Malaysia : Durch den Monsun

Jenson Button gewinnt den wegen Regens abgebrochenen Grand Prix von Malaysia vor zwei Deutschen. Diese schrieben Renngeschichte. Nico Rosberg hingegen hatte Pech.

Karin Sturm[Kuala Lumpur]

Dass es in Malaysia in der Monsunzeit in den frühen Abendstunden sehr oft regnet und gewittert, ist eigentlich nichts Neues. Dass es in der Nähe des Äquators relativ früh dunkel wird, sollte auch bekannt sein. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone interessierte das alles offenbar nicht, als er unter dem Aspekt günstiger Fernsehzeiten in Europa den Starttermin für den Grand Prix von Malaysia auf 17 Uhr Ortszeit legen ließ. Und so kam es, wie es kommen musste: Ein wolkenbruchartiger Gewitterregen sorgte für einen Rennabbruch nach 32 Runden, nachdem die Fahrer selbst bei Tempo 30 ihre Autos kaum noch auf der Strecke hatten halten können. An einen Neustart war danach nicht mehr zu denken, denn als der Regen allmählich nachließ, war es schon fast dunkel. So gab es zum ersten Mal seit dem Rennen in Australien 1991 wieder nur halbe Punkte, weil nicht genügend Renndistanz absolviert werden konnte. Fünf statt zehn Zähler also für den Briten Jenson Button im überlegenen Brawn, der trotz eines schlechten Starts vor BMW-Pilot Nick Heidfeld und Timo Glock im Toyota triumphierte. „Was für ein verrücktes Rennen“, jubelte der Engländer, der eine Woche nach Australien seinen zweiten Sieg in Folge feiern konnte, „wir hatten wirklich wieder ein Superauto, aber das Wetter hätte alles durcheinander wirbeln können. Ich bin so stolz darauf, dass unser märchenhafter Start in die Saison hier weiterging.“

Doch dahinter waren es zwei Deutsche, die die eigentliche Renngeschichte schrieben – durch ihre gewagten Strategien, die sich bei wechselnden Wetterbedingungen, dem erst unerwartet schwach einsetzenden Regen und dem dann folgenden Wolkenbruchchaos, als genial erweisen sollten. Nick Heidfeld fuhr nach dem verpatzten Qualifying mit einer Ein-Stopp-Strategie auf Rang zwei vor, Timo Glock folgte direkt dahinter mit teils gewagter Reifenwahl. „Ich hatte einen guten Start, aber eben auch ein schweres Auto, das war nicht ganz einfach“, sagte Heidfeld. „Als sich abzeichnete, dass es regnen würde, haben wir meinen Boxenstopp um sieben Runden vorgezogen und uns gleich für richtige Regenreifen entschieden.“ Aber die waren schnell hinüber, weil der erwartete starke Regen noch nicht kam. „Das Team sagte mir aber immer wieder: ‚Bleib draußen, der starke Regen kommt!‘, aber die Reifen fühlten sich bald an wie Slicks.“ Gerade als das Team beschloss, Heidfeld doch zum Wechsel auf Reifen für Mischbedingungen (Intermediates) an die Box zu holen, merkte der, „dass es auf der Gegengeraden schon richtig goss. Da habe ich gesagt: Nee Jungs, jetzt bleibe ich wirklich draußen – und das war der entscheidende Coup.“ BMW-Teamchef Mario Theissen nahm den unerwarteten Podestplatz erfreut auf. „Bei Nick hat alles gepasst. Wir hatten Glück, dass er genau so lange draußen bleiben konnte, bis der Regen kam. Somit konnte er gleich auf die richtigen Regenreifen wechseln und ist danach mit einer Bravourleistung so lange gefahren, bis das Rennen abgebrochen wurde.“

Als Dritter neben Heidfeld stand Timo Glock auf dem Podest. Am Start schien der Wersauer, der in der zweiten Startreihe gestanden hatte, schon alles verloren zu haben: „Da haben wir gar nichts hinbekommen. Räikkönen und Alonso kamen an mir vorbeigeschossen und haben dann alle aufgehalten. Ich hatte riesige Probleme, nahe genug heranzukommen.“ Später beschädigte er sich bei einem erfolglosen Überholversuch auch noch den Frontflügel.

Doch dann, als es anfing zu regnen, schlug Glocks große Stunde: „Das Team hat gefragt, welchen Reifen ich haben möchte und wir haben es gut entschieden.“ Er habe gesehen, „dass es unheimlich lange dauerte, bis die Wolken richtig da waren“. Während viele andere Piloten schon auf Regenreifen gewechselt hatten und nun sehnlichst warteten, dass aus dem Tröpfeln der Wolkenguss würde, „bin ich das Risiko mit den Intermediates eingegangen und konnte so die Zeit herausfahren. In dieser Situation hatte ich viel Spaß, wie ich da durchs Feld gepflügt bin.“ Eigentlich hatte Glock zum Zeitpunkt des Abbruchs sogar gedacht, Zweiter zu sein – was auch stimmte. Aber da bei Roter Flagge der Stand nach der letzten komplettierten Runde gewertet wird, war sein Überholmanöver gegen Nick Heidfeld gegenstandslos geworden. „Das war ein bisschen ein Durcheinander“, sagte Glock, „aber im Endeffekt bin ich happy.“

Pech hatte in der Regenlotterie Nico Rosberg, der mit einem tollen Start aus der zweiten Reihe sofort die Führung übernommen und bis zum ersten Boxenstopp auch behauptet hatte. Doch dann lief zu viel schief. „Ich war so oft auf den falschen Reifen zur falschen Zeit“, sagte der Williams-Pilot, der am Ende Achter wurde. „Es lief einfach nicht für uns.“

Nicht so gut lief es auch für die beiden anderen Deutschen: Adrian Sutil wurde mit angeschlagenem Auto 17., Sebastian Vettel sah im Red Bull überhaupt keine Zielflagge. Er wurde ein Opfer des Regens. „Ich war auf Intermediates und verlor das Auto wegen Aquaplanings“, sagte er. Dann schaute er nach oben in die feuchte Nacht: „Es war einfach zu viel Wasser.“

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