Machtkämpfe : HSV trennt sich von Beiersdorfer

Nach Trainer Martin Jol, der am Saisonende unvermittelt zu Ajax Amsterdam wechselte, verabschiedete sich am Dienstagabend auch Sportchef Dietmar Beiersdorfer.

Erik Eggers
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Beiersdorfer

Hamburg - Als Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer 2003 als Vorstandsmitglieder des Hamburger SV die Führung übernahmen, gaben sie ein ambitioniertes Ziel aus: Sie wollten den HSV bis 2010 in die Riege der 20 besten Klubs Europas führen. Diese Vorgabe ist umgesetzt: Der HSV ist auf den 13. Platz vorgerückt, er spielt seit Jahren im Europapokal, und das Stadion ist stets gefüllt. Dennoch herrschen unruhige Zeiten: Nach Trainer Martin Jol, der am Saisonende unvermittelt zu Ajax Amsterdam wechselte, verabschiedete sich am Dienstagabend auch Sportchef Dietmar Beiersdorfer.

Vorausgegangen war ein Machtkampf zwischen Beiersdorfer und dem Vorstandsvorsitzenden Hoffmann. Es habe „keine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mehr bestanden, erklärte Beiersdorfer. Deshalb habe er den Aufsichtsrat „um eine Entscheidung gebeten“. Den Showdown gewann Hoffmann. Beiersdorfer soll sich hintergangen gefühlt haben. Angeblich hatte sich Hoffmann in die Arbeit der Nachwuchs- und Scoutingabteilung eingemischt, die zu Beiersdorfers Bereich zählte. Zudem konnte Beiersdorfer wohl mit dem fünften Platz der vergangenen Saison leben, Hoffmann haderte hingegen mit der vergebenen Chance auf den Titel-Hattrick.

Was auch immer der Anlass für das aktuelle Zerwürfnis gewesen sein mag: Beide sind völlig unterschiedliche Typen. Hoffmann besitzt das Image eines kalt kalkulierenden Kaufmanns, der Reibungen bewusst provoziert. Allerdings kann er darauf verweisen, dass der HSV mit knapp 150 Millionen Euro Umsatz zu den reichsten deutschen Fußballklubs zählt. Beiersdorfer hingegen verkörpert einen zuhörenden, intellektuellen Typ. Nach vielen Fehleinkäufen holte er Stars wie den inzwischen wieder abgewanderten Rafael van der Vaart. Und er verkaufte Profis wie Nigel de Jong oder Vinzent Kompany mit großem Geschick. Bei den Fans war er schon wegen seiner sechs Profijahre beim HSV beliebter als Hoffmann.

Als Nachfolger gehandelt werden HSV-Aufsichtsratsmitglied Sergej Barbarez, Ex-Profi Nico Jan Hoogma oder Dieter Hoeneß. Eine Woche vor Trainingsauftakt hat der Klub unter Coach Bruno Labbadia noch keine Neuverpflichtungen präsentiert. Sollte der HSV deshalb in der neuen Saison in die Krise geraten, wird nur einer verantwortlich gemacht werden: Hoffmann. Erik Eggers

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