Machtkampf bei Hertha : Die Berliner Depesche

Herthas Manager Dieter Hoeneß setzt den brisanten Brief an das Präsidium ausdrücklich als Mittel im internen Machtkampf ein.

Friedhard Teuffel
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Wohin des Wegs? Hertha-Manager Dieter Hoeneß und Präsident Werner Gegenbauer (hinten) peilen offensichtlich verschiedene...

Berlin - Eine nette Großfamilie ist Hertha BSC an diesem Tag, es ist viel Nachwuchs gekommen aus dem Kids Club des Vereins und hat sich in die letzten Reihen gesetzt. „Schön ruhig sein, gut zuhören und später vielleicht auch mal Journalist werden“, ermahnt sie Pressesprecher Hans-Georg Felder und bekommt für diese klare Ansage einen Schulterklopfer von seinem Nachbarn, Manager Dieter Hoeneß, der ihn auch noch liebevoll „Onkel Hansi“ nennt.

Die wichtigere Aufgabe für den Zusammenhalt der Familie hatte Felder zuvor schon erledigt. Er hat einen Brief von mehreren leitenden Angestellten des Vereins an das Präsidium unterschrieben: Das Präsidium solle die Arbeit des Managers nicht beschädigen, lautete die Aussage. Denn das gefährde den Erfolg des gesamten Vereins, den Hertha doch gut gebrauchen könne, zum Beispiel einen Sieg am Sonntag gegen Werder Bremen. „Ich stehe inhaltlich voll und ganz hinter dem Brief“, sagt Felder am Freitag auf die Frage, ob denn diese durch eine Indiskretion öffentlich gewordene Hauspost die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsstelle und Präsidium verbessern werde.

Seinem direkten Vorgesetzten Hoeneß hat Felder mit seiner Unterschrift jedenfalls eine große Freude bereitet. „Ich freue mich über die Solidarität. Das zeigt, dass die Reihen in der Geschäftsstelle geschlossen sind“, sagt Hoeneß. In der Tat haben alle leitenden Mitarbeiter der Geschäftsstelle ihre Unterschrift unter den Brief gesetzt, dass einige von ihnen davor länger überlegt haben sollen, ist vielleicht nur eine Fußnote, vielleicht aber auch mehr.

Wer unter dem Brief steht, der hat sich für eine Seite entschieden, das haben wohl einige befürchtet in dieser kritischen Phase von Hertha BSC, in der man sich offenbar für eine Seite entscheiden muss: für die von Dieter Hoeneß. Oder für die des Präsidiums und des Präsidenten Werner Gegenbauer. Ein Präsidiumsmitglied hatte schließlich zuletzt im Tagesspiegel die Arbeit des Managers als selbstherrlich kritisiert. Der Führungsstil von Dieter Hoeneß beschäftigt das Präsidium auf jeden Fall, und nach der Saison, wenn der Ball in der Bundesliga ausgerollt ist, kommt dieses Thema noch einmal auf den Tisch. Im Moment kämpft Hertha um einen Platz in der Champions League, dieses Thema ist derzeit für die Verantwortlichen wichtiger.

Präsident Gegenbauer will sich vor dem Saisonende nicht in dieser Angelegenheit äußern, er habe den Brief erhalten, über Inhaltliches werde nach dem letzten Spieltag gesprochen, und derzeit fällt ihm nur eine „angenehme und ungestörte Atmosphäre“ auf zwischen ihm und den leitenden Angestellten Ingo Schiller, Jochen Sauer, Michael Preetz und Peter Bohmbach, die alle nach Versenden des Briefes mit ihm über ihre zukünftige Rolle in der Vereinsführung gesprochen haben.

Die Rolle von Hoeneß ist formal eindeutig, sein Vertrag endet im Sommer 2010. Doch seit das Verhältnis zwischen ihm und Gegenbauer belastet ist, weil Gegenbauer ihn zurechtgewiesen hatte, scheint alles möglich. Eine Abberufung von Hoeneß als Vorsitzender der Geschäftsführung kann das Präsidium mit Zustimmung des Aufsichtsrats auch vorher vornehmen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Schiphorst sagt: „Ich will nur, dass jetzt Ruhe einkehrt.“

Dass im Moment zu viel von Hertha zu hören ist, vor allem einige Zwischentöne, liegt für Hoeneß nicht etwa an der Solidaritätsadresse der Mitarbeiter, sondern daran, sie der „Bild“-Zeitung zuzuspielen. „Es ist unsäglich, dass ein gut gemeinter Brief an die Öffentlichkeit gelangt ist“, sagt er. Und er sei sich sicher, dass dahinter niemand aus der Geschäftsstelle stecke. Den Inhalt des Briefs habe er vor dem Absenden gekannt, sagt Hoeneß, „aber ich habe ihn nicht verfasst und nicht abgeschickt“. Der Brief hat Gewicht, das betont Hoeneß ausdrücklich. „Wenn ich von meinen Mitarbeitern so einen Brief bekommen würde, dann würde ich ihn sehr ernst nehmen“, sagt er und setzt dazu eine ministeriale Miene auf. Dann schließt ein Gruppenbild mit den jungen Fans aus dem Kids Club die Veranstaltung ab, und als einer der Jungs „Hahohe – Hertha Beesszee“ ruft, streicht ihm Hoeneß großväterlich über die Haare.

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