Sport : Machtvoll, glücklos und ohne Durchblick

Die Erfolgsserie des HSV endet mit einem 0:1 gegen Bochum

Karsten Doneck

Hamburg. Dietmar Beiersdorfer hatte es die Sprache verschlagen. „Was soll man da sagen?“, fragte er nach dem Spiel die auf ihn wartenden Journalisten. Der Sportchef des Hamburger SV fand keine rechte Erklärung dafür, warum die eigene Mannschaft nach einer kleinen Erfolgsserie nun daheim im Achtelfinale des DFB-Pokals gepatzt hatte. Ein Grund ist vielleicht, dass der HSV stets dann, wenn Selbstvertrauen angesagt wäre, zu Überheblichkeit neigt. Mit 0:1 (0:1) schieden die Hamburger vor 35136 Zuschauern in der AOL-Arena völlig überraschend gegen den VfL Bochum aus. „Zu pomadig“ war die Leistung der Gastgeber selbst nach dem Geschmack ihres Trainers Kurt Jara gewesen.

Peter Neururer würdigte vor allem die Leistung seines Torwarts Christian Vander. „Ihm haben wir das Weiterkommen zu verdanken, ihm widmen wir diesen Erfolg“, sagte der VfL-Trainer. Vander verrichtete besonders in den ersten zehn Minuten und im zweiten Teil der zweiten Halbzeit Schwer- und Präzisionsarbeit. Da stürmte nämlich der HSV: machtvoll, glücklos, manchmal ungeschickt, hin und wieder auch überhastet und ohne den rechten Durchblick. Bochum verteidigte aufopferungsvoll.

Gleich vier Tormöglichkeiten versiebte der HSV in der Anfangsphase, die beste durch einen Kopfball von Milan Fukal nach gefühlvoller Flanke von Sergej Barbarez. Die Bochumer, die sich zu Beginn fast ängstlich in der Defensive verschanzt hatten, fassten in dem Maße Mut, in dem der HSV fortan nachlässig und hochnäsig wurde. Der VfL kombinierte nach einer Weile sogar geschickter und zielstrebiger als sein Gegner. Und während der Druck des HSV immer mehr nachließ, schaffte der VfL fast mit dem ersten Torschuss das 1:0: Nach einem Pass von Hashemian, der vor seinem Wechsel nach Bochum auch mal das HSV-Trikot getragen hatte, lief Paul Freier, der agilste VfL- Spieler, allein auf das Hamburger Tor zu. Schlussmann Pieckenhagen besaß gegen seinen Flachschuss keine Abwehrchance.

Nach der Pause hatte Schindzielorz nach einem Kontar sogar noch die Chance zum 2:0, doch Fukal rettete auf der Linie. Sonst bestimmte der HSV die zweite Hälfte, ohne aber das Ergebnis noch drehen zu können. Und als Dietmar Beiersdorfer endlich seine Sprache wiedergefunden hatte, blieb ihm nur die Feststellung: „Wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, das war ja fast schon ein Rückfall in die Zeit vor fünf Wochen.“ Seinerzeit stand der HSV noch in engem Kontakt zu den Abstiegsplätzen.

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