Sport : Mailand wirkt noch immer - alle werden an Mittwoch denken

Michael Rosentritt

Historische Schwermut klebt seit Mittwoch über dem Berliner Olympiastadion, der Stätte des denkwürdigen Spiels von Hertha BSC gegen den AC Mailand in der Champions League. Jürgen Röber jedenfalls, der Trainer der erfolgreichen Berliner Fußballmannschaft, hebt vor der den Verein heute einholenden Normalität seine vergrippte Stimme: "Ich bin jetzt fast vier Jahre hier, und ich meine, das am Mittwoch war das beste Spiel von uns, was wir hier bisher hatten." Widersprechen mag keiner. Dieter Hoeneß weiß gar zu berichten, dass "ich mich selten so auf eine Pressekonferenz gefreut habe, wie heute", jetzt, "wo wir das Gefühl aus dem Mailand-Spiel mitnehmen können." Und dann erzählt Hoeneß noch vom gewachsenen Selbstbewusstsein, "weil wir auch wirklich gut gespielt haben." Hoeneß ist halt Manager von Berufs wegen.

Beruflich kehrt heute für Hertha wieder Alltag ein. Der Ansetzungsplan der Bundesliga hält für die platzbauenden Berliner den VfB Stuttgart als Kontrahenten parat. Angepfiffen wird der Kick im Berliner Olympiastadion gegen 15 Uhr 30. Das ist Usus in der Liga. 33 000 Eintrittskarten waren bis gestern verkauft. Hoeneß rechnet mit 45 000 bis 50 000 Beobachter im Oval. Auch das wäre nicht unnormal bei der momentanen Begeisterung in der Stadt. Und doch soll der Begegnung eine besondere Bedeutung zukommen. "Auch wenn es sich ein bisschen komisch anhört", sagt Hoeneß, "für uns ist das Spiel gegen Stuttgart wichtiger als das Spiel gegen Mailand. Natürlich konnten wir am Mittwoch einer breiten Öffentlichkeit die Entwicklung Herthas sichtbar machen", doch, so ist Hoeneß wohl zu verstehen, die warmen Mahlzeiten verdient sich der Profi grundsätzlich in der Bundesliga.

Mit dem VfB komme eine Mannschaft nach Berlin, die nach einem schwierigen Start auf Touren gekommen ist. Auch wenn sie zuletzt und daheim gegen Schalke 04 0:2 verloren hat. "Das interessiert mich nicht", sagt Röber, "Stuttgart hat die beiden letzten Auswärtsspiele in München und in Frankfurt gewonnen. Außerdem kennen wir die Tabellensituation. Nach oben ist es eng und nach unten ist es eng. Wir brauchen die drei Punkte." Soll heißen: Anschluss halten.

Vor allem der Auftritt der Schwaben bei den Bayern hat Röber beeindruckt. Der Trainer war höchstselbst im anderen deutschen Olympiastadion. "Sie werden wahrscheinlich in ihrem 4-1-4-1-System spielen", erzählt Röber. "Ich dagegen bin mir noch gar nicht sicher, wie wir spielen werden." Röber wollte am Freitagnachmittag noch das Abschlusstraining abwarten und sich über den Fitnesszustand seiner Spieler informieren. Aus der siegreichen Mittwochelf wird auf jeden Fall der überragende Ungar Pal Dardai fehlen. Der Mittelfeldspieler hatte sich gegen Mailand eine Verletzung am rechten Sprunggelenk zugezogen. "Ich hoffe jetzt, dass der Bluterguss verschwindet und wir genauere Kenntnisse über die Schwere seiner Verletzung bekommen", sagt Röber. Auch Thomas Helmer hatte sich nach dem Spiel über Probleme im Oberschenkel beklagt.

Dagegen werden Andreas Schmidt in den Kader (für Sixten Veit) und Kostas Konstantinidis (für Dardai) in die Startelf rücken. Sebastian Deisler, der sich noch am Mittwoch gegen Mitternacht "absolut platt" fühlte, dürfte wieder auf den Beinen sein. "Nach einem solchen Spiel fällt die Regeneration doch sehr viel leichter", sagt Röber, "erst recht bei so jungen Spielern wie Sebastian."

In gewisser Weise steht Hertha komplett noch unter dem Eindruck des Erlebnisses "Mailand-Sieg". Und Dienstag kommt Galatasaray Istanbul ins olympische Rund. Dann gilt es, in die Zwischenrunde der Champions League einzuziehen. Diese Sorgen hätte man in Stuttgart wohl ganz gern, oder?

Keine Demonstrationserlaubnis für Kameradschaft Oberhavel

Oranienburg (ADN-lbg). Die für Samstag in Hennigsdorf (Oberhavel) geplante rechtsgerichtete Veranstaltung "Gegen politische Verfolgung - Gegen politische Verbote" ist verboten worden. Wie das Polizeipräsidium Oranienburg am Freitag mitteilte, steht die Veranstaltung in Bezug zum laufenden Klageverfahren der vorbotenen rechtsgerichteten Kameradschaft Oberhavel. Das Versammlungsverbot wurde wegen der drohenden Gefahr von Straftaten erlassen und bezieht sich auch auf alle anderen Arten von Ersatzveranstaltungen.

Zur Begründung wurde auch angeführt, dass derartige Aufzüge bewusst eine Nähe zum Nationalsozialismus herstellen wollen und durch Zurschaustellung von organisierter Gewaltbereitschaft zu einem nicht zu unterschätzenden Einschüchterungseffekt führen sollen. Siehe auch Kommentar von Hellmuth Karasek

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