Männerfinale in Wimbledon : Roger Federer: Auge in Auge mit der Geschichte

Seine Ära schien vorbei, doch plötzlich steht Roger Federer wieder im Finale von Wimbledon. Dort kann er am Sonntag Pete Sampras’ Rekord einstellen und an die Spitze der Weltrangliste zurückkehren.

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Der große Ästhet: Roger Federer ist nicht nur der erfolgreichste Tennisspieler aller Zeiten, sondern auch der eleganteste. Seine Schläge sind gleichermaßen kraft- und kunstvoll, sein Verhalten auf dem Platz entspricht fast immer dem eines Gentlemans. Eine Bildergalerie.Weitere Bilder anzeigen
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16.07.2017 18:26Der große Ästhet: Roger Federer ist nicht nur der erfolgreichste Tennisspieler aller Zeiten, sondern auch der eleganteste. Seine...

Eine Woche. Eine Woche fehlt ihm. 285 Wochen stand Roger Federer an der Spitze der Tennis-Weltrangliste. Eine Woche weniger als Pete Sampras. Eine Woche, die Roger Federer seit zwei Jahren wurmt, seit der Schweizer die Herrschaft in diesem Sport scheinbar endgültig zunächst an Rafael Nadal und dann an Novak Djokovic abgeben musste. Die wenigsten haben damit gerechnet, dass Roger Federer noch einmal die Chance bekommen würde, diesen siebentägigen Makel in seinem sonst so makellosen Tennisleben wettzumachen. Doch er bekommt sie. An diesem Sonntag an einem Ort, der für historische Momente gemacht zu sein scheint: im Finale von Wimbledon.

Wenn Roger Federer am heutigen Sonntag (15 Uhr) das Finale gegen den Schotten Andy Murray gewinnt, dann würde er mit dem siebten Sieg in Wimbledon nicht nur mit dem Rekordhalter Sampras gleichziehen, sondern nach zwei Jahren auch wieder an die Spitze der Weltrangliste zurückkehren. „Ich wollte nur meine Chance auf einen weiteren Titel wahren“, sagte Federer in die englischen Fernsehkameras, nachdem er Djokovic im Halbfinale in vier Sätzen besiegt hatte. „Ich muss niemandem mehr etwas beweisen.“ Recht hat er.

Federers Biographie liest sich wie ein Eintrag aus dem Guiness-Buch der Rekorde. 237 Wochen am Stück führte der die Weltrangliste an und stellte 2007 den ewigen Rekord von Björn Borg ein, als er zum fünften Mal in Folge Wimbledon gewann. Im Jahr 2009 holte er sich endlich den French-Open-Titel, der ihm fehlte, und hat damit als einer der ganz wenigen Spieler alle vier wichtigen Turniere gewonnen. Kurz darauf gelang ihm in Wimbledon der 15. Grand-Slam-Titel, das war vor ihm noch niemandem gelungen. Seit Freitag ist Federer nun auch der erste Spieler, der achtmal das Finale des bedeutendsten Tennisturniers der Welt erreichen konnte. Wieder so ein Rekord.

Die Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen. Und wäre es doch am Ende diese eine Woche Nummer 286, die ihm all das verhageln könnte? Welche der Zahlen gibt die Antwort auf die Frage nach dem großartigsten Tennisspieler aller Zeiten? Und muss es darauf überhaupt eine Antwort geben?

Vergleiche über die Geschichte sind per se unbefriedigend. Zu Zeiten von Rod Laver, Björn Borg, Andre Agassi oder Pete Sampras war Tennis ein anderer Sport. Das Material war weniger ausgereift, die Geschwindigkeit der Schläge anders, der Spin geringer, die Trainingsbedingungen waren schlechter. Wer vermag zu sagen, welche Erfolge schwerer wiegen? Wie würde ein Match zwischen Sampras auf dem Höhepunkt seiner Karriere gegen einen solchen Roger Federer ausgehen?

Und doch sind es nicht nur die nackten Zahlen, die in den Köpfen vieler Experten und Fans eben Roger Federer ganz oben auf diese Liste setzen. Es sind auch nicht seine blitzsauberen Schläge, die in jeder Perspektive, in jeder Zeitlupe Grundlage eines Tennislehrbuchs sein könnten. Es sind vor allem die Geschichten außerhalb des Platzes, die die Menschen in Erinnerung behalten werden.

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