtstun endlich ein Ende, er erhebt sich von seinem Platz, trottet an der Außenlinie den anderen Ersatzspielern hinterher, macht Gymnastik und wartet.

In der Pause stakst Podolski über den Rasen, mal spurtet er, dann macht er ein paar Tricks mit dem Ball. Noch muss er sich gedulden, doch dann ist es soweit, in der 56. Minute wird er für Roy Makaay eingewechselt. Ernsthaft beteiligt am Spiel seiner Mannschaft ist Podolski auch danach zunächst nicht. Sein Trikot hängt über der Hose, den Kopf hat er so arg nach vorn gebeugt, dass es von weitem so aussieht, als suche er im Rasen nach etwas Wertvollem. Zweimal wird er im Mittelfeld gefoult, doch die rechte Bindung zu den Kollegen fehlt.

So entspringt seine erste Chance dem Zufall: Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer hat einen Schuss von Roque Santa Cruz zur Seite abgewehrt, Podolski reagiert am schnellsten, nimmt den Abpraller an, zieht ab, doch Schäfer ist wieder zur Stelle. Die Szene gibt Podolski Auftrieb, beim nächsten Angriff hebt er die Hand, er will jetzt einbezogen werden ins Spiel seiner Mannschaft. Kurz darauf schiebt ihm Santa Cruz bei einem schnellen Angriff den Ball zu, doch Podolski fehlt die Übersicht, sein Schuss wird abgeblockt. Danach lässt er sich mehr und mehr ins Mittelfeld zurückfallen, viele Ballkontakte hat er dabei nicht.

Beinahe aber hätte sein Auftritt doch noch eine kernige Schlusspointe gehabt: In der 88. Minute flankt Bastian Schweinsteiger auf seinen Kumpel, der aus vollem Lauf direkt Richtung Tor verlängert. Es wäre das Siegtor gewesen. Und ein wunderschönes Fotomotiv.

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