Sport : Lust aufs Dirndl

Die deutschen Volleyballerinnen wollen bei der Heim-Europameisterschaft den Titel holen.

von
Spaß in Belgrad. Bei der EM vor zwei Jahren gab es für die deutschen Volleyballerinnen einiges zu feiern, hier bejubelt die Mannschaft den Halbfinalsieg gegen Italien. Im Endspiel verloren die Deutschen dann aber gegen Gastgeber Serbien. Foto: AFP
Spaß in Belgrad. Bei der EM vor zwei Jahren gab es für die deutschen Volleyballerinnen einiges zu feiern, hier bejubelt die...Foto: AFP

Berlin - Anfang Juli haben die deutschen Volleyballerinnen schon mal in der Stadt ihrer Sehnsüchte vorbeigeschaut. In Berlin hatten sie eine Audienz bei Bundeskanzlerin Angela Merkel, später wurden sie am Kurfürstendamm im Geschäft ihres Sponsors eingekleidet. Ende der kommenden Woche will das Team um Spielführerin Margareta Kozuch in sportlicher Mission in die Hauptstadt zurückkehren. Ab Donnerstag findet in der Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg die Finalrunde der Europameisterschaft statt.

Und da wollen die Deutschen unbedingt dabei sein und, wenn sie schon so weit gekommen sind, nach Möglichkeit auch noch die letzten beiden Spiele gewinnen. Nichts weniger als den Gewinn der Goldmedaille haben sich die Mannschaft, ihr Trainer und der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) für die Heim-EM, bei der eine Vorrundengruppe im schweizerischen Zürich ausgetragen wird, als Vorgabe erkoren. Um am Ende tatsächlich ganz oben zu stehen, müssen die deutschen Volleyballerinnen allerdings erst einmal die Vorrunde und das Viertelfinale bewältigen, diese Spiele werden im ostwestfälischen Halle ausgetragen. Das Stadion, in dem normalerweise Tennisbegegnungen stattfinden, soll zu einer Art Trutzburg werden, in dem sich die deutsche Mannschaft behaupten kann. Schließlich sind die ersten Bewährungsproben anspruchsvoll, die Gegner in der Vorrunde heißen Spanien (Freitag, 17 Uhr, live bei Sport1), Niederlande (Samstag, 17 Uhr) und Türkei (Sonntag, 18 Uhr).

Da die Deutschen nicht über eine Vielzahl herausragender Einzelspielerinnen verfügen, müssen sie darauf bauen, viele einzelne Komponenten so zusammenzufügen, dass ein erfolgreiches Ganzes dabei herauskommt. Ein Baustein ist dabei das heimische Publikum, ein anderer der Teamgeist. Seit der Italiener Giovanni Guidetti im Mai 2006 die Nationalmannschaft von seinem inzwischen verstorbenen Vorgänger Hee Wan Lee übernahm, legt er größten Wert auf Zusammenhalt und Solidarität. Aus dem Wissen heraus, „dass wir keine Superstar-Truppe haben, die im Vorbeigehen siegt“. „Es gibt bei uns keine Spielerin, die 30 Punkte in einem Spiel macht. Wir müssen uns anders helfen“, sagt der 30 Jahre alte Trainer.

Das Vorhaben, fehlende Power durch Begeisterung zu kompensieren, wäre vor zwei Jahren beinahe von Erfolg gekrönt gewesen, als die deutsche Mannschaft bei der EM in Serbien im Finale das Team der Gastgeber an den Rand der Niederlage brachte. Nun sollen die fehlenden Punkte mithilfe der heimischen Kulisse dazukommen.

Guidetti ist der Baumeister dieses Ensembles, der Italiener hat sich als anerkannte Spitzenkraft etabliert. Dabei muss er sich fühlen, als agiere er in zwei unterschiedlichen Welten: Als Vereinstrainer bei Vakifbank Istanbul verfügt er über einen Kader aus fertigen Spitzenspielerinnen. In der abgelaufenen Saison erlebte er mit 47 Siegen in Folge eine märchenhafte Serie, die ihm das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League einbrachte.

In der Nationalmannschaft muss Guidetti immer wieder Spielerinnen an das geforderte Niveau heranführen. Wenn er seine beiden Jobs vergleicht, sagt der Trainer, in Istanbul fühle er sich, „als würde ich mit einer Playstation spielen. Bei der Nationalmannschaft ist es, als würde ich eine Playstation bauen.“

Ab morgen ist er mit seinen Spielerinnen gefordert, den Worten im Vorfeld der EM Taten folgen zu lassen. Sollte es tatsächlich klappen, würde es für Guidetti ein unvergesslicher Monat, denn am 20. September heiratet er auch noch die türkische Nationalspielerin Bahar Toksoy. Auch die deutschen Volleyballerinnen haben attraktive Perspektiven. Im Erfolgsfall hat DVV-Präsident Thomas Krohne versprochen, die Mannschaft zum Münchener Oktoberfest einzuladen und dabei alle Spielerinnen in der Landestracht auszustatten. Eine Aussicht, die durchaus verlockend klingt, wie Margareta Kozuch findet: „Ich würde gern mal sehen, wie ich in einem Dirndl aussehe. Schon allein deshalb, weil ich dann Europameisterin wäre.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben