Mainz - Wolfsburg 0:1 : Spätes Tor nervt Tuchel und freut McClaren

Gediegene Langeweile am Bruchweg - bis plötzlich dem Wolfsburg kurz vor Schluss das Auswärtssiegtor in Mainz gelingt. Trainer Tuchel reagiert angefressen, Trainer McClaren darf mal loben.

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Langsam, ganz langsam und kaum merklich geht es abwärts mit Mainz 05. „Wir haben jetzt zweimal kein Ergebnis bekommen, das ist ganz bitter“, sagt Trainer Thomas Tuchel. Nicht zum Rückrunden-Auftakt in Stuttgart (0:1), nun auch nicht gegen den VfL Wolfsburg (0:1). Es war die fünfte Heimniederlage in dieser Saison, auch deshalb ist der ehrgeizige Tuchel allmählich angefressen und genervt. „Wir messen uns an der Leistung, aber dazu gehören auch Tore.“

Mainz 05, der Vize-Herbstmeister, ist mittlerweile von zwei auf vier abgerutscht, was an sich kein Drama ist. Doch nicht nur Tuchel hat das Gefühl, „dass die Party angerichtet ist, aber keiner macht die Kerzen an“. Lange hatte der 37-Jährige an seinen vier Offensivprofis festgehalten gegen Wolfsburg; Adam Szalai und Sami Allagui in der Mitte, André Schürrle und Marcel Risse auf den Außenbahnen. Produziert wurde kontrollierte Dominanz, jedoch kaum Torgefährlichkeit. Nach 64 Minuten schickte Tuchel Jung-Nationalspieler Lewis Holtby für Allagui aufs Feld. Doch das entscheidende Tor machte der zuvor achtmal in Folge siegfreie VfL Wolfsburg. Der Däne Simon Kjaer köpfte einen Freistoß von Diego acht Minuten vor Schluss ins Tor (82.) und sorgte damit für eine völlig unerwartete Wende. Schlechte Mainzer? Gute Wolfsburger? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte, auch wenn dies wohl weder Tuchel noch Steve McClaren hören wollen. Denn der eine (McClaren) durfte mal so richtig loben („Das war ein weiterer Schritt nach vorne. Wir können den Moment genießen, aber es gibt noch viel Arbeit“), der andere sorgte gleich bei der ersten Nachfrage bezüglich der späten Einwechslung von Spielmacher Holtby für einen mittelschweren Disput. „Heldenstorys“ und „Geschichts-Hascherei“ seien dies, weshalb er die Frage nicht beantworte. Seit seinem Debüt in der Nationalmannschaft (Mitte November) ist der 20-Jährige im Klub Wackelkandidat, warum auch immer.

Während Tuchel mit den Journalisten haderte und seinen Job als „Hoheitsgebiet“ bezeichnete, sorgte McClaren mit einem klaren „Yes“ immerhin für einen versöhnlichen Abschluss. Ja, er erwarte weiterhin neue Spieler für den VfL Wolfsburg. Im Gespräch sind Patrick Helmes (Leverkusen) und Mark van Bommel (Bayern München). Auch ohne Neue präsentieren sich Wolfsburg allmählich wieder gefestigt, was zuvorderst der stabilisierten Defensive um Rückkehrer Arne Friedrich zu verdanken ist. „Wir haben vorher gesagt, dass Arne ein wichtiger Spieler für uns ist“, sagt McClaren. Doch es bedurfte des Fehlgriffs von Heinz Müller im Mainzer Tor, um wieder einen Sieg feiern zu können. Zuvor hatte lediglich Grafite eine brauchbare Torchance. McClaren wird’s egal gewesen sein, der Sieg am Bruchweg war für ihn eine „große Erleichterung“.

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