Magdalena Neuner : „Ich mache das hier nur für mich“

Magdalena Neuner hat die erste Medaille für die deutsche Mannschaft geholt. Im Interview erzählt die Biathletin, warum Silber ein Gewinn für sie ist und sie trotzdem immer Gold will.

Vancouver 2010 - Biathlon
Silberlächeln. Magdalena Neuner bei der Siegerehrung im Whistler Medal Plaza von Vancouver. -Foto: dpa

Frau Neuner, Sie haben nach sechs WM-Medaillen Ihre erste Medaille bei Olympia geholt. Ganz knapp haben Sie den Sieg verpasst. Macht Sie das auch ein wenig traurig?

Ach was, das war mein erstes olympischen Rennen, ich habe meine erste olympische Medaille gewonnen. Das ist ein großartiges Gefühl. Es ist perfekt, und ich bin happy.

Haben Sie beim Zieleinlauf nicht gedacht – nur 1,5 Sekunden weniger, dann...

Ich habe nicht verloren. Silber ist klasse. Ich kann sagen, ich habe alles gegeben. Und Anastasia Kuzmina war einfach besser, sie hat es verdient. Es gibt für mich gar keinen Grund, traurig zu sein.

Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg? Sie schienen vor dem Start jedenfalls sehr locker zu sein.

Man muss ganz arg an sich glauben, ganz bei sich bleiben und nicht darauf hören, was andere sagen. Einfach das machen, was man kann. Naja, einfach ist natürlich immer leicht gesagt, aber ich habe hart gearbeitet und es hat funktioniert.

Sie sind eine der schnellsten Läuferinnen im Biathlon und starten eventuell noch in der Langlauf-Staffel. Dazulernen mussten Sie vor allen Dingen im Schießen. Wie haben Sie das gemacht?

Das war eine harte Zeit früher. Ich habe aber viele Erfahrungen gesammelt, habe sehr viel trainiert, auch mental. Das hat sich ausgezahlt. So ist das Schießen bei mir viel besser geworden. Jetzt bin ich da entspannter.

Und nun haben Sie die erste Medaille für das deutsche Team in Vancouver geholt.

Ich hatte das Glück, dass wir anfangen durften bei Olympia. Eine Medaille im ersten Rennen zu holen, ist natürlich geil. Schauen Sie, meine Eltern sind auch da. Und mein Handy hat schon vibriert, ich glaube, ein paar Leute haben mir schon geschrieben.

Sie haben vor Olympia gesagt, eine Goldmedaille wäre Ihr großer Traum. Glauben Sie, dass in den weiteren vier Rennen Gold zu schaffen ist?

Ja. Ich habe ein gutes Gefühl, ich weiß was ich kann. Das ist jetzt mein sechster Podestplatz in Folge. Ich gehe nicht an den Start und sage: Okay, ich gebe mich mit dem zweiten Platz zufrieden. Nein, ich sage: Ich will in jedem Rennen Olympiasieger werden. Sonst bräuchte ich in der letzten Runde nicht mehr alles zu geben.

Waren Sie erstaunt, dass es Anastasia Kuzmina war, die vor Ihnen landete?

Ich war schon etwas überrascht. Ich wusste zwar, dass sie immer mal wieder gute Rennen macht, aber dass sie so stark sein könnte, hatte ich nicht erwartet. Am letzten Zielanstieg habe ich gemerkt, dass ich nichts mehr machen kann. Ich konnte mich nur noch ins Ziel retten und bin dort umgefallen. Mehr ging bei mir nicht.

Werden Ihre nächsten Rennen möglicherweise leichter, weil Sie nun wissen, dass Sie eine Medaille schon sicher haben?

Ich muss sagen, dass auch dieses Rennen nicht so wahnsinnig schwer für mich war. Ich mache das hier nur für mich, wirklich nur für mich. Wenn es mir bewusst ist, dass ich das nicht für irgendwen tue und deshalb unbedingt gewinnen muss, dann geht es ganz einfach.

Sie haben sechs WM-Titel geholt. Welche Bedeutung hat da noch eine Olympia-Medaille?

Einen Vergleich zwischen Medaillen anzustellen, ist schwierig. Weltmeister – ganz einfach, da ist man die Beste der Welt. Olympia hat etwas Besonderes. Mit einer Olympiamedaille wird man schon zu einer Legende. Das sieht man schon an dem ganzen Drumherum wie der Eröffnungsfeier, dem olympischen Feuer und natürlich dem Athletendorf, in dem alle Sportler zusammen sind.

Haben Sie eigentlich auch im olympischen Dorf ein Papier mit einer Bärenwarnung erhalten?

Wir haben einmal von der Security einen Zettel bekommen, da steht drauf, dass das olympische Dorf auf einer Müllhalde steht und dass damals die Bären dorthin zum Fressen gekommen sind. Jetzt wohnen wir da. Es ist aber ein hoher Zaun drumherum, alles ist bewacht. Da wird schon kein Bär reinkommen. Ich mache mir keine großen Sorgen. Außerdem schlafen die Bären im Winter doch, oder?

Aber auf der Strecke wurden wohl auch schon welche gesehen.

Bären? Das weiß ich nicht. In unserem Hochsicherheitstrakt kann schon nichts passieren. Die Strecke wird gut bewacht und von oben beobachtet. Ich vertraue einfach den Leuten, die dafür zuständig sind. Die Kanadier wissen sicher, wie sie mit ihren Tieren umgehen müssen.

Sie haben gesagt, Sie wollten im Dorf andere Athleten wie Bode Miller treffen. Ist das schon geschehen?

Ich habe Bode nicht getroffen. Ich weiß gar nicht, ob die amerikanischen Skifahrer im olympischen Dorf sind. Aber ich habe schon viele andere interessante Leute gesprochen, die ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte – wie die Bobfahrer aus dem deutschen Team. Und die österreichischen Skispringer haben wir gesehen. Ich finde es unheimlich interessant, dass man praktisch bei jedem Essen einen neuen Gesprächspartner finden kann.

Interview: Gregor Derichs.

„Ins Olympische Dorf wird

schon kein Bär reinkommen“

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