Sport : Lukas Podolski

Wie der Nationalstürmer gegen Hertha spielte

Daniel Pontzen

Felix Magath hat also seine selbst auferlegte Fürsorgepflicht einfach ignoriert: Um 15.28 Uhr schreitet Lukas Podolski auf den Rasen. Es kann auch sein, dass er schlecht spielt und sein Selbstvertrauen verliert, hat Magath tags zuvor erklärt, und davor, so der Coach, muss ich ihn schützen. Er hat das wirklich so gesagt, ohne Ironie. Lukas Podolski hat sich zuletzt an allerlei kreative Begründungen für seine Nichtberücksichtigung gewöhnen müssen, weshalb ihn selbst jenes bislang zweifellos krudeste Argument offenbar nicht verwirren konnte: Gleich nach dem Anpfiff begibt sich Podolski schutz- und furchtlos in die gegnerische Hälfte, und es dauert nur fünf Minuten, ehe er sich mit seinen beiden Ko-Stürmern Roy Makaay und Claudio Pizarro orientiert hat: Pizarro bedient Makaay, der leitet weiter Richtung Podolski, doch der verpasst knapp.

Das Offensivtrio beteiligt sich abwechselnd am Spielaufbau, in der neunten Minute ist Podolski an der Reihe. Er empfängt den Ball kurz hinter der Mittellinie, macht zwei, drei schnelle Schritte und entdeckt die Lücke: Sein Pass durchtrennt die Nahtstelle von Herthas Viererkette wie ein Strahl, und während Podolski dem Strahl hinterherschaut, trippelt er zurück, er ahnt, was folgt. Sekunden später führen die Bayern, Podolski ballt beide Fäuste und schaut Richtung Trainerbank. Nach seinem ersten Einsatz von Beginn an, kürzlich in Bielefeld, musste sich Podolski mangelnden Einsatz vorwerfen lassen. Es ist ihm anzusehen, dass sich das nicht wiederholen soll. Er ist sehr bemüht. Beim 2:0 ist er nur Zuschauer, kurz danach schießt er erstmals selbst aufs Tor, aus 25 Metern, indes: zu unplatziert. Es folgt ein Doppelpassversuch mit Makaay, ein Flankenwechsel zu Willy Sagnol, ein Direktspiel mit Philipp Lahm. Gäbe es eine Note für Sonstige Mitarbeit, Podolski stünde glatt zwei. Nur Makaay ist noch fleißiger.

Kurz vor der Pause kommt Podolski seinem ersten Ligator für die Bayern nahe. Doch nach präzisem Makaay-Zuspiel lenkt er den Ball an den Außenpfosten. Er muss sich weiter gedulden. Die zweite Hälfte beginnt für Podolski sehr unsanft: Er wird rabiat umgesenst. Doch sein Antrieb ist ungebrochen. Es ist ihm anzumerken, dass er noch etwas zu erledigen hat. Nach dem 3:0 durch Pizarro drischt er die aus dem Tor kullernde Kugel noch einmal ins Netz, als wolle er sagen: Ich! Schieße! Heute! Auch! Noch! Eins!

Doch seine Kollegen reduzieren das Tempo, und als nach dem 3:1 sogar der Anschlusstreffer fällt, wirkt auch Podolski kurzzeitig ratlos. Nach einem Eckstoß der Berliner setzt sich aber Bayerns Kontermaschinerie in Gang: Makaay passt auf Sagnol passt auf Podolski, der sprintet Richtung Tor, hebt den Ball aus 16 Metern halbhoch ins rechte Eck und genießt dann den Moment vor Bayerns Fankurve.

Um Podolskis Selbstvertrauen muss sich Magath vorerst also wohl keine Sorgen machen.

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