Sport : Mächtige ohne Macht

Stefan Hermanns

über den neuen DFB-Präsidenten Jürgen Klinsmann Die hohen Herren beim Deutschen Fußball-Bund hatten sich alles so schön ausgemalt: Wir machen aus unserem Präsidenten mit dem Doppelnamen eine Doppelspitze, und schon haben wir zwei mächtige Männer, die etwas zu sagen haben. Dann kam Jürgen Klinsmann, und seitdem hat beim größten Sportfachverband der Welt mit 6,27 Millionen Mitgliedern, 20 Regionalverbänden und zwei Präsidenten nur noch einer was zu sagen: Jürgen Klinsmann.

Jedenfalls ist der DFB durch seine ungeschickte Personalpolitik bei der Suche nach einem Bundestrainer in eine Lage geraten, in der er nur noch wenig Einfluss auf den Lauf der Dinge nehmen kann. Dass Klinsmann ein zäher Verhandlungspartner ist, ist nichts Neues. Bisher aber hatte die andere Seite wenigstens die Möglichkeit, seine Bedingungen abzulehnen und die Sache platzen zu lassen. Diese Möglichkeit hat der DFB nicht mehr. Er muss die Verhandlungen mit Klinsmann zum Abschluss bringen, notfalls zu dessen Bedingungen. Das weiß Klinsmann.

Der Verband und seine Mächtigen haben sich bereits zweimal blamiert: zum ersten Mal, als Ottmar Hitzfeld, die „alleinige Chefsache“ des Präsidenten Mayer- Vorfelder, dem DFB absagte, und dann, als sich Otto Rehhagel nicht einmal von Franz Beckenbauer für das erste Amt im Bunde begeistern ließ. In beiden Fällen galt eine Einigung als sicher. Doch selbst diese negativen Erfahrungen haben den Verband nicht davon abgehalten, ein drittes Mal den gleichen Fehler zu begehen – den Erfolg der Verhandlungen zu vermelden, bevor die Verhandlungen abgeschlossen sind.

Der Fall Osieck zeigt, dass der DFB nichts durchsetzen kann, was den Ideen Jürgen Klinsmanns widerstrebt. Die Trainerfindungskommission ist aufgelöst, niemand sucht mehr nach einem neuen Bundestrainer, über die Besetzung des Postens entscheidet Klinsmann jetzt ganz allein: Er muss schließlich mit dem Mann zusammenarbeiten, der für den Teilzeitamerikaner als eine Art Statthalter in Deutschland die täglichen Geschäfte führen soll.

Möglicherweise haben die Mächtigen des DFB gedacht, der Revoluzzer Klinsmann werde schon ruhiger werden, wenn er erst einmal die Verantwortung des neuen Amtes spürt und selbst zum DFB gehört. So wie es aussieht, haben sie sich getäuscht.

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