Sport : „Man kann den Berg nicht in Watte packen“

Fis-Renndirektor Hujara zur Kritik an der Sicherheit und den unvermeidbaren Risiken für die Skifahrer

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Foto: AFP

Herr Hujara, der österreichische Skifahrers Matthias Lanzinger hat die Fis verklagt. Seiner Meinung nach war die zu langsame Bergung nach seinem Sturz beim Rennen in Kvitfjell im März ursächlich dafür, dass ihm ein Bein amputiert werden musste.

Unser Rettungswesen ist nicht so weit weg von dem in der Formel 1. Im Bergrettungsbereich gibt es aber Zeitabschnitte, die sind nicht vergleichbar mit der Formel 1, wo gleich neben dem Kurs ein Krankenhaus steht. Trotzdem haben wir den „Medical Guide“ überarbeitet und unter anderem den Begriff Rettungshubschrauber und dessen Ausstattung klarer definiert. Äußerungen, das als Schuldeingeständnis zu sehen, sind aber dumm.

Auch Weltcup-Sieger Bode Miller hat die Fis in der Sicherheitsdebatte attackiert und sagt: „Die würden nicht einmal etwas ändern, wenn einer von uns stirbt.“

Wir nehmen die Einwände der Fahrer sehr ernst. Die Aktiven sind das Wichtigste in diesem ganzen Spiel. Trotzdem: Jeder kennt sein Berufsrisiko und muss sich klipp und klar damit auseinandersetzen, worauf er sich einlässt. Der Großteil der Läufer weiß das auch. Alpiner Skisport ist Rennsport, kein Bremssport.

Im vergangenen Winter gab es auffallend viele schwere Verletzungen. Welche Lehren zieht die Fis aus den Unfällen, da am Wochenende die Herren in Lake Louise die ersten Speedrennen der Saison bestreiten?

Wir haben alles auf den Prüfstand gestellt, wie nach jeder Saison. Jetzt können sich die Athleten auch in der Abfahrt an Knien, Schienbeinen, Schultern und Armen mit harten Protektoren schützen. Wir haben über Profiländerungen und Präparierungsmethoden der Strecken gesprochen. Wir tun alles, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, aber man kann den Berg nicht in Watte einpacken. Solche Stürze werden immer wieder passieren, die Folgen sind nicht kalkulierbar.

Kritikpunkte an den Strecken sind zu hohe Sprünge und Geschwindigkeiten. Hat man das Rad für das Spektakel überdreht?

Die Geschwindigkeiten sind nicht überzogen. In Wengen kommen wir auf 150 km/h, das war schon vor 20 Jahren so. In Kitzbühel waren es Ende der 60er 139 km/h, da ist man sogar langsamer geworden. Dennoch wird der Zielsprung in Wengen jetzt abgesenkt, nach vier Jahren Genehmigungsverfahren. Die Naturwelle im Zielschuss von Kitzbühel, über die seit Jahren diskutiert wird, können wir nicht abtragen, weil das im Sommer ein Golfplatz ist. Aber die Kurssetzer haben jetzt noch mal klare Anweisungen erhalten, dass die Tempokontrolle allerhöchstes Gebot ist.

Das Gespräch führte Jörg Köhle.

Günter Hujara, 56,

ist seit 1993 für den Internationalen Skiverband (Fis) als Renndirektor der Herren tätig und damit für die Sicherheit zuständig. Heute startet die erste Abfahrt der Saison.

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