Sport : Mal der eine, mal der andere

Wie Alba Berlin ohne seinen ehemaligen Star Wendell Alexis zurechtkommt

Helen Ruwald

Berlin. Basketballer können doch sehr empfindliche Seelen sein. Der Name von Wendell Alexis, Albas Star der vergangenen Jahre, war noch gar nicht gefallen. Der 38-jährige US-Amerikaner spielt seit Herbst bei Paok Saloniki, er ist weit weg – und manchmal doch bedrohlich nahe, nicht nur weil Fans in der Halle immer wieder ein Schild auspacken mit der Aufschrift „Ihr hättet Wendell behalten sollen“. So nah ist er, dass der eine oder andere am Donnerstag in Hab-Acht-Stellung ging. Gerade hatten die Berliner AEK Athen geschlagen, als sie sich der Frage stellen sollten, ein Führungsspieler fehle: der eine Mann, der die Mannschaft in schwierigen Situationen mitreißen kann und der hätte verhindern können, dass Alba sich bis zum Sieg gegen Athen acht Niederlagen in neun Spielen leistete.

„Wendell hat auch nicht allein gewonnen. Er ist kein Michael Jordan, und selbst der braucht zwei, drei Leute neben sich“, sagte Kapitän Henrik Rödl angesäuert. „Die anderen Teams haben sich sehr auf Alexis konzentriert“, sagte Mithat Demirel. Alba war dadurch leichter auszurechnen. „Das Team ist jetzt homogen. Wir brauchen keinen Führungsspieler.“ Keinen Star wie Alexis jedenfalls. Das findet auch Kotrainer Burkhardt Prigge. Dass der Rest der Mannschaft, wenn es eng wurde, immer „zu Wendell geschaut hat, war nicht die allein selig machende Methode“. Trotz Alexis gewann Alba vor einem Jahr in der Europaliga nur drei von 14 Spielen. In dieser Saison stehen bislang vier Siege sieben Niederlagen gegenüber.

Alba, das heute den Bundesliga-Vorletzen DJK Würzburg empfängt (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle), hat durchaus Spieler, die Verantwortung übernehmen und Impulse setzen können: die WM-Bronzemedaillengewinner Henrik Rödl, Marko Pesic und Mithat Demirel sowie die starken Zugänge Quadre Lollis und Jovo Stanojevic. Das haben sie bewiesen, mal der eine, mal der andere. Das ist das Problem: Die Kontinuität fehlte, und zu selten boten mehrere Spieler gleichzeitig Topleistungen. Rödl, Pesic und der im Dezember überragende Demirel kämpften mit Verletzungen, die Gesunden schafften es nicht, die Ausfälle durch eigene Leistungssteigerungen zu kompensieren.

Pesic etwa machte vor zehn Tagen in Treviso (81:107) als bester Berliner 25 Punkte – und kam drei Tage später in Frankfurt (59:67) auf eine Feldwurfquote von null Prozent. „Er ist weit weg von seiner Form. Ein Spieler muss für die Führungsrolle bereit sein. Am wichtigsten ist die Leistung auf dem Feld“, sagt Trainer Emir Mutapcic. Stanojevic traf gegen Athen erstmals nach 37 Minuten, sechs Mal insgesamt. Dafür gelang Aufbauspieler John Celestand gegen die Griechen der Durchbruch. Und es reichte sogar zum Sieg - ganz ohne Wendell Alexis.

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