Sport : Mächtig und mickrig

Auf dem Eis sind die Eisbären den Freezers überlegen – nur die passende Halle fehlt noch

Claus Vetter

Hamburg. Der kleine Mann mit dem schneeweißen Haar musste nicht lange überlegen. Als Dave King gefragt wurde, was er denn gern von den Eisbären hätte, wenn er dürfte, sagte der Trainer der Hamburg Freezers: „Fünf bis sechs Spieler.“ Und was würde sein Berliner Kollege Pierre Pagé aus Hamburg mitnehmen? „Die Arena.“ Verständlich, wer Woche für Woche mit seinem Team im betagten Sportforum Hohenschönhauesn vor maximal 5000 Zuschauern spielt, der muss in einer mit 13 000 Zuschauern besetzten Halle wie in Hamburg neidisch werden. Mit seiner Mannschaft war Pagé allerdings zufrieden. Sehr sogar. Dabei war es nicht unbedingt schön anzuschauen, das 1:0 der Dienstagabend defensiv eingestellten Berliner um ihren herausragenden Torhüter Oliver Jonas bei den Freezers in der riesigen Hamburger Colorline Arena. „Das war kein Picasso und auch kein Rembrandt“, sagte Pagé. Aber was sollte es auch, wieder einmal drei Punkte für den Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Der Frankokanadier Pagé lehnte sich zurück, plauderte locker von seinen Visionen. „Wir brauchen jüngere Spieler, müssen schneller spielen, und dann brauchen wir noch mehr Großarenen“, sagte der Coach der Eisbären. „Dann haben wir die beste Liga Europas.“ In Berlin ist Pagés Einstellung zur DEL bekannt. In Hamburg noch nicht. Insofern waren sie bei den Freezers begeistert, als der Berliner Trainer loslegte. „Fabelhaft hier in Hamburg, mit den vielen Fans beim Eishockey“, sagte Pagé. „Und das in einer Fußballstadt.“ In der Tat, die Massen strömen zu den Freezers, am Dienstag war ihre Halle wieder ausverkauft. Was die Hamburger Fans aber am Dienstag auf dem Eis von ihrem Team geboten bekamen, war weniger bombastisch. Das sah Ricard Persson genauso. „Die haben hier zwar die schönste Halle und die beste Stimmung“, sagte der Kapitän der Eisbären. „Aber der große Bruder sind immer noch wir.“

Persson spielte auf den Fakt an, dass Eisbären und Freezers denselben Eigentümer teilen, die Anschutz-Gruppe aus den USA. Beide Klubs bekommen ein gleich hohes Budget zur Verfügung gestellt, nur anscheinend gehen sie in Berlin mit dem Geld umsichtiger um. Zwar spielen die Freezers in der Spitze der DEL mit, eine Spitzenmannschaft ist das Team deshalb noch nicht. Abgesehen vom herausragenden Torhüter Boris Rousson und dem agilen Stürmer Andrew Schneider scheinen einige von Kings kanadischen Akteuren keine große Zukunft vor sich zu haben, bei den deutschen Spielern sind die Freezers nur durchschnittlich besetzt. Kein Wunder, dass sie in Hamburg immer noch an Stefan Ustorf interessiert sind. Der Nationalspieler soll sich mit den Mannheimer Adlern, die ihn suspendiert hatten, auf eine Abfindungssumme von 60 000 Euro geeinigt haben. Damit könnte er sich einen neuen Klub suchen. Allerdings buhlen auch die Kölner und die Eisbären um Ustorfs Gunst. Dass Detlev Kornett, Chef der europäischen Filiale der Anschutz-Gruppe, Gegenteiliges behauptet, sollte nicht irritieren.

Kornett weiß eben, was man sagen muss, damit der Preis von Ustorf nicht in unbezahlbare Dimensionen hochgeschaukelt wird. „Aktuell passt Ustorf nicht in unsere Pläne. Unsere Klubs werden sich ganz bestimmt nicht gegenseitig überbieten“, sagte Kornett am Rande des Firmenderbys. Vor Spielbeginn hatte Eisbären-Fan Kornett übrigens gesagt, dass er den Freezers die Daumen drückt.

Nun gut, die Berliner brauchen ja derzeit auch keinen Beistand aus der Chefetage. Das offenbart der Blick auf die Tabelle, die führen die Eisbären nun mit vier Punkten Vorsprung an. Und das, obwohl sie weniger Spiele als der Großteil der Konkurrenz absolviert haben.

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