Sport : Machen Sie jetzt Urlaub, Herr Ballack?

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Herr Ballack, Sie haben im Spiel gegen Südkorea eine Sperre für das WM-Endspiel in Kauf genommen, um für Ihre Mannschaft ein Gegentor zu verhindern. In Deutschland werden Sie jetzt fast wie ein Held gefeiert. Tröstet Sie das etwas darüber hinweg, dass Sie im Finale nicht dabei sind?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht habe. Ich bin immer noch ein bisschen leer im Kopf. Held? Ich weiß nicht? Ich glaube nicht, dass ich als großer Held dastehe. Was ich in dieser Situation gemacht habe, das hätten andere auch gemacht.

Trotzdem hat Teamchef Rudi Völler gesagt, die ganze Mannschaft müsse den Hut vor Ihnen ziehen. Haben die Kollegen Sie nach dem Spiel ein wenig getröstet?

Natürlich sind die meisten zu mir gekommen und haben mich getröstet. Aber nur kurz. Das ist doch auch normal. Nach so einem Spiel ist jeder erst mal auf sich fixiert. Wenn du ins WM-Endspiel kommst, ist es doch logisch, dass du diesen Erfolg entsprechend feierst. Außerdem hat es ja auch einige Spieler gegeben, die beim Halbfinale nicht in der Mannschaft standen. Da springen halt andere ein. Genauso ist jetzt auch meine Situation.

Eigentlich könnten Sie jetzt schon Urlaub machen.

Ach, Blödsinn. Ich bin immer noch mit dem ganzen Herzen dabei und werde auch weiterhin versuchen, positiv auf die Mannschaft einzuwirken. Obwohl die sowieso nichts mehr aus der Bahn werfen kann.

Wollen Sie wirklich noch das volle Programm durchziehen?

Ich versuche es. Natürlich ist das bitter, dass ich am Sonntag nicht spielen darf. Aber ich bleibe ein Spieler der Mannschaft. Also werde ich auch alle Termine einhalten. Es steht einfach auch viel zu viel auf dem Spiel, als dass ich mich jetzt außerhalb der Gruppe bewege und hier schon Urlaub mache.

Wie wird das sein: im WM-Finale zu stehen und nicht mitspielen zu dürfen?

Das weiß ich auch nicht so genau. Ich glaube, in diese Situation kann sich auch niemand reinversetzen, der nicht selbst Fußball gespielt hat. Das WM-Finale ist einfach das Größte, was ein Fußballer erreichen kann. Vor vier Jahren ist es dem Franzosen Laurent Blanc ähnlich gegangen, der war im Endspiel gegen Brasilien auch gesperrt. Ich habe das damals im Fernsehen verfolgt, und ich weiß noch, dass ich das als unheimlich bitter für ihn empfand. Vielleicht wird man erst viel später begreifen, was man da verpasst hat.

Sie haben mit Leverkusen in diesem Jahr drei Titel verloren, jetzt stehen Sie im WM-Finale und können der Mannschaft wieder nicht helfen.

Darauf habe ich jetzt wirklich gewartet. Wenn diese Frage nicht gekommen wäre, wäre ich richtig traurig gewesen. Ich finde das schon fast ein bisschen respektlos zu sagen, dass man eventuell wieder nur Zweiter wird. Diese Mannschaft steht im WM-Finale, und egal wie das ausgeht, sie hat schon jetzt etwas Großartiges erreicht – genau wie Leverkusen. Von uns hätte auch niemand erwartet, dass wir ins Endspiel der Champions League kommen. Und wer weiß: Vielleicht ist es ja sogar ein gutes Omen, dass ich nicht spielen kann.

Aufgezeichnet von Stefan Hermanns.

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