Sport : Männerwirtschaft

Beim US Masters in Augusta drückt sich der gastgebende Klub um eine Antwort auf die Frage, warum er immer noch keine Frauen aufnimmt.

Petra Himmel[Augusta]
Wir müssen leider draußen bleiben. Frauen sind beim US Masters und dem gastgebenden Augusta National Golf Club nur auf den Zuschauerplätzen erwünscht. Foto: AFP
Wir müssen leider draußen bleiben. Frauen sind beim US Masters und dem gastgebenden Augusta National Golf Club nur auf den...Foto: AFP

Virginia Rometty liebt das Tauchen. Ab und an golft sie, aber nur gelegentlich. Kein Mensch weiß, ob „Ginni“ Rometty gerne eine Runde im Augusta National Golf Club drehen würde. Die Vorstandsvorsitzende des Computerkonzerns IBM hat sich zu diesem Thema nicht geäußert. Dafür äußert sich dieser Tage beim US Masters alle Welt zu Frau Rometty. Die 53-Jährige bewegt die Gemüter der amerikanischen Öffentlichkeit. Kopfzerbrechen bereitet sie vor allem Billy Payne, dem Vorsitzenden des Augusta National Golf Club, und dessen Mitgliedern. Denn Frauen hat der Verein, der als der exklusivste Herrengolfklub der Welt gilt, in der Vergangenheit nie akzeptiert.

Dafür ist es Tradition, die Vorstandsvorsitzenden der drei Hauptsponsoren, zu denen auch IBM zählt, als Mitglieder aufzunehmen. Die Tatsache, dass Rometty dieses Amt am 1. Januar übernommen hat, stellt den Augusta National Golf Club vor Probleme: Mit einer der geliebten Traditionen muss man brechen. Sei es, dass der Herrenklub nun gezwungenermaßen eine Frau aufnimmt oder die Vorstandsvorsitzende von IBM anders als ihre Vorgänger keine Einladung zur Mitgliedschaft erhält.

Das Thema hat zusätzliche Brisanz durch einen kleinen Diskussionsbeitrag von Barack Obama bekommen. Der Pressesprecher des US-Präsidenten, Jim Carney, teilte am Donnerstag im Weißen Haus mit: „Es ist Sache des Klubs, darüber zu entscheiden, aber seine persönliche Meinung ist es, dass Frauen im Klub zugelassen werden sollten.“ Den Otto-Normalgolfer in Georgia interessiert das wenig: Reine Männerklubs sind in den USA keine Seltenheit; Georgia ist ein stockkonservativer Staat, der es nicht unbedingt mit den Ansichten von Barack Obama hält, auch wenn der sich in der Causa Frauen und Golf sogar mit seinem Herausforderer Mitt Romney einig weiß.

Für Amerikas Politiker, die US PGA Tour und das Internationale Olympische Komitee ist der Klub längst zu einem unangenehmen Thema geworden. Der Augusta National Golf Club verdient Millionen mit dem US Masters, das in 200 Ländern übertragen wird. Er vertreibt seit zwei Jahren ein Videospiel, das sich bei der Jugend als Verkaufsrenner erweist. Er wird bei allen wichtigen Fragen konsultiert, die den Golfsport betreffen. Die US PGA Tour aber hat zum Beispiel eine Richtlinie, die besagt, dass keines ihrer Turniere auf einem Platz ausgespielt werden darf, der Mitglieder aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts ausschließt. Ähnlich verhält es sich übrigens in Großbritannien, wo alljährlich das British Open stattfindet. Auch dort hat man sich dem Diktat der Politik gebeugt: Der Golfklub Royal Lytham & St. Annes, traditionell ein Männerklub und in diesem Jahr Schauplatz der British Open, lässt jetzt auch Frauen zu. Im Augusta National Golf Club hält man es angesichts der Kritik mit der Vogel-Strauß-Taktik. Interne Fragen werden grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit diskutiert. Weshalb Billy Payne im Rahmen seiner alljährlichen Pressekonferenz einen Großteil der elf Fragen zu diesem Thema mit dem Satz konterte: „Dieser Punkt behandelt die Mitgliedschaft und ich werde ihn nicht beantworten.“

Selbst die Frage, wie er seinen Enkeltöchtern erklären wolle, dass er einen Golfverein leite, in dem sie nie Mitglied werden könnten, entlockte ihm kein Lächeln: „Obwohl diese Frage hervorragend gestellt ist, muss ich Ihnen sagen, dass meine Gespräche mit meinen Enkelinnen Privatsache sind.“

Absurd wirkt die Abwehrstrategie des Billy Payne allemal: Während die Mitglieder einerseits mit der Aufnahme der Frauen ringen und damit eine Spielergruppe eindeutig vom Sport ausschließen, hat man sich andererseits die Förderung des Golfsports und die Ausweitung auf bisher unerschlossene Spielergruppen zum Beispiel in Asien auf die Fahnen geschrieben. Seit Monaten beschäftigt sich ein spezielles Komitee mit der Erhöhung der Popularität des Sports.

Der Vorsitzende Billy Payne fand übrigens auch dafür diese Woche schöne Worte: „Golf ist zu wertvoll und zu wundervoll, um danebenzusitzen und zu beobachten, wie immer weniger Menschen den Sport betreiben. Es ist völlig egal, ob wir eine Führungsrolle übernehmen oder anderen folgen; Hauptsache, wir strengen uns an, dies zu ändern.“

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