Sport : Männer ohne Nerven

Bambergs Basketballer gewinnen die Meisterschaft, Gegner Frankfurt hadert mit den Schiedsrichtern

Jan Szyszka[Bamberg]
Sieger in Pose. Bamberg mit Karsten Tadda war am Ende eine Armlänge voraus.Foto: dpa Foto: dpa
Sieger in Pose. Bamberg mit Karsten Tadda war am Ende eine Armlänge voraus.Foto: dpaFoto: dpa

Zwanzig Minuten nach der Siegerehrung hatte Chris Fleming sich wieder im Griff. Zurückhaltend und nah am Flüsterton analysierte der Trainer der Baskets Bamberg das dramatische Finale im Kampf um die deutsche Basketballmeisterschaft. Einzig die äußeren Umstände dokumentierten die Besonderheit des Augenblicks. Anstelle von Hemd und Jacket trug Fleming ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Meister und Pokalsieger 2010“. Papierschnipsel im sektdurchtränkten Haar zeugten von den Feierlichkeiten auf dem Parkett. Sekunden nachdem die Schlusssirene ertönt war und der Meistertitel durch den 72:70- (32:27-)Sieg seiner Mannschaft gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Skyliners Frankfurt feststand, hatte die Party des Doublegewinners und nun dreifachen Meisters in der ausverkauften Bamberger Arena begonnen.

Wie groß die innere Bestätigung für ihn war, verriet Fleming mit Blick auf den unterlegen Skyliners-Trainer Gordon Herbert und seine eigene Vita. 2007 hatte Fleming, damals noch als Trainer der Artland Dragons, sowohl das Pokalfinale als auch das Meisterschaftsfinale verloren. „Ich weiß, wie es ist, wenn man beide Endspiele verliert“, begann Fleming und lobte das „unglaubliche Herz“ der Skyliners, die das Entscheidungsspiel zu einem grandiosen Finale werden ließen. Zweimal kämpften sich die bereits abgeschlagen zurückliegenden Frankfurter zurück ins Spiel.

Sechs Sekunden vor Ende hatte der starke Pascal Roller gar die Chance, erstmals für die Skyliners auszugleichen. Doch der sonst so nervenstarke Frankfurter Kapitän vergab den zweiten Freiwurf und die Chance zum 71:71. „Natürlich überwiegt da jetzt ein fader Beigeschmack“, sagte Roller später. Im Gegenzug behielt Tibor Pleiß die Nerven: Der im Schlussviertel überragende Center machte die Bamberger Meisterschaft von der Freiwurflinie perfekt. Möglicherweise war das der letzte Auftritt von Pleiß in der Basketball-Bundesliga (BBL). Das 20 Jahre alte Talent hofft, noch in diesem Sommer von einem NBA-Klub ausgewählt zu werden. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass er seinen Marktwert während der kommenden Saison in der Europaliga, für die Bamberg als Meister qualifiziert ist, noch steigern will.

In der Euphorie des größten Erfolgs seiner Trainerkarriere schien der drohende Verlust des defensivstarken 2,15-Meter-Hünen Trainer Fleming nichts auszumachen. Leichte Verstimmung verursachte dagegen Gordon Herbert. Der Skyliners-Trainer gratulierte seinem befreundeten Kollegen zwar zum Erfolg. Herbert krittelte aber auch an den Schiedsrichterleistungen herum. Mehrfach habe der Bamberger Aufbauspieler John Goldsberry versucht, Fouls zu schinden, sagte Herbert. Speziell Schiedsrichter Moritz Reiter sei darauf reingefallen. Herbert, Nachfolger des im April entlassenen Murat Didin, weitete seine Kritik auf die BBL aus: „Wie kann es sein, dass im entscheidenden fünften Finalspiel nicht die besten Schiedsrichter pfeifen?“

BBL-Geschäftsführer Jan Pommer wies die Kritik zurück. Reiter sei „einer unserer fünf besten Schiedsrichter“. Zudem werde er in der nächsten Saison in der Europaligaspiele leiten. Dort werden dann auch die Bamberger antreten. Bis es soweit ist, will die basketballbegeisterte Region aber erst einmal das erste Double ihrer Geschichte ausschweifend feiern.

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