Major League Baseball : Die Rückkehr der Doping-Dämonen

Neue Saison, alte Sorgen. Die Major League Baseball hat mal wieder einen Doping-Skandal. Dabei wollte man die dunkle Vergangenheit eigentlich hinter sich lassen und neue Wege im Kampf gegen Doping gehen.

Wiederholungstäter? Alex Rodriguez von den New York Yankees gestand vor vier Jahren, während seiner Zeit bei den Texas Rangers von 2001 bis 2003 illegale Substanzen genommen zu haben.
Wiederholungstäter? Alex Rodriguez von den New York Yankees gestand vor vier Jahren, während seiner Zeit bei den Texas Rangers von...Foto: dpa

Die Doping-Dämonen sind zurück. Der Blick sollte in der Major League Baseball (MLB) eigentlich nach vorne gehen - auf die am Sonntag beginnende neue Saison. Doch vor dem Eröffnungsspiel zwischen den Houston Astros und Dirk Nowitzkis Lieblingsteam, den Texas Rangers, schwebt einmal mehr das Thema illegale Substanzen wie ein Damoklesschwert über den Ballparks.

Ende Januar hatte die „Miami New Times“ einen Dopingsumpf in Südflorida ausgemacht, den die Liga bis heute nur ansatzweise trockenlegen konnte. Mehrere dutzend Spieler hatten sich in der Anti-Aging-Klinik Biogenesis von Anthony Bosch in Miami mit Dopingmitteln wie dem Wachstumshormon HGH eingedeckt. Das ging aus einer Kundenliste hervor, die ein Ex-Mitarbeiter dem Wochen-Magazin übergeben hatte. Die bekanntesten Namen: die Superstars Alex Rodriguez (New York Yankees), Ryan Braun (Milwaukee), Nelson Cruz (Texas), Bartolo Colon (Oakland) und Melky Cabrera (San Francisco/ jetzt Toronto). Letztere drei waren in der Vorsaison bereits wegen erhöhter Testosteron-Werte jeweils für 50 Spiele gesperrt worden.

Rodriguez ließ umgehend verlauten, dass er kein Patient von Bosch gewesen, weder von ihm behandelt noch beraten worden sei. Doch der Third Baseman und MLB-Topverdiener (28 Millionen Dollar Jahresgehalt) hatte schon in der Vergangenheit vehement Dopingmissbrauch geleugnet, ehe er vor vier Jahren zugab, während seiner Zeit bei den Texas Rangers von 2001 bis 2003 illegale Substanzen genommen zu haben.

Der erneute Doping-Skandal trifft die Liga in einer Zeit, in der man sich auf einem neuen Weg im Kampf gegen verbotene Mittel wähnte. Zu Jahresbeginn hatten sich MLB und Spielergewerkschaft auf die Einführung von Bluttests auf HGH während der Saison geeinigt - zuvor gab es lediglich Kontrollen in der Saisonpause- oder Vorbereitung. Im Labor der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA in Laval/Kanada sollen Unterlagen mit Testosteron-Basiswerten der Spieler geführt werden.

Liga-Commissioner Bud Selig sprach von „einem stolzen und großartigen Tag für Baseball“ und verwies darauf, wie weit die MLB in den vergangenen zehn bis 15 Jahren doch gekommen sei. „Niemand hätte davon träumen können.“ Und es passte, dass kurz zuvor die einstigen Superstars Roger Clemens, Barry Bonds und Sammy Sosa aufgrund ihrer Doping-Vergangenheit vorerst nicht in die Hall of Fame aufgenommen wurden.

Doch mittlerweile sind zwei Monate ergebnislos verstrichen, trotz der angeblich umfassenden Untersuchungen seitens der Liga. „Die wollen gar nicht wirklich die Doper jagen, denn das würde nur schlechte Nachrichten hervorbringen“, sagte Don Catlin der Nachrichtenagentur dpa. Er ist einer der führenden Anti-Doping- Experten der USA und kennt das Metier seit fast 30 Jahren. „Wenn einer deiner großen Stars erwischt wird, bedeutet das für
die Liga nur jede Menge Kopfschmerzen“, betonte der 74-jährige, der 1982 in Los Angeles das erste Anti-Doping-Labor Amerikas gegründet hatte.

Catlin kritisiert schon lange das Testprogramm der MLB, wirft ihr Subjektivität vor. Die Liga ist derweil vor Gericht gezogen, hat „Biogenesis“ und Firmeninhaber Bosch verklagt. Der Vorwurf: Durch den Verkauf von Dopingmittel an MLB-Spieler sei es diesen ermöglicht worden, illegale Substanzen zu besitzen und/oder zu nehmen und so gegen das gemeinsame Doping-Präventiv-Programm zu verstoßen. Da die Medien die ihnen vorliegenden Unterlagen nicht herausrücken wollen, erhoffen sich Selig und Co. durch die Klage nun an Original-Dokumente von Bosch zu kommen. Doch es gibt bereits Zweifel, ob diese überhaupt noch existieren. Der Arzt selbst kann nichts zur Auflösung beitragen, er ist seit Monaten untergetaucht, seine Klinik geschlossen.

Damit bleibt die Frage, ob die MLB ihre Stars auch ohne Dopingbeweis sperrt - bei Erstvergehen 50 Partien, bei Wiederholung 100 Spiele. Sie dürfte es, gemäß ihrer eigenen Statuten, reicht bereits der Verdacht dazu aus. Dennoch ist bislang lediglich ein Spieler eines Farmteams sanktioniert worden. Die namhaften Stars indes fiebern der neuen Saison entgegen. (dpa)

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