Sport : Mach mal lauter

Andre Mijatovic wird Herthas neuer Kapitän – weil er den Ton angeben kann

Der Ansager. Andre Mijatovic verteilt auf dem Feld Anweisungen. Foto: contrastphoto
Der Ansager. Andre Mijatovic verteilt auf dem Feld Anweisungen. Foto: contrastphotoFoto: contrastphoto

Nun muss er schon wieder zahlen. Als Neuzugang hatte Andre Mijatovic gerade erst für die Mannschaftskasse gespendet, jetzt darf er wieder einzahlen, zum Einstand im neuen Amt. Denn Markus Babbel hat ihn zum Kapitän ernannt. Damit ist dem Trainer von Hertha BSC die erste große Überraschung seiner noch jungen Amtszeit gelungen. Beim Berliner Fußball-Zweitligisten hatten viele erst mit Pal Dardai gerechnet, einige mit Raffael, die meisten mit Lewan Kobiaschwili. Auch Mijatovic dachte, dass der Georgier das Rennen machen würde. „Kobi war mein Favorit“, sagt er. Doch als Babbel Mijatovic, Kobiaschwili und Christian Lell zum Gespräch bat, machte er Kobiaschwili nur zum Stellvertreter, genau wie Lell.

„Andre hat unheimlich viel Erfahrung, und er macht auch auf dem Platz den Mund auf, das war mir wichtig“, sagte Babbel. Die anderen Kandidaten seien ihm zu ruhig gewesen, lässt er durchblicken. In den Einzelgesprächen, die er im Trainingslager in Feldkirchen geführt hat, habe er zudem herausgehört, dass bei vielen Spielern der Respekt groß sei vor dem 30-jährigen Kroaten. Mijatovic hat als einer der wenigen Spieler Zweitligaerfahrung, was beim Ziel Aufstieg noch helfen könnte.

Die Kapitänsrolle kennt er bereits: Zu Beginn seiner Karriere trug er in Rijeka die Binde, mit 20 Jahren war er dort der jüngste Kapitän der Vereinsgeschichte; in Fürth und Bielefeld war er jeweils Stellvertreter. Inhaltlich liegt Mijatovic voll auf Babbels Linie. „Wir müssen lauter werden auf dem Platz“, wiederholt er, was sein Coach jeden Tag auf dem Trainingsplatz fordert. Mit der Lautstärke hat Mijatovic keine Probleme. Abseits des Platzes ist er ein ruhiger Typ, der fließend Deutsch spricht, aber es in gedämmter Lautstärke vorträgt. Doch im Spiel ruft er immer wieder Anweisungen an seine Nebenleute, so auch gestern Abend beim Testspiel gegen den Linzer ASK, das nach Toren von Roman Hubnik und Marco Djuricin für Hertha 2:2 (1:2) endete. Mijatovic durfte in Steyr zum ersten Mal überhaupt die Hertha-Binde tragen – allerdings nur bis kurz vor der Pause, dann musste er wegen einer Platzwunde ausgewechselt werden.

Dass der Kroate den Kapitänsposten bekommen hat, ergibt auf den zweiten Blick durchaus Sinn. Denn erstens ist er Innenverteidiger, das mag Babbel. Und zweitens gab es bei allen anderen Anwärtern ein Aber. Pal Dardai wäre eigentlich der natürliche Kapitänskandidat gewesen, seit fast 14 Jahren ist der Ungar bei Hertha, „keiner kennt den Verein so gut wie er“, sagt selbst Babbel. Aber Dardai ist auch sehr verletzungsanfällig, fast die gesamte vergangene Saison verpasste er, und auch nach Österreich konnte er wegen muskulärer Probleme nicht mitfahren. Derzeit ist sogar sein Stammplatz in akuter Gefahr.

Kobiaschwili gilt wie Mijatovic als Musterprofi, hinterlässt in der Vorbereitung einen starken Eindruck und verhält sich taktisch clever, wofür Babbel ihn den anderen Spielern als lobendes Beispiel vorhält. Aber der 33-jährige Georgier gibt seine Routine auf dem Platz zu selten verbal weiter. Raffael begann in den Tests meist als Kapitän. Dieses Amt hätte ihn noch einmal zusätzlich motivieren und professionalisieren können. Zudem ist er die Integrationsfigur „für die Südamerika-Fraktion“, wie Babbel Ronny, Ramos und Kaka nennt. Zwar spricht Raffael als einziger aus dem Quartett rudimentär Deutsch, doch alles, was über die Platzwahl hinausgeht, wäre im Kapitänsamt sprachlich zum Problem geworden. Das Sprachrohr des Trainers muss eben auch die Sprache beherrschen.

Fabian Lustenberger schließlich wird von Babbel wegen der für sein junges Alter großen Erfahrung gelobt, aber da ist eben auch das junge Alter. Mit 22 Jahren wäre er den älteren Spielern als Kapitän nur schwer vermittelbar gewesen.

So sitzen die vier stattdessen mit im Mannschaftsrat, in dem Babbel auch einen Platz für Patrick Ebert freihält, der derzeit einen Kreuzbandriss auskuriert. Von Ebert war Babbel von Beginn an sehr angetan. Als einer der wenigen kam er topfit aus dem Urlaub zurück und gab in den Testspielen alles. Dass die angetragene Verantwortung den 23-Jährigen auch ein wenig zügeln könnte, ist ein nicht unerwünschter Nebeneffekt.

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