Sport : Magath will schöne Bayern-Siege

Daniel Pontzen

München - Richtig wohl gefühlt hat sich Felix Magath nicht, damals in seiner verwegenen Berufskleidung. Rosafarbene und babyblaue Trikots hatten die Marketingstrategen des Hamburger SV Anfang der Achtzigerjahre ihm und seinen Kollegen verordnet, erinnert sich Magath, „unser Präsident wollte mehr Frauen ins Stadion locken“. Im übertragenen Sinn hat die Anekdote, die Magath bei der Vorstellung des ebenfalls furchtlos gestalteten goldenen Bayern-Trikots erzählte, einiges mit seiner selbstauferlegten Aufgabe zu tun: Er will für Attraktivität im Spiel des FC Bayern München sorgen. Sein Anspruch lautet: gewinnen, aber schön. Möglichst heute gegen Hertha BSC.

„Die Mannschaft hat sich in den letzten Jahren einen Rhythmus angewöhnt, der mir zu langsam ist. Ich arbeite darauf hin, dass wir wieder schneller spielen“, sagte Magath. „Wenn ab Mitte September Spiel auf Spiel folgt, wird die Mannschaft das nötige Selbstvertrauen dazu haben.“ Gelegenheit, sich am neuen Münchner Spieltrieb zu beteiligen, wird Jungnationalspieler Bastian Schweinsteiger vorerst vorenthalten bleiben. „Er spielt in meinen Überlegungen derzeit keine große Rolle“, sagte Magath über den Aufsteiger der EM, zumal der 19-Jährige nach nur drei Wochen Vorbereitung körperlichen Rückstand hat. In seinem bislang einzigen Telefonat mit Jürgen Klinsmann teilte Magath dem neuen Bundestrainer seine Bedenken mit, Klinsmann nominierte Schweinsteiger dennoch. Wohl aber entsprach Klinsmann dem Wunsch der Bayern, vorerst auf Sebastian Deisler und Andreas Görlitz zu verzichten, die ihre Leistungen zunächst stabilisieren sollen.

In Magaths Koordinatensystem bedeutet das viel Training, wozu die Jüngeren am Donnerstag wie gewohnt ausreichend Gelegenheit hatten. Den Überdreißigjährigen hingegen erließ er die morgendliche Einheit, weil, so Magath, Spieler „in diesem Alter längere Regenerationszeiten haben“. Für heute sind in München humane 24 Grad angesagt, doch eine leichte Aufgabe erwartet Magath nicht. „Hertha hat vier, fünf Jahre lang oben mitgespielt. Daran muss man den Verein auch in dieser Saison messen, nicht an dem einen missratenen letzten Jahr“, sagte der Trainer.

Unterschätzen verboten also, zumal Magaths Erfahrungswerten nach zumindest von weiblichen Fans keine zusätzliche Unterstützung zu erwarten ist – trotz der neuen Leibchen. Der schmissige Hamburger Auftritt lockte seinerzeit keine Frauen ins Stadion, aber, erinnert sich Felix Magath: „Wir haben in den Trikots den Europapokal gewonnen.“ Ist doch auch was.

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