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Warum deutsche Fußballerinnen in der US-Profiliga so begehrt sind

Helen Ruwald

Berlin. Ein bis zwei Mal pro Woche bekommt Monika Staab, die Trainerin des deutschen Frauenfußballmeisters 1. FFC Frankfurt, einen Telefonanruf aus den USA. Kollegen wollen wissen, welche Fußballerinnen sie für die US-Profiliga Wusa (Women’s United Soccer Association) verpflichten sollen. Am begehrtesten sind freilich die Spielerinnen, die Staab nicht anpreist: ihre eigenen. Frankfurt, Deutscher Meister, Uefa-Cup-Sieger 2002, will heute im Olympiastadion gegen den FCR Duisburg zum fünften Mal in Folge den Pokal gewinnen. „Die Amerikaner suchen alles, was Fußball spielen kann. Ihre eigenen Spielerinnen können rennen, aber ihnen fehlten Taktik und Technik“, sagt Staab. Abwerbungsversuche sind alltäglich.

Torjägerin Birgit Prinz stürmt für Carolina Courage, Steffi Jones für Washington Freedom. Dort kicken künftig noch zwei weitere Frankfurterinnen: Die Nationalspielerinnen Sandra Minnert und Jennifer Meier. „Vier, fünf andere meiner Spielerinnen haben auch Angebote aus Amerika“, sagt Staab. Dort sind laut Frankfurts Manager Siegfried Dietrich pro Spielzeit „25000 bis 40000 Dollar zu verdienen, in der Bundesliga gibt es Aufwandsentschädigungen und ein kleines Gehalt“. Vom Fußball leben könnten die Spielerinnen höchstens mit „individuellen Sponsorenverträgen“. Und die sind rar.

Duisburgs Melanie Hoffmann hat sich schon nach dem Pokal-Halbfinale Richtung New York Power verabschiedet, mit ihr sind es sieben deutsche Fußballerinnen in den USA. Dort schauen 7000 Fans zu, in der Bundesliga 300. „Die, die gehen wollen, kann man nicht halten“, sagt Duisburgs Trainer Jürgen Krust, „aber in den USA geht es abwärts, das ist unsere Chance.“ Die US-Liga besteht nicht aus Vereinen, sondern ist als GmbH organisiert, in die mehrere Medienunternehmen investieren. Es geht vorrangig um Kommerz. Doch die finanziellen Möglichkeiten sind nicht mehr so groß wie bei der Gründung der Liga 2001. Neu ist, dass Spielerinnen, die in die USA wechseln, nach dortigem Saisonende im August nicht sofort wieder in der Bundesliga spielen dürfen. Sie sind mindestens sechs Monate gesperrt.

Die Bundesliga selbst versucht, attraktiver zu werden. Bei einem Klub-Check wurden die Vereine in den Bereichen Marketing, Stadionsicherheit und Zuschauerkapazitäten getestet. Ein Unternehmensberater wurde eingeschaltet, ein Lizenzierungsverfahren ist angedacht. Doch insgesamt, sagt Dietrich, „sind die Fortschritte spärlich“. Als Plus sieht er, zumal nach Einführung der Zweiten Liga 2004/2005, „den größeren sportlichen Wettbewerb. In den USA gibt es keinen Auf- und Abstieg“, sondern eine Liga mit den immer gleichen acht Teams. Spannender geworden ist die Bundesliga: Frankfurt hat zwei Spieltage vor Ende nur zwei Punkte Vorsprung vor Turbine Potsdam. In der vergangenen Saison war schon nach der Vorrunde eine Vorentscheidung gefallen.

Beginn 16.30 Uhr, die ARD überträgt ab 16 Uhr live.

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