Luxemburger Team : Das Real Madrid des Radsports

Ein geheimnisvolles Luxemburger Rennteam kauft einen Starfahrer nach dem anderen ein und will die Tour de France gewinnen. Im neuen Spitzenteam wimmelt es von Leuten mit schillernder Vergangenheit.

Tom Mustroph
Richtung Luxemburg. Der Schweizer Fabian Cancellara musste sich aus seinem Vertrag mit Saxo Bank herauskaufen und fährt nun für das neue Superteam des Radsports.
Richtung Luxemburg. Der Schweizer Fabian Cancellara musste sich aus seinem Vertrag mit Saxo Bank herauskaufen und fährt nun für...Foto: AFP

Der geheimnisumwitterte Luxemburger Rennstall nimmt Formen an. Das Team hat zwar weiterhin nicht einmal einen Namen, aber man weiß jetzt, wer in der kommenden Saison für das neue Superteam des Radsports auf der Straße zu sehen sein wird. Mit dem Schweizer Fabian Cancellara wurde zu Wochenbeginn der 25. Fahrer verpflichtet. Damit gehört dem Team nicht nur der dominierende Zeitfahrer und einer der am höchsten dekorierten Klassikerspezialisten der letzten Jahre an, sondern in Andy Schleck auch der vielversprechendste Rundfahrer neben dem derzeit suspendierten Alberto Contador.

Von der Besetzung her ist das Team eine Art Real Madrid des Radsports. Der schnelle Italiener Daniele Bennati soll für Sprintsiege sorgen. Talente wie der Däne Jakob Fuglsang und der Lemgoer Dominic Klemme stellen Zukunftsfähigkeit her, Oldie Jens Voigt übernimmt die Rolle des Lotsen. Die Sogwirkung dieser „Galácticos“ des Asphalts ist so groß, dass einstige Kapitäne wie die früheren Milram-Profis Linus Gerdemann und Gerald Ciolek gern in die Zuarbeiterrolle zurücksteigen und andere Mitstreiter viel Geld hinlegen, um an Bord zu gelangen. Cancellara musste sich erst aus dem Vertrag mit seinem alten Rennstall Saxo Bank herauskaufen. Auch der Trainingswissenschaftler Luca Guercilena zahlte bereitwillig eine Ablösesumme an das Team Quick Step. Guercilena ist langjähriger Mitarbeiter des weithin geschätzten Trainingsexperten Aldo Sassi. Der fungiert in der von Dopingaffären zermürbten Branche als eine Art Vorzeigeathlet für sauberes und intelligentes Kilometerfressen. Sassi geht dabei aber riskante Wege, die seinem Image schaden könnten. Neben Ivan Basso – einem früheren Klienten des Dopingarztes Eufemiano Fuentes – betreut er seit kurzem auch den nassforschen Doper Riccardo Ricco.

Im neuen Spitzenteam aus Luxemburg wimmelt es von Leuten mit schillernder Vergangenheit. Team-Chef Kim Andersen etwa ist ein Mann mit dem zweifelhaften Nimbus des ersten lebenslang gesperrten Radprofis. Nach zwei positiven Dopingproben ereilte ihn 1988 diese Sperre. Sie wurde später auf ein Jahr reduziert. Trotzdem dopte Andersen weiter und wurde 1992 erneut erwischt. Als Sportlicher Leiter war er bislang im Windschatten seines Landsmannes Bjarne Riis. Jetzt steht er aber selbst im Mittelpunkt. Lässt einer seiner Fahrer sich beim Dopen erwischen – Fränk Schleck bezahlte in der Vergangenheit bereits Eufemiano Fuentes – würde sich das Bild vom Fisch, der vom Kopf her stinkt, von allein malen. Weil die Kernzelle des „Luxembourg Pro Cycling Projects“ sich aus gemeinsamen Tagen bei Saxo Bank kennt, ist erst einmal ein geschmeidigerer Start zu erwarten, als er dem ebenfalls hoch ambitionierten und finanziell gut betuchten britischen Team Sky in der abgelaufenen Saison gelang.

Außer den verpflichteten Fahrern ist wenig bekannt über den neuen Rennstall. Geldgeber ist der vom Maurer zum Baulöwen aufgestiegene Flavio Becca. Er gilt als einer der reichsten Luxemburger und finanziert bereits den Fußballklub F91 Düdelingen. Becca strebt auch einen Stadionneubau mit integriertem Outlet-Center an und hält zudem die Luxemburger Franchise-Lizenz für eine Schnellrestaurantkette. Anders als der Schweizer Milliardär Andy Rihs, der die Werbewirksamkeit des Radsports nutzt, um seine Marken (einst Phonak, heute BMC) bekannt zu machen, bleibt Becca im Hintergrund.

Ein Namenssponsor für den Rennstall gibt es bislang nicht. Die Teamwebsite www.leopard.lu befindet sich im Bau. Im Zeichen der gefleckten Raubkatze werde die Mannschaft ohnehin nicht an den Start gehen, versichert Manager Brian Nygaard. Wie eine ausgefeilte Kommunikationsstrategie wirkt dies nicht. Die Ambitionen immerhin sind hoch. „Wir wollen 2011 die Tour de France gewinnen“, sagt Nygaard.

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