Sport : Mäkeln erwünscht

Frank Bachner

über den Aufwärtstrend bei den deutschen Eiskunstläufern Der Eiskunstläufer Stefan Lindemann verzichtete bei seiner Meisterschaftskür auf die schwierige Kombination Vierfach-Toe-Loop/Dreifach-Toe-Loop. Für besonders kritische Experten war das fast ein Skandal. Lindemann ist doch WM-Dritter, wie konnte er nur? Ach was, sagen andere, er kann die Sprünge doch, es reicht doch, wenn er sie bei den Europa- und Weltmeisterschaften zeigt. Alles halb so tragisch.

Aber im Grunde genommen hat die eher kleinliche Kritik an Lindemann etwas Gutes. Die steigenden Ansprüche zeigen: Das deutsche Eiskunstlaufen wird wieder ernst genommen. Es entwickelt sich, aber es ist längst noch nicht alles perfekt. Genau diesen Zwischenstand dokumentieren die deutschen Meisterschaften in Oberstdorf. Sturzserien bei den Frauen, auch Lindemann griff zweimal aufs Eis, das Gesicht der Paarläuferin Eva-Maria Fitze erstarrte nach schlechter Leistung und Platz drei mit Rico Rex zur Maske – es gab genügend Mängel. Aber auch Positives.

Mit Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy besitzt der deutsche Verband wieder ein Paarlauf-Duo, das in die Weltspitze vordringen kann. Stefan Lindemann ist bei der EM in Medaillennähe, Annette Dytrt beherrscht fünf dreifache Sprünge, damit ist sie auf Augenhöhe mit der Weltspitze. Vor wenigen Jahren noch starteten bei deutschen Meisterschaften gerade zwei Paare. 2005 waren es vier. Der eigentlich klamme Verband pumpt viel Geld in den Paarlauf, das wird langsam belohnt. Aber alles braucht seine Zeit. Denn auf Knopfdruck passiert nichts im Eiskunstlauf.

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