Sport : Mailand spielt mit Manchester

Nach dem 3:0 kommt es im Champions-League-Finale gegen Liverpool zu einer Neuauflage von 2005

Vincenzo Delle Donne[Mailand]

Das schöne Mailand hatte sich gestern Abend nicht besonders fein gemacht, für das große Spiel. Bei zehn Grad Celsius regnete es in Strömen – englisches Wetter, wenn man so will. Doch ehe es sich die Fußballprofis von Manchester United heimelig einrichten konnten in San Siro, waren sie schon böse in Rückstand geraten. Nach zehn Minuten hatte AC Milans Weltstar Kaka im Rückspiel des Champions-League-Halbfinals Manchesters Vorsprung von vor einer Woche aus Old Trafford (2:3) nicht nur aufgeholt, sondern wegen der Auswärtstorregel gar leicht in Vorteil gebracht. Nach einer halben Stunde dann war das Spiel vor 67 500 Zuschauern im ausverkauften Giuseppe-Meazza-Stadion praktisch entschieden. Clarence Seedorf erzielte das 2:0. Am Ende hieß es 3:0 (2:0). Damit kommt es im Finale am 23. Mai in Athen zur Neuauflage des legendären Endspiels von 2005. Vor zwei Jahren hatte der FC Liverpool einen 0:3-Rückstand zur Halbzeit gegen den AC Mailand noch in einen sagenhaften Sieg umwandeln können.

Der AC Mailand brauchte gestern Abend unbedingt einen Sieg, nachdem das Hinspiel auf der Insel in der Nachspielzeit verloren gegangen war. ManU hingegen hätte schon ein Unentschieden gereicht. Aber davon war es weit entfernt. Viel zu entschlossen und intensiv spielte der sechsmalige europäische Champion aus Italien auf. Milan stürmte mit Macht, schon in den ersten drei Minuten hatten sich beste Chancen für Filippo Inzaghi und Seedorf ergeben. Nach zehn Minuten war es der 31-jährige Niederländer, der mit einer schönen Kopfballvorlage auf Kaka die Führung ermöglichte. Kaka zog mit links und volley von der Strafraumgrenze ab, der Ball landete unhaltbar für Manchesters langen Torwart Edwin van der Sar direkt neben dem Pfosten. Für den Brasilianer war es der zehnte Treffer in der Champions-League-Saison. Nach einer halben Stunde erzielte der überragende Seedorf das 2:0.

Der Gast aus Manchester kam überraschenderweise auf dem nassen Rasen gar nicht klar. Vor allem nicht mit dem technisch brillanten Mittelfeld der Mailänder, die auf diesem Boden klare Vorteile hatten. Nicht eine einzige Torchance erspielte sich die Mannschaft von Sir Alex Fergusson, der allerdings auch zahlreiche Ausfälle zu beklagen hatte. Aber die, die gestern aufliefen wie Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney und Ryan Giggs blieben weit unter ihren Möglichkeiten. Der Mailänder Trainer Carlo Ancelotti hatte seine Mannschaft taktisch glänzend auf die Engländer eingestellt. Paul Scholes, der im Mittelfeld das Treiben Manchesters ordnet und ankurbelt, wurde von Gennaro Gattuso so gut wie aus dem Spiel genommen. Und wenn der Ball erst einmal erkämpft war, entwarf Milans Regisseur Andrea Pirlo ein Spiel, das fast immer über die Flügel führte und Gefahr brachte.

Mit Beginn des zweiten Abschnitts wurde Manchester etwas bissiger und zeilstrebiger. Der junge Darren Fletcher hatte nach gut einer Stunde die erste halbwegs verheißungsvolle Torchance – sein Schuss strich dicht am Pfosten vorbei. Die Mailänder ließen das aktivere Spiel des Gastes zu, weil es ihnen in ihre Stärken spielte. Mailand mag es, in Führung liegend auf Konter zu lauern. Und so kam es gut zehn Minuten vor dem Ende zum 3:0. Mailands Kapitän Massimo Ambrosini schickte mit einem steilen Pass den eingewechselten Alberto Gilardino, der van der Sar keine Abwehrchance ließ.

Der AC Mailand hatte in diesem Jahr ganz klar ein Ziel ausgegeben. Nicht die nationale Meisterschaft, die längst der Stadtrivale Inter für sich entschieden hat, sollte es sein, nein, sondern die Champions League. Zum elften Mal ziehen die Mailänder in ein Finale des europäischen Landesmeister-Wettbewerbs ein. Gegen Liverpool besteht in drei Wochen in Athen zudem die Chance, das Trauma von 2005 zu besiegen. Für diesen Fall würde sich ganz Mailand bestimmt von seiner besten Seite zeigen.

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