Sport : Magisch variabel

Beim 4:1 gegen Schalke wirbeln Herthas Marcelinho, Bastürk und Rafael den Gegner durcheinander

Mathias Klappenbach

Berlin - Rafael marschiert durchs Mittelfeld und passt zu Marcelinho, der spielt direkt weiter auf Bastürk – 1:0. Marcelinho legt ab für Bastürk, der lupft weiter zu Rafael – 3:1.

„Der Trainer hat uns vorher gesagt, dass wir noch mehr miteinander spielen sollen“, sagte Marcelinho nach dem 4:1 gegen Schalke 04. Der Brasilianer erzielte selbst auch zwei Tore, eines mit einem Elfmeter, nachdem Yildiray Bastürk gefoult worden war, und eines nach einem missglückten Schuss von Nando Rafael, den er nur noch ins Tor schieben musste. Das Zuspiel auf Rafael war zuvor von Bastürk gekommen.

„Wir haben wunderbar gespielt“, sagte Marcelinho, der nun 17 Tore in dieser Saison geschossen hat und 13 vorbereitet. Bastürk hat sechsmal getroffen und ebenso viele Torvorlagen gegeben. Der Stürmer von Hertha, mit dem die beiden Mittelfeldspieler am besten kombinieren können, ist Nando Rafael. Nach einer Verletzung und einer schwächeren Phase hat er sich den einzigen Platz, den es bei Hertha für einen Stürmer gibt, zurückerobert. Der Angolaner hat bei drei Treffern die Vorarbeit geleistet und selbst sechs Tore erzielt. „Immer, wenn wir zusammen gespielt haben, haben wir gut gespielt“, sagte Marcelinho, und auch Bastürk lobte seine beiden vordersten Mitspieler.

Die Verantwortlichen wussten nachher gar nicht, wen sie besonders hervorheben sollten. „Yildiray hat überragend gespielt“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Es habe schon viele Spiele gegeben, in denen Bastürk und Marcelinho hervorragend miteinander harmoniert hätten, dieses Mal sei es aber „vom Feinsten“ gewesen. Trainer Falko Götz vermied es gleich ganz, einen oder auch zwei Spieler besonders zu loben. Und da sich alles auf die drei herausragenden Spieler konzentrierte, sah sich Mannschaftskapitän Arne Friedrich genötigt, darauf hinzuweisen, dass die anderen Spieler den Schalkern in der Defensive so gut wie keine Chance ermöglicht haben.

Die offensiven Spieler der Berliner hatten für ihre Kombinationen schon nach 23 Minuten mehr Platz, als Schalkes defensiver Mittelfeldspieler Christian Poulsen die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Niko Kovac hatte Poulsens zweite Verwarnung mit einem Griff in dessen Gesicht provoziert und dafür selbst seine zehnte Verwarnung in dieser Saison gesehen. Der Kroate ist für das Spiel am nächsten Samstag in Rostock gesperrt.

Der Rückstand auf den zweiten und dritten Platz ist nun erneut kleiner geworden. Und weil auch das Restprogramm (siehe Kasten links) nicht allzu schwer erscheint, hoffen die Berliner darauf, sich sogar zum zweiten Mal nach 1999 für die Champions League zu qualifizieren. Mehr oder weniger offensiv und deutlich sprachen Spieler und Trainer nach dem Sieg im ausverkauften Olympiastadion von diesem Ziel. „Wir sind mit unserer Zurückhaltung bisher gut gefahren. Aber wenn wir so weiterspielen, sind wir auf einem guten Weg“, fand Arne Friedrich. Falko Götz will jetzt die vor Hertha platzierten Teams „jagen“, und nach Meinung von Dick van Burik und Yildiray Bastürk ist es jetzt so etwas wie eine Pflicht, „nach Platz drei zu schauen“.

Für Marcelinho hat Hertha nun „eine sehr gute Chance“ auf die Qualifikation für die Champions League. Nach seiner erfolgreichen Zusammenarbeit mit Bastürk und Rafael vom Samstag war schnell vom „magischen Dreieck“ die Rede. Der Begriff wurde einst für die damaligen Stuttgarter Spieler Krassimir Balakow, Giovane Elber und Fredi Bobic eingeführt und danach häufig strapaziert, wenn bei irgendeinem Verein drei Spieler auffällig miteinander harmonierten.

Auf das jetzige Team von Hertha BSC lässt er sich aber nicht so recht übertragen, denn normalerweise ist Gilberto ein gleichberechtigter Partner der drei entscheidenden Spieler vom Samstag. Er war an diesem Tag wohl nur zufällig nicht direkt an den vier Toren beteiligt. Der Brasilianer hat in dieser Saison bereits sechs Treffer erzielt und drei weitere vorbereitet.

Doch von einer „magischen Raute“ zu sprechen, wäre ebenso falsch. Herthas Erfolg ist entscheidend darin begründet, dass die offensiven Spieler sehr schwer auszurechnen sind. Es gibt keine geometrische Grundform, die der Trainer des Gegners auf seine Taktiktafel malen könnte, um Herthas Offensivsystem treffend zu visualisieren. Und das Zeichen für eine unbekannte Variable würde seinen Spielern auch nicht weiterhelfen. Das ist eine Konstante bei Hertha BSC.

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