Sport : Märchen im Schnellgang

Wie Martin Kaymer Europas bester Golfer wurde

Das Lächeln am Ende fiel erleichtert aus. Martin Kaymer hatte die Dubai World Championship hinter sich gebracht – und das Race to Dubai gewonnen. Damit gilt der Deutsche offiziell als der beste Spieler Europas der Saison 2010. „Ich bin sehr glücklich. Ich habe heute noch mal alles gegeben. Das war das Maximum, was ich herausholen konnte“, sagte Kaymer nach einer 72er Runde, die Rang 13 bei der Dubai World Championship bedeutete.

Das Duell zwischen ihm und seinem Verfolger Graeme McDowell hatte am Sonntag keine Rolle mehr gespielt. Dem Nordiren fehlte nach vier Turnierwochen in Folge die Energie, um noch einmal einen Angriff zu starten. Nach der dritten Runde lag er bereits zehn Schläge auf Ian Poulter zurück, der das Turnier mit 14 unter Par am Ende aber nach Stechen am zweiten Extraloch gegen den Schweden Robert Karlsson verlor. „Dieser Golfplatz liegt mir einfach nicht“, sagte McDowell. „Der Platz hat mich schon letztes Jahr frustriert, und unglücklicherweise hätte ich genau hier gut spielen müssen.“

Der Erfolg ist für Kaymer 1,5 Millionen US-Dollar wert – und aus deutscher Perspektive eine Sensation. Zum einen deshalb, weil derartige Siege von Deutschen extrem rar sind, Bernhard Langer entschied in den Jahren 1981 und 1984 die Wertung für sich. Zudem war Kaymers Dominanz groß: Der Deutsche hat Kollegen wie Lee Westwood, Ian Poulter, Paul Casey oder die Molinari-Brüder aus Italien auf die Plätze verwiesen, sich gegen seine Teammitglieder des Ryder-Cups durchgesetzt und obendrein ein Major-Turnier, die US PGA-Championship, gewonnen.

„Man darf ja nicht vergessen, ich bin erst 25 Jahre alt“, sagte Kaymer. 2005 erst war er mit einem Handicap von 4,8 ins Profilager gewechselt, spielte 2006 eine 59er Runde beim Habsberg Classic auf der EPD-Tour, die ihn zum ersten Mal ins Licht der Öffentlichkeit rückte. 2007 war er auf der European Tour angekommen, wurde Ende der Saison als bester Tour-Neuling ausgezeichnet. Und jetzt die Saison 2010: die Siege in Abu Dhabi, Schottland und Holland, dazu der Major-Sieg in Whistling Straits und der Triumph im Ryder-Cup. „Das ist ein Märchen. Ich habe alle meine Ziele in einem Jahr erreicht“, sagte Kaymer. Es ist eine Karriere im Schnelldurchgang, die ihm selbst kaum Zeit zum Durchatmen lässt.

Seine Ziele für das nächste Jahr hat er sich allerdings bereits gesteckt. „Ich will versuchen, mich als Europas Bester zu beweisen. Dann würde ich gerne wieder ein Major gewinnen, am liebsten die British Open. Und ich habe noch nie ein Hole-in-One geschossen.“ Den Trainingsplan dafür hat er schon fertig. „Beim kurzen Spiel kann man immer besser werden. Das ist meine Aufgabe für die nächsten sechs, sieben Wochen in Arizona.“ Ob es dann klappt mit Position eins in der Weltrangliste? „Das ist nicht wirklich eines meiner Ziele“, sagte Kaymer. „Ich glaube noch nicht wirklich daran, dass ich das erreichen kann. Aber wenn es passiert, nehme ich es natürlich mit.“

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