Sport : Lust auf Angriff

Heiko Schaffartzik hatte eine Dopingaffäre und spielt danach erstmals gegen seinen alten Klub Alba

Dave Hein[Nürnberg]

Es kommt nicht oft vor, dass ein Basketballprofi nicht eingesetzt werden will. Bei Heiko Schaffartzik aber war dies vor drei Monaten der Fall. Er stand auf dem Meldebogen des viertklassigen DTV Charlottenburg, doch sobald ein Spiel in der Zweiten Regionalliga anstand, pausierte er. Auf diese Weise saß er vier Spiele Sperre ab, die ihm der Deutsche Basketball-Bund (DBB) wegen eines Dopingvergehens auferlegt hatte. Kaum war die Sperre abgelaufen, wechselte er zum Bundesligisten Sellbytel Baskets Nürnberg. Mit dieser Art, eine Dopingsperre in der Bundesliga zu umgehen, rief Schaffartzik Kritik hervor. „Ich habe mich an die Regeln gehalten“, entgegnet er.

Nun spielt der ehemalige Spieler von Alba Berlin für den Aufsteiger Nürnberg, mit dem er nach zwölf Spielen mit nur drei Siegen auf dem letzten Platz steht. Heute (18.30 Uhr, live auf Premiere) tritt er erstmals nach der Dopingaffäre gegen seinen alten Klub an. „Nach der Niederlage in der letzten Woche ist Alba vielleicht angreifbar“, sagt Schaffartzik. Der Tabellenführer hat die erste Niederlage in der Bundesliga gegen Bremerhaven erlitten, inklusive Uleb-Cup warten die Berliner nun seit drei Spielen auf einen Sieg. „Wir sind im Tief“, sagt Berlins Trainer Henrik Rödl. Zudem ist der Einsatz des kränkelnden Aufbauspielers Hollis Price fraglich.

Heiko Schaffartzik versucht gegenwärtig, an die erfolgreiche vergangene Saison anzuknüpfen, als er sich mit dem Überraschungsteam Gießen in den Mittelpunkt gespielt hatte. Doch ein Joint, den er sich im Sommer angezündet hatte, brachte den Karriereknick. „Ich war frustriert, weil ich wegen Rückenproblemen nicht mit der deutschen A-2-Nationalmannschaft an der Universade teilnehmen konnte“, sagt Schaffartzik über sein Vergehen. Prompt fiel er mit einem positiven Dopingtest auf. Gießen kündigte den Vertrag, der DBB sperrte ihn. „Das war sicherlich keine angenehme Erfahrung“, sagt er. Er befürchtete, kein neues Team zu finden. Doch dann seien Angebote von Erstligisten gekommen. „Es war nicht so schlimm, wie es hätte sein können – Gott sei Dank.“ Man lerne aus so einer Situation, sagt Schaffartzik. „Man sieht, wer deine richtigen Freunde sind.“

Nürnbergs Trainer Stephan Harlander hatte überhaupt keine Bedenken, ihn nach Franken zu holen. „Ich war selber jung und weiß, dass man Fehler macht“, sagt der Coach, „aber ich habe lange mit Heiko geredet und hatte ein gutes Gefühl.“ Sportlich aber konnte Schaffartzik noch nicht an die Vorjahressaison anknüpfen. Der Aufbauspieler spielt durchschnittlich nur 23 Minuten und erzielt 5,3 Punkte. „Er hat im Moment Probleme mit seinem Wurf, aber er organisiert das Spiel sehr ordentlich und ist ein guter Verteidiger“, sagt Harlander über seinen 21 Jahre alten Spieler. Dieser gibt sich damit nicht zufrieden. „Vielleicht muss ich viel besser spielen, um zu zeigen, dass ich mehr Verantwortung übernehmen kann“, sagt der A-2-Nationalspieler. Schaffartzik verhalte sich professionell, antwortet sein Trainer, nur fehle es ihm manchmal an Geduld und zu oft setze er sich selber zu stark unter Druck.

Heiko Schaffartzik hat immer noch gute Kontakte nach Berlin, auch wenn er sagt: „Meine Verbindung besteht eher zu der Stadt als zu Alba Berlin.“ Das Verhältnis seiner Familie zu Alba ist dagegen sehr eng: Sein Vater Walter Schaffartzik, ein ehemaliger Basketballer von DTV Charlottenburg, ist Ärztlicher Leiter der Unfallklinik Marzahn. Gegenwärtig behandelt er dort den schwer verletzten Alba-Kapitän Matej Mamic. „Er tut viel mehr, als man von ihm erwarten kann“, lobt Henrik Rödl. Heikos jüngerer Brüder Kevin spielt beim Regionalligisten TuS Lichterfelde. Heute kommt er nach Nürnberg und feiert dort seinen 17. Geburtstag. Heiko sagt seinem Bruder eine große Karriere voraus. Und vielleicht lernt der ja aus dem Fehler des Älteren.

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