Sport : Mainz bleibt Mainz

Nach einem guten Spiel verliert der FSV in letzter Minute 0:1 gegen den HSV und vergibt damit die Tabellenführung und den Bundesliga-Startrekord

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Der Traumtöter. Hamburgs Paolo Guerrero (rechts) setzte sich nicht nur in dieser Szene gegen Bo Svensson durch, sondern erzielte auch das Tor des Tages. Foto: dapd
Der Traumtöter. Hamburgs Paolo Guerrero (rechts) setzte sich nicht nur in dieser Szene gegen Bo Svensson durch, sondern erzielte...Foto: dapd

Mit diesem Gefühl musste Christian Heidel erst einmal warm werden. Der Manager von Mainz 05 wusste gar nicht mehr so richtig, wie das ist: verlieren. Ja, lang ist’s her gewesen. 3. April, auswärts in Nürnberg, eine 0:2-Niederlage. Und dann passierte es 196 Tage später erneut, an diesem regnerischen 16. Oktober gegen den Hamburger SV. Dazwischen lagen zwölf Bundesligapartien, in denen Mainz 05 stets einen Sieg oder ein Remis erreichte. In dieser Saison waren es bereits sensationelle sieben Siege in Folge gewesen, womit die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel vor zwei Wochen den Startrekord des 1. FC Kaiserslautern und von Bayern Münchenern egalisiert hatte. Um den alleinigen Rekord würde es nicht gehen, hatte Heidel schon im Vorfeld erklärt. Und schließlich reichte es dazu ohnehin nicht, auch weil Innenverteidiger Bo Svensson kurz vor Schluss ein Leichtsinnsfehler unterlief – und Paolo Guerrero diesen kalt zum 1:0-Siegtreffer ausnutzte. „Wir konnten nicht mehr reagieren“, sagte Tuchel enttäuscht.

Die Mainzer Profis benötigten eine knappe halbe Stunde, ehe sie ins Spiel gefunden hatten und zu Torchancen kamen. Nach einem Ballgewinn von Linksverteidiger Christian Fuchs gegen Guy Demel und dem sehenswerten Konter über André Schürrle sowie Adam Szalai parierte Hamburgs Torwart Frank Rost den Schuss von Lewis Holtby. Sechzig Sekunden später war es wiederum Rost, der einen Schuss von Eugen Polanski zur Ecke abwehrte. Es war die beste Phase von Mainz 05 vor der Pause: Mit flinken Kurzpässen in die Schnittstellen der Abwehr setzten die Spieler von Thomas Tuchel die Gäste aus Hamburg mehrfach unter Druck. Die größte Torchance resultierte aber aus einem Konter über Holtby – wieder einmal rettete Rost, dieses Mal gegen Szalai. „Wir hatten gute Möglichkeiten und haben den HSV dominiert“, sagte Schürrle.

Es war ein ausgeglichenes, unterhaltsames Spiel auf mittlerem Niveau. Beim Hamburger SV versuchte Piotr Trochowski im zentralen Mittelfeld die Stürmer Paolo Guerrero und Ruud van Nistelrooy in Szene zu setzen, was ihm allerdings selten gelang. Auffällig wurde die Mannschaft von HSV-Trainer Armin Veh zunächst nur mit Freistößen, doch Trochowski und van Nistelrooy hinterließen bei der Ausführung nur einen künstlerisch wertvollen Eindruck.

Überhaupt, van Nistelrooy: Der 34-jährige Niederländer hatte bis zur Pause die besten Möglichkeiten. Doch van Nistelrooy legte den Ball nach einer halben Stunde zunächst in die Arme des Mainzer Torwarts Christian Wetklo. Zwölf Minuten später lief er alleine auf Wetklo zu, legte aber den Ball unnötigerweise quer zu Zé Roberto, der aus spitzem Winkel nur den Pfosten traf. Nach einer ruhigen ersten Viertelstunde in der zweiten Halbzeit waren beide Teams dem Führungstor nahe. Doch Schürrle scheiterte mit seinem Kopfball an Rost, das vermeintliche Kopfballtor von van Nistelrooy wurde wegen eines Foulspiels des Stürmers nicht anerkannt. Es blieb zunächst beim 0:0. Die Schlussphase gehörte den laufstarken Mainzern, bei denen abermals Holtby, Schürrle und Szalai ein enormes Kilometerpensum ableisteten. Doch der Ball wollte nicht ins Tor. Weder bei dem Heber von Schürrle noch bei dem Schuss von Marco Caligiuri und weiteren Chancen. Dann traf Guerrero.

Doch Mainz 05 stürzt nach einer Niederlage nicht in die Depression. „Wir haben es immer weiter versucht, so große Vorwürfe kann man uns nicht machen“, sagte Schürrle. „Und wer hätte gedacht, dass wir nach acht Spieltagen auf dem zweiten Platz stehen?“

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