Mainz raus, Dortmund raus : Die Tabellenführung hat ihren Preis

Der FSV Mainz 05 und Borussia Dortmund scheitern im DFB-Pokal – auch weil ihnen die Strapazen der Liga zu schaffen machen.

Gregor Derichs[Aachen]

Die Mainzer fügten sich gefasst in ihr Schicksal. „Man muss es einfach anerkennen, Aachen hat verdient gewonnen“, sagte Manager Christian Heidel. Sein FSV Mainz 05 sei beim überraschenden 1:2 im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Alemannia Aachen „mit den eigenen Waffen“ geschlagen worden, befand Heidel. Kurz danach gesellte sich Harald Strutz dazu. „Man kann nicht jeden Tag lachen“, sagte der Präsident und fühlte sich an Mainzer Zweitligazeiten erinnert, als seine Mannschaft selbst wie im Frühjahr 2009 den Favoriten Schalke überrannt hat. „Wir kennen den Pokal, und trotzdem ist es passiert. Wir tragen es mit Fassung, auch wenn es weh tut“, sagte Strutz.

Trainer Thomas Tuchel fiel es schwer, die Fassung zu wahren. Ihm war die zweite Niederlage im elften Pflichtspiel der Saison sehr nahe gegangen, kurz vor Spielschluss rastete er förmlich aus und wurde wegen seiner Aggressionen gegen den vierten Offiziellen von der Bank auf die Tribüne verwiesen. Der Mainzer Coach beklagte unter anderem, dass ein Treffer von Sami Allagui von Schiedsrichter Peter Gagelmann wegen angeblichen Abseits nicht gegeben worden war. Nachdem schließlich kurz vor dem Abpfiff erneut eine zweifelhafte Entscheidung getroffen worden war, warf Tuchel wütend eine Wasserflasche zu Boden und wurde vom Spielfeld verbannt.

Aber es war ohnehin zu spät, die Aachener brachten den Sieg verdient nach Hause, sie waren an diesem Abend das bessere Team. „Die Enttäuschung ist riesengroß“, sagte der Mainzer André Schürrle. In den ersten 45 Minuten sei sein Team „einfach träge“ gewesen. Für das Spitzenspiel des Tabellenführers gegen Borussia Dortmund am Sonntag hat Schürrles Trainer trotzdem keine Bedenken. „Ich erkenne keine Gründe, warum wir uns nicht wieder in die Stimmung und Verfassung für eine Topleistung bringen könnten“, sagte Thomas Tuchel. Geschlagen wurde der Spitzenreiter am Mittwoch von einer Mannschaft mit einem Trainer, der gewissermaßen der Tuchel der Zweiten Liga ist. Peter Hyballa, mit 34 Jahren der jüngste Coach im deutschen Profifußball, und Tuchel verbinden einige Parallelen.

Auch er blickt auf keine große Spielerkarriere zurück, stattdessen stieg er wie Tuchel früh in die Trainerbranche ein, studierte und erwarb sich ein umfassendes sportwissenschaftliches Fundament. Vor einigen Monaten soll er sich in Mainz als Trainer für die zweite Mannschaft beworben haben, wurde aber nicht genommen und landete daraufhin in Aachen. Seine Alemannia pflegt jenen Stil, für den die Mainzer seit Saisonbeginn gelobt, teilweise bewundert werden. Es geht um aktiven Fußball mit klaren offensiven Akzenten. In der Zweiten Liga klappt dies beim Tabellenzehnten, auch weil fünf verletzte Stammspieler fehlen, noch nicht ideal.

Die Aachener wegen ihrer Spielweise mit seinen Mainzern zu vergleichen, ging Tuchel ohnehin viel zu weit. Als er gefragt wurde, ob dies zutreffe, befand der Trainer, dass der Fußball der Aachener dem seiner Mannschaft noch lange nicht das Wasser reichen könne.

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