Makkabiade : Hockey auf ungewohntem Terrain

Vier Jahre brauchte er, um seinen Traum zu verwirklichen. So lange arbeitete der Berliner Rechtsanwalt Gert Rosenthal daran, zum ersten Mal ein deutsch-jüdisches Frauenhockeyteam für die Makkabiade aufzustellen.

Martin Gropp

BerlinDie „jüdischen olympischen Spiele“ wurden in der vergangenen Woche in Israel eröffnet, und Rosenthals Team ist mit 14 Hockeyspielerinnen dabei.

Unwägbarkeiten gab es viele. Die Mannschaft besteht aus Spielerinnen aus fast allen deutschen Spielklassen, von der Oberliga bis zur Bundesliga. Außerdem erreicht eine Handvoll von ihnen nur knapp das Mindestalter von 16 Jahren. Neben der Altersgrenze ist die zweite Bedingung für die Teilnahme an der Makkabiade, dass die Sportler entweder selbst gläubige Juden sind oder aber eine Mutter mit jüdischem Glauben haben. Teammanager Rosenthal schaltete deshalb eine Internetseite und schrieb alle deutschen Hockeyklubs an. Dort wussten die Verantwortlichen oft gar nicht, ob unter ihren Mitgliedern gläubige Jüdinnen sind. So war Rosenthal froh über jede einzelne Frau, die sich aus Frankfurt am Main, Hamburg und Berlin meldete. Immerhin konnte er allen etwas bieten, was für ein Nationalteam einmalig ist: wenn schon nicht gleich eine Position in der Startelf, so doch immerhin einen sicheren Platz auf der Auswechselbank.

Und bei den ersten Spielen in Israel lief es nicht schlecht. Den Auftakt gegen Argentinien entschied die deutsche Mannschaft durch ein spätes Tor mit 2:1 für sich. Gegen die robusten Holländerinnen hielt sie lange ein 0:0, um am Ende knapp mit 0:1 zu verlieren. Vor den restlichen Gruppenspielen gegen die USA und Australien haben die Deutschen noch alle Möglichkeiten: Weil bei der Makkabiade alles kleiner ist als beim olympischen Original, reicht Platz vier in der Fünfer-Vorrundengruppe, um noch das Halbfinale zu erreichen. „Wir wollen ein gutes Wort mitreden und eine Medaille abgreifen“, berichtet Kotrainer Sascha Heinrich.

Wenn es nach Gert Rosenthal geht, ist diese Makkabiade für sein Team nur der Anfang. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht noch weitere jüdische Hockeyspielerinnen in Deutschland geben soll“, sagt Rosenthal. Er will jedenfalls weitersuchen. Martin Gropp

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