Sport : Mamic hebt die Laune

Die Fortschritte des verletzten Kapitäns helfen Alba

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Es ist laut in der Max-Schmeling-Halle. Geschrei, Kreischen, Klatschen. Dabei findet kein Basketballspiel in Prenzlauer Berg statt, es befinden sich keine Zuschauer auf den Rängen an diesem Donnerstagmorgen. Die Mannschaft von Alba Berlin trainiert. Hollis Price hat den Ball gerade zu dem bereits fliegenden Luke Whitehead abgespielt, der ihn krachend im Korb versenkt. Price ist derjenige, der daraufhin so lange jubelt, bis schließlich alle Kollegen mitfeiern. „Die Stimmung in der Mannschaft ist absolut Spitze“, sagt Albas Quadre Lollis.

Der Teamgeist war auch am Dienstag im Spiel gegen Estudiantes Madrid zu spüren, als die Berliner ihre wohl beste Saisonleistung gezeigt und gleich sechs Spieler zweistellig gepunktet hatten. Es war Albas erstes Spiel im neuen Jahr; im zweiten treten sie heute (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) gegen Walter Tigers Tübingen an. „Wir haben das alte Jahr hinter uns gelassen“, sagt Quadre Lollis. Und Trainer Henrik Rödl glaubt, dass die Mannschaft die Verletzung von Matej Mamic inzwischen verarbeitet hat. Mamic hatte sich Ende November 2005 eine schwere Prellung des Rückenmarks zugezogen. Der Kroate benötigt keinen Rollstuhl mehr und wirft als Teil seiner Physiotherapie bereits wieder auf einen Basketballkorb. „Dass es ihm besser geht, hebt die Laune bei allen“, sagt Trainer Henrik Rödl.

Vorher war es oft Mamic, der als Kapitän gute Laune verbreitet hat. Diese Rolle samt Kapitänsamt hat Hollis Price übernommen. Er leite das Team durch seine Ausstrahlung, sagt Rödl. „Ich war schon vor Mamics Verletzung der Kapitän in der Offensive“, sagt Price. „Nun bin ich es halt auch in der Defensive. Aber ich versuche ohnehin immer Vorbild zu sein, alles zu geben und dadurch zu führen.“ Price ist dabei, die Lücke zu schließen, die Mamic in der Persönlichkeitsstruktur der Mannschaft hinterlassen hat. Die sportlichen Qualitäten kann er als Aufbauspieler aber nicht ausgleichen.

Nenad Canak ist derjenige, der Matej Mamic von der Physis und der Position her am ähnlichsten ist. In den vergangenen Tagen hat Canak es geschafft, Mamic beinahe gleichwertig zu ersetzen. „Ich war vorher nicht unzufrieden mit ihm, aber jetzt spielt er sehr gut“, sagt Henrik Rödl. Gegen Madrid war Canak mit 22 Punkten bester Werfer des Spiels, im Spiel davor schaffte er mit 28 Punkten gegen Quakenbrück gar seine persönliche Saisonbestleistung. „Ich mache eigentlich nichts anders als vorher“, wundert sich Canak. Der 29-Jährige gilt als sehr zurückhaltend – ein bisschen so wie Matej Mamic.

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