Magdalena Neuner im Interview : "Zum Playboy sage ich nein"

Magdalena Neuner wird am Wochenende in die Biathlon-Saison starten. Ein Gespräch über Motivationsprobleme, Knobeleien sowie Fotos in Dessous, aber nicht fürs Herrenmagazin.

Magdalena Neuner, 23, gewann bei den Olympischen Winterspielen 2010 im Biathlon Gold in der Verfolgung und im Massenstart, dazu holte sie einmal Silber. Zudem ist sie siebenmalige Weltmeisterin. Sie startet am Wochenende im Weltcup in Hochfilzen.
Magdalena Neuner, 23, gewann bei den Olympischen Winterspielen 2010 im Biathlon Gold in der Verfolgung und im Massenstart, dazu...Foto: ddp

Frau Neuner, Sie mussten den Saisonauftakt der Biathleten wegen einer Erkältung absagen. Jetzt wollen Sie in Hochfilzen starten. Glauben Sie, dass Sie der verspätete Einstieg in die Saison beeinträchtigt?

Es ist schon komisch, aber ich werde jedes Jahr kurz vor dem Saisonstart krank. Ich hätte mir schon gewünscht, dass es dieses Jahr einmal anders gelaufen wäre. Aber trotzdem schaffe ich es, von Anfang Januar an und speziell beim Saisonhöhepunkt in Form zu sein.

Sie haben auch mal über Ihren Sport gestöhnt. Wollten Sie mal ganz aufhören?

Nicht ernsthaft, dafür bin ich noch zu jung. Trotzdem hatte ich den Gedanken: Ich muss ganz schön kämpfen, um mich wieder zu motivieren. Aber das ist normal, der Skifahrerin Maria Riesch ging es genauso. Sie hat mir gesagt, dass auch ihr der Einstieg unheimlich schwer gefallen sei. Aber letztendlich sind wir jetzt wieder fit und freuen uns auf den Winter.

Nach den Olympischen Winterspielen in Vancouver gab es einen Umbruch im Team, weil Kati Wilhelm, Simone Hauswald und Martina Glagow zurückgetreten sind. Was hat sich dadurch verändert?

Eigentlich gar nicht so viel, wie wir alle gedacht haben. Wir selbst haben einen wahnsinnigen Umbruch erwartet, aber dem ist jetzt überhaupt nicht so. Wir sind eine Mannschaft, die sich schon lange kennt. Wir verstehen uns untereinander gut.

Wie macht sich das bemerkbar?

Vor dem Trainingslager in Muonio haben wir versucht, die Zimmer zu verteilen. Das sind Dreierzimmer, und die bekommen wir nicht aufgeteilt, denn eigentlich will jede mit jeder ins Zimmer gehen. Wir hatten eine Viererkonstellation, in der sich keine voneinander trennen wollte. Letztlich haben wir geknobelt. Das ist so ein Beispiel.

Uwe Müßiggang wurde zum Cheftrainer befördert, Ricco Groß kam als Trainer ins Frauenteam. Wie macht sich der Wechsel bemerkbar?

Sehr positiv. Mit Ricco fließen neue Dinge ins Training ein. Er ist wirklich sehr nah am Sportler dran, er geht im Training mit auf die Strecke und korrigiert dort vor Ort. Zum Beispiel sagt er: Das kannst Du technisch ein wenig anders machen. Als Sportler kommt man sich wirklich sehr gut betreut vor, weil er auch versucht, auf jeden individuell einzugehen.

Lastet nach den drei Rücktritten mehr Verantwortung auf Ihren Schultern?

Die Trainer haben mich als Mannschaftssprecherin ausgeschaut. Ich habe nicht direkt abgelehnt, aber gesagt, dass ich nicht wüsste, ob ich der richtige Mensch dafür sei. Ich bin nicht diejenige, die sich gerne jeden Tag vorne hinstellt. Wir haben es jetzt so geregelt, dass Andrea Henkel und ich die Mannschaftssprecherinnen sind.

Vor ein paar Jahren gab’s Bilder von Ihnen: strickend und mit Wollknäueln. Im Sommer dann Bilder von Ihnen in Dessous.

Ja, obwohl ich mich auch heute noch strickend fotografieren lasse.

Warum die erotischen Fotos?

Ich hatte schon immer ein Problem mit diesem Klischeedenken. Peng, schon war ich in der Schublade: die kleine, süße Magdalena aus Wallgau, die ständig Dirndl trägt und strickend auf dem Sofa sitzt oder Harfe spielt. Das ist ein Teil von mir, dazu stehe ich. Aber ich finde es schlimm, wenn ich auf das beschränkt werde. Ich wollte mit den Fotos auch die Frau in mir zeigen.

Hat sich dann der Playboy gemeldet?

Der war schon zweimal da. Für mich macht es aber schon einen Unterschied, ob ich mich verkaufe, ob ich meinen Körper verkaufe oder ob ich mal ganz andere Aufnahmen machen lasse. Zum Playboy sage ich nein, diese Fotos sind ja etwas ganz anderes.

Sind die Olympischen Spiele 2018, um die sich München bewirbt, noch ein lohnenswertes Ziel für Sie?

Ich wäre froh, wenn ich da vor Ort zuschauen dürfte. Aber selber starten? Sicher nicht. Ich bin dann schon 31.

Das ist doch kein Alter.

Außerhalb des Sports noch nicht, aber ich betreibe jetzt schon 15 Jahre Leistungssport. Irgendwann reicht es einfach.

Das Gespräch führte Klaus-E. Jost.

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