Sport : Mamics Unfall noch allgegenwärtig

Alba Berlin verliert auch das vierte Spiel im Uleb-Cup - diesmal mit 87:91 gegen Bree

Helen Ruwald

Berlin - Eine halbe Stunde vor Spielbeginn bekamen die Fans über Lautsprecher Verhaltensregeln für das Uleb-Cup-Spiel gegen Euphony Bree. „Seid während des Spiels so laut wie möglich“, forderte der Hallensprecher die Fans von Alba Berlin auf. Matej Mamic, der schwer verletzte Kapitän des Basketball-Bundesligisten, wolle auf der Intensivstation des Unfallkrankenhauses Marzahn per SMS über den Spielstand informiert werden – und freue sich am meisten natürlich über einen Sieg. Doch dazu reichte es nicht. Alba verlor vor 5070 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle 87:91 (34:47) und wird es nach der vierten Niederlage im vierten Spiel schwer haben, das Achtelfinale noch zu erreichen. Vier der sechs Teams der Gruppe A kommen weiter. Mit versteinerten Gesichtern klatschten die Berliner Spieler, die alle auf ihren Schuhen den Schriftzug „Matej Mamic Nummer 6“ angebracht hatten, ihre Fans ab. „Wir haben unseren Kapitän vermisst“, sagte Mike Penberthy, „es ist nicht einfach, ohne ihn zu spielen.“

Auch Alba-Präsident Dieter Hauert wandte sich kurz vor Spielbeginn in einer mehrminütigen Ansprache an die Fans. „Ich glaube, es hilft Matej sehr, dass wir alle an ihn denken. Auch er ist heute mit dem Herzen und den Gedanken bei uns“, sagte Hauert. Mamic habe ihm aber aufgetragen, das gleiche Prozedere wie bei jedem Heimspiel beizubehalten. Es war der bisweilen bizarr anmutende Versuch, Normalität herzustellen, wo noch keine Normalität war. Während die Fans in der Halle 60 Genesungskarten unterschrieben und persönliche Genesungswünsche in Fotoalben des Fanklubs Albatross eintrugen, dröhnten Popmusik und Werbung für Autohäuser sowie „Lecker kaltes Eis zu einem heißen Spiel“ durch die Lautsprecher. Dazu dehnten sich die Berliner Spieler schweigend und mit ernsten Gesichtern.

Für Mamic schickte Trainer Henrik Rödl Martynas Mazeika von Beginn an aufs Feld, für den nach einer Grippe noch angeschlagenen Jovo Stanojevic begann Stephen Arigbabu. Als Stanojevic später eingewechselt wurde, kämpfte er mit letztem Einsatz, aber ziemlich kraftlos für sein Team. Zunächst war Albas Spiel zerfahren, die Berliner verloren viele Bälle und lagen schnell 4:13 zurück. Es schien ihnen nicht zu gelingen, Mamics Schicksal für zwei Stunden auszublenden. Doch sie rissen sich zusammen und steigerten sich genauso wie die Fans, die immer mehr zur Normalität zurückkehrten, den Schiedsrichter genauso auspfiffen wie die belgischen Spieler beim Freiwurf und ihr Team mit Sprechchören nach vorn zu brüllen versuchten. Alba kämpfte sich tatsächlich durch drei Dreipunktewüfe von Demond Greene auf 19:22 heran, im zweiten Viertel glich Nenad Canak erstmals aus – 24:24. Doch zur Pause lag Alba wieder deutlich zurück (34:47). Die treuesten Fans im ziemlich leeren Fanblock B stoppten sofort die verordnete Fröhlichkeit und starrten schweigend ins Leere. „Wenn die Leute zum Basketball kommen, wollen sie Spaß haben“, glaubt Jörg Busche, der Vorsitzende des Fanklubs Albatross, „dazu ist Mamics Unfall noch zu frisch“. Deshalb blieben viele lieber weg.

Die Berliner kamen nach der Pause noch einmal auf 61:66 heran. Doch ihr Spiel blieb verhalten. Als Greene an ähnlicher Stelle stürzte wie Mamic am Samstag und liegen blieb, sprinteten Mazeika und Arigbabu erschrocken heran und zogen den Unverletzten hoch. Als das teilweise unwirkliche Spektaktel vorbei war, formierten sich die Fans mit „Gute-Besserung“-Schildern zu einem großen Foto für Matej Mamic. Die Niederlage spielte keine Rolle mehr.

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