Sport : Machtlos gegen Mannheim

Dem Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga liegt der Vizemeister nicht

Claus Vetter

Berlin. Während der Arbeit bemüht Bill Stewarts nicht eben ein ausführliches Mienenspiel. Verkniffene Lippen, dazu ein finsterer Blick – bei Spielen seiner Mannheimer Adler schaut der kanadische Trainer nie freundlich drein. Ein harter Zeitgenosse ist er, der Herr Stewart. Aber auch einer, der das Bild vom Buhmann der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) kultiviert hat. Spätestens seit sich Stewart vor zwei Jahren mit dem damaligen Trainer der Berlin Capitals, Pavel Gross, einen Faustkampf auf der Spielerbank lieferte und dann ein paar Wochen später in einem taktisch für ihn günstigen Moment während einer Partie einen Schwächeanfall erlitt, ist Stewart bei vielen unbeliebt. Doch das zählt im Sport wenig, Erfolg dafür um so mehr. Und den hat Bill Stewart. Er war mit Mannheim Meister und Vizemeister.

Nach einem wichtigen Sieg variiert Stewart seinen Ausdruck schon mal, zaubert ein breiten Grinsen auf sein Gesicht. Ein Bild, das am Donnerstag im Sportforum zu beobachten war. Die Adler hatten bei den Eisbären gesiegt, mit 3:2 nach Penaltyschießen. Wieder einmal. Von fünf Partien dieser Saison haben die Adler gegen den Tabellenführer aus Berlin vier gewonnen. Eine schöne Sache ist das für Bill Stewart. Doch nur nichts anmerken lassen: Stewart lobte den Gegner über alle Maßen, schob ihm schon den Titel zu. „Wer hat denn als einziger Trainer vor der Saison auf die Eisbären getippt?“, fragte er. Die Antwort gab Stewart: „Ich war es.“ Ernsthaft kann er sich gegenüber den Eisbären nicht im Nachteil sehen. Im wichtigen Moment waren die Adler meist siegreich. Zuletzt in in den Play-offs der Vorsaison, wo sie die Eisbären im Viertelfinale bezwangen.

Sicher, damals waren die Voraussetzungen andere, hatte Berlins Trainer Pierre Pagé nicht die Mannschaft, die er jetzt hat. Trotzdem, Angst vor den Adlern, die die Eisbären frühestens in den Play-offs wiedersehen, ist angebracht. Wie Mannheim einen 0:2-Rückstand ausglich und dann das Penaltyschießen gewann, das war imposant. Die Berliner kamen im zweiten Drittel kaum zu Chancen, schienen von den schnellen Kombinationen der Adler beeindruckt. Pagés Erklärungen, dass sein Team „viele Spiele in kurzer Zeit“ und „zu viele Verletzte hatte“ – Steve Walker fiel mit einer Leistenverletzung aus und muss nun zwei Wochen pausieren – helfen wenig. Auch Mannheim trat nicht in Bestbesetzung an. Ein anderes Statement von Pagé traf den Kern: „So ein Spiel ruft uns ins Gedächtnis, dass wir noch nicht am Ziel sind.“

Die Annahme, dass Mannheim und Meister Köln in den Play-offs im März zulegen, ist berechtigt. Bill Stewart und Kölns Trainer Hans Zach – ein Meister des Understatements – versagen selten im Ernstfall. Was ist zu tun, damit die momentane Euphorie bei den Berlinern nicht mit einem unschönen Erlebnis endet? „Wir haben zwei Monate Zeit, um uns zu verbessern“, sagt Pagé. „Es gibt Strategien, an denen wir arbeiten müssen.“ Dass sein Kollege Bill Stewart am Donnerstag innerlich frohlockte, ist Pagé nicht entgangen. Irritieren lässt er sich davon nicht. „Lass den Bill Stewart jetzt glücklich sein, wir werden später glücklich sein“, sagt Pagé.

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