Sport : Mal wieder unter Brüdern

Beim Sieg des Formel-1-Weltmeisters in Suzuka beeindruckt Ralf Schumacher

Karin Sturm

Nach dem Rennen dachte Ralf Schumacher nur noch an Urlaub. „Ich werde sofort die Flucht ergreifen, um vor dem WM-Finale in Brasilien eine Woche mit meiner Familie zu verbringen“, sagte der Wahl-Österreicher gut gelaunt. Dabei hätte der BMW-Williams-Pilot nach dem Großen Preis von Japan in Suzuka allen Grund gehabt, die Nacht nach dem 17. von 18 WM-Läufen zum Tage zu machen. Gemeinsam mit seinem Bruder Michael, hinter dem er zum vierten Mal bei einem Grand Prix den zweiten Platz belegte. Letztmalig am 15. Juni 2003 in Montreal, als Michael ebenfalls vor Ralf gewann. In Suzuka freuten sich die Schumacher-Brüder schon über ihren fünften Doppelsieg. Den dritten Platz belegte vor rund 120000 Zuschauern BAR-Honda-Pilot Jenson Button aus England vor dem Lokalmatadoren und Teamkollegen Takuma Sato.

„Ich glaube, nach dem unglücklichen Rennen in China, wo er auch Fehler gemacht hat, wollte Michael jetzt noch einmal ganz betont allen zeigen, was wirklich in ihm steckt", bewertete Ferrari-Technikchef Ross Brawn den 83. Grand-Prix-Sieg des Weltmeisters, den 13. in dieser Saison. Michael Schumacher aber lobte vor allem die Vorstellung seines jüngeren Bruders: „Man sollte nie jemanden abschreiben. Ralf hat sich recht eindrucksvoll zurückgemeldet.“

Am Sonntag, an dem erstmals in der Formel-1-Geschichte zunächst die Qualifikation und dann das Rennen an einem Tag stattfanden, gingen die Schumachers von der ersten Startreihe aus ins Rennen. Diese Konstellation weckte Erinnerungen an 2003, als sich die beiden in Suzuka im Rennen ein paar Mal bedrohlich nahe gekommen waren. Doch diesmal blieb der direkte Kampf aus, was Ralf Schumacher schon vor dem Start prophezeit hatte: „Ich glaube nicht, dass ich unter normalen Umständen gegen Michael wirklich eine Chance habe, Ferrari hat immer noch mit Abstand das beste Auto.“ Im zweiten Rennen nach seiner über drei Monate langen Verletzungspause nach dem schweren Unfall in Indianapolis war Ralf Schumacher dann überrascht, dass er zumindest in den ersten Runden einigermaßen an seinem Bruder dranbleiben konnte. Doch im Laufe des Rennens fuhr der Champion dann doch einen sicheren 20-Sekunden-Vorsprung heraus. Der zweite Rang für den Bruder kam dann trotz einer Drei-Stopp-Strategie nicht in Gefahr.

„Ich wollte für das Team noch einmal das Beste machen, bevor ich weggehe, ich war ja sechs Jahre hier und bin noch was schuldig“, sagte er. In der nächsten Saison fährt er für den japanischen Rennstall Toyota. Der zuletzt oft Gescholtene sicherte BMW-Williams wichtige Punkte in der Konstrukteurs-WM. Vor dem Saisonfinale am 24. Oktober in Brasilien führt das bayerisch-britische Team im Kampf um Platz vier nun mit 13 Punkten vor dem deutschen Rivalen McLaren-Mercedes. „Zuletzt in China hat man kein gutes Haar an mir gelassen“, klagte Ralf Schumacher über sein Comeback-Rennen vor zwei Wochen, das er nicht beendet hatte. Diesmal gab es Lobeshymnen. „Ralf hat eine tadellose Leistung gezeigt“, lobte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. „Das war ein Bilderbuchrennen“, fand auch Sam Michael, Ingenieur bei Williams.

Nach den unspektakulär verlaufenen 53 Runden über 307,573 Kilometer in Suzuka lag man sich bei Ferrari wieder mal in den Armen. „15 Siege für das Team, 13 davon für Michael – allein diese Zahlen sagen ja schon alles“, sagte Teamchef Jean Todt. Ferrari-Technikdirektor Ross Brawn gab Michael Schumacher einen anerkennenden Klaps auf die Schulter und lobte: „Es war sein Tag heute, er hat alle in Grund und Boden gefahren. Nachdem er einige Wochen auf einen Sieg warten musste, wollte er alles wieder richten, und das ist ihm gelungen.“ Bei derartig viel Euphorie in den Reihen von Ferrari und BMW-Williams blieb für den Rest nichts mehr übrig. Der Finne Kimi Räikkönen landete im McLaren-Mercedes auf Platz sechs und Ex- Weltmeister Jacques Villeneuve (Kanada) wurde überrundet und verfehlte auf Platz zehn auch im zweiten Rennen für Renault die Punkteränge klar.

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