Sport : Machtwort des Ministers

Schily stärkt Berlins Einfluss bei Leipzigs Olympiabewerbung

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Leipzig (dpa). Aus Sorge vor einem frühzeitigen Scheitern der Leipziger OlympiaKandidatur hat Otto Schily ein Machtwort gesprochen und dabei den Einfluss der Bundesregierung mit einem 16. Mitglied im Aufsichtsrat der Bewerbungs-GmbH gestärkt. Auf Betreiben des Bundesinnenministers wurde bei der Sitzung des Gremiums am späten Donnerstag in Berlin Staatssekretär Göttrik Wewer in den Führungskreis aufgenommen. Die verantwortlichen Köpfe bleiben jedoch weiterhin Klaus Steinbach, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland, und Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Tiefensee wurde praktisch zum Chef-Diplomaten ernannt.

Nach den Turbulenzen der letzten Wochen führte die vierstündige Sitzung zu einem Klärungsprozess, in dem Schily das Wort führte und die Dissonanzen im Aufsichtsrat zu glätten versuchte. „Es war eine hocherfreuliche Sitzung, die dazu beigetragen hat, einige Irritationen, die es in letzter Zeit gegeben hat, auszuräumen“, sagte der gastgebende Sportminister nach Mitternacht in seinem Amtssitz.

Künftig sollen allein der Vorsitzende Steinbach und sein Stellvertreter Tiefensee die Sprecherrolle einnehmen. Dabei nimmt Tiefensee eine übergeordnete Stellung ein. Auf Einladung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) reist der Oberbürgermeister als Beobachter zur IOC-Session (1. bis 4. Juli) nach Prag, wo die Olympischen Winterspiele 2010 vergeben werden.

Dort wird er erneut auf IOC-Präsident Jacques Rogge treffen, nachdem er zuletzt am vergangenen Sonntag am Rande der Jubiläumsfeier für das Olympische Museum in Lausanne mit dem Belgier zu Abend gegessen hatte. „Wir werden die internationale Ebene verstärkt angehen. Ich will in Prag internationale Kontakte knüpfen und auffrischen“, erläuterte Tiefensee. Aktiv jedoch kann er für die deutsche Kandidatur um die Olympischen Spiele 2012 nicht werben, weil der Brief mit der offiziellen Bewerbung noch nicht beim IOC vorliegen wird.

„Oberbürgermeister Tiefensee ist die unmissverständliche Nummer 1 der Bewerbung, mit starker Hilfe des NOK“, sagte Steinbach. Dem 49-jährigen Mediziner wurde am Donnerstag zwei Mal der Rücken gestärkt. Erst bestimmte ihn das NOK-Präsidium auf ausdrücklichen Wunsch der Verbände wie vor drei Jahren zum Chef de Mission für die Olympia-Mannschaft 2004. Anschließend beendete der Aufsichtsrat die Querelen um den von Steinbach als Geschäftsführer der „Leipzig 2012 GmbH“ erwünschten Mike de Vries. Der 44-Jährige tritt am 1. Juli sein Amt als zweiter Geschäftsführer neben Dirk Thärichen mit dem speziellen Aufgabenbereich Marketing in Leipzig an. Zu einem noch nicht näher bestimmten Zeitpunkt wechselt er in die Geschäftsführung der Deutschen Sport Marketing (DSM), von der er schon jetzt sein Gehalt beziehen soll.

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