Sport : Lustvoll Zweiter

Bremen verschafft sich mit dem 1:0 über Chelsea eine gute Ausgangsposition in der Champions League

Stefan Hermanns[Bremen]

Es gibt so etwas wie ein übergeordnetes Ziel für Werder Bremen in der Champions League. Abgesehen von den im Fußball üblichen Erfolgskriterien, wie viele Punkte zu holen oder viele Tore zu schießen, hat Thomas Schaaf gestern verraten, worum es seinem Team noch geht. „Wir wollen in der Champions League etwas Besonderes bieten und unsere Zuschauer begeistern“, sagte Bremens Trainer. So gesehen hatte sein Team beim 1:0 (1:0) über den FC Chelsea alle Ziele erreicht. Die Bremer hatten nicht nur die meisten der 37 500 Zuschauer erfreut, sondern sie sind nun auch punktgleich mit Chelsea Zweiter der Gruppe A. Im abschließenden Gruppenspiel am 5. Dezember beim FC Barcelona genügt Bremen ein Unentschieden zum Weiterkommen. „Jetzt fehlt nur noch das i-Tüpfelchen“, sagte Schaaf.

Werder Bremen war die große Lust am Duell mit dem Londoner Millionärs-Ensemble von Beginn an anzumerken. Chelsea statt Aachen, das allein setzte schon Kräfte frei. Von Beginn an stürmten Werders Spieler auf das Tor des Italieners Carlo Cudicini zu. Vor allem der Brasilianer Diego tat sich hervor, er war es, der in der Anfangsphase Cudicini mit seinem Schuss aus 18 Metern erstmals zum Eingreifen zwang. Anschließend strich Hugo Almeidas Linksschuss nur knapp am Tor vorbei.

Der Portugiese hatte von Thomas Schaaf den Vorzug vor Aaron Hunt bekommen. Der Trainer hatte für den gesperrten Frank Baumann Tim Borowski auf die defensive Position in der Mittelfeldraute beordert. „Wir wollen versuchen, im Mittelfeld Akzente zu setzen“, erklärte Schaaf. Das gelang zunächst sehr gut. Borowski traf oftmals im direkten Duell auf Michael Ballack, der bei Chelsea in zentraler Position spielte. Der ehemalige Spieler des FC Bayern musste sich von den Bremer Fans einige Pfiffe gefallen lassen, als er nach einem Foul am Boden lag, beschimpften ihn einige Fans sogar.

Die anfängliche Überlegenheit der Heimmannschaft drückte sich schließlich in der 27. Minute durch einen Treffer aus. Torsten Frings hatte eine Ecke vor das Tor geschlagen, Chelseas Stürmer Didier Drogba sprang unter dem Ball hindurch, was Per Mertesacker frei zum Kopfball kommen ließ: 1:0. Es war der zweite Pflichtspieltreffer des deutschen Nationalspielers für Bremen, vor fünf Tagen gegen Aachen hatte er erstmals getroffen.

Danach aber kam Chelsea besser auf. Nach Mertesackers Stellungsfehler konnte Joe Cole auf der linken Seite davonlaufen und den Ball mit dem Außenrist nach innen flanken. Dort stand Ballack, der den Ball aus kurzer Entfernung mit der Innenseite seines rechten Fußes auf das Bremer Tor lenkte. Doch Torhüter Tim Wiese konnte den Ball parieren. Es war Ballacks beste Szene, in der zweiten Halbzeit wurde er ausgewechselt.

Werders Führung zur Pause war verdient, kritisch sahen einige Bremer Fans bis dahin nur die hohen Eintrittspreise in der Champions League. Sie beschwerten sich mit einem Transparent: „Wir sind die, die mit euch durch Europa reisen, wir sagen Nein zu hohen Champions-League-Preisen.“ Das ansehnliche Spiel gegen Chelsea jedoch war jeden Euro wert.

Nach der Pause brachte Chelsea zwei Spieler, die bei jedem anderen europäischen Klub in der Anfangsformation stehen würden: Andrej Schewtschenko und Arjen Robben. Der schwache Didier Drogba und der 19-jährige Nigerianer John Obi Mikel mussten vom Feld. Weil Joe Cole auch noch in den Angriff rückte, verstärkte Chelsea den Druck auf das Tor von Tim Wiese.

Je länger das Spiel dauerte, umso eher erinnerte es an die Partie gegen den FC Barcelona. Als Werder lange Zeit mit 1:0 geführt hatte – und in der 89. Minute den Ausgleich kassierte. Sollte sich die Geschichte wiederholen? Tatsächlich schoss Chelseas Michael Essien den Ball fünf Minuten vor dem Ende nur knapp am Tor vorbei. Die Londoner belagerten das Bremer Tor, John Terry tauchte nur knapp unter einer Ecke hindurch. Doch Bremens Fans stemmten sich mit „Werder, Werder“-Rufen gegen den drohenden Ausgleich. Es sollte helfen.

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