Sport : Man sieht sich zweimal

SCC-Volleyballer schlagen Friedrichshafen 3:1 und hoffen auf Ähnliches im Pokal

Karsten Doneck

Berlin - Gerd Sycha blieb ganz ruhig. Den Mann, der da nah am Spielfeld stand und heftig gestikulierte, übersah der Oberschiedsrichter ganz einfach, trotz seines überhöhten Platzes am Volleyballnetz. Stelian Moculescu, der Trainer des VfB Friedrichshafen, bemerkte das fehlende Interesse an seinen Reklamationen, wütend drehte er sich ab, resignierte schließlich vor der Autorität auf dem Schiedsrichterstuhl. Hinterher bescheinigte Moculescu den Schieds- und Linienrichtern, noch immer spürbar verärgert, eine „schlechte Leistung“. Mit ein bisschen Abstand zum Spiel wird vielleicht auch Moculescu darauf kommen, dass es noch ein paar andere Gründe gab, warum seine Mannschaft beim Deutschen Volleyball-Meister SC Charlottenburg mit 1:3 (21:25, 26:28, 25:21, 20:25) im 15. Saisonspiel die erste Niederlage hinnehmen musste. Beide Mannschaften liegen nun in der Tabelle mit 28:2 Punkten gleichauf, der VfB bleibt dank des besseren Satzverhältnisses Erster.

In der Sömmeringhalle fehlte den Aufschlägen der Friedrichshafener über weite Strecken die Präzision, zu oft landeten die Bälle im Netz oder im Aus. Der SCC machte aus der Spieleröffnung heraus mehr Druck, verschaffte sich mit Assen von Aleksandar Spirovski und Marko Liefke früh Respekt. „Wir haben nicht gegenhalten können“, gab Moculescu zu.

Die Gäste bekamen im zweiten Satz Aufwind, setzten sich 16:11 ab und hatten bei einer 24:21-Führung den 1:1-Satzausgleich fast sicher. Aber SCC-Mittelblocker Spirovski wollte sich damit partout nicht abfinden. Seine Aufschlagserie brachte den SCC vor 1800 Zuschauern wieder ins Geschäft. Vier Punkte hintereinander glückten dem SCC zur eigenen 25:24-Führung, der Satz wurde mit 28:26 gewonnen. „Manchmal hängt ein ganzes Spiel nur an einem einzigen Ball“, sinnierte Marko Liefke hinterher.

Beim SCC herrschte rundum Zufriedenheit. „Das war ein guter Auftakt für diese anstrengende Woche“, stellte Manager Kaweh Niroomand fest. Sich in Ruhe zurücklehnen, den Erfolg über den Erzrivalen vom Bodensee ein bisschen feiern – dazu haben die Charlottenburger keine Zeit. Zwar bekamen sie von Trainer Culic für heute trainingsfrei, aber am Mittwoch (19 Uhr, Sömmeringhalle) wartet auf sie im Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Paris Volley schon wieder ein äußerst schwerer Gegner. Und am Sonntag steht der SCC dann in Bonn im Pokalfinale, Gegner ist wiederum der VfB Friedrichshafen. „Da gewinnen wir dann 3:1“, sagte Moculescu und lächelte leicht gequält.

Beide Trainer gaben hinterher zu Protokoll, trotz des Pokalfinales nicht mit verdeckten Karten gespielt zu haben. „Alles Quatsch. Wir wollten unbedingt gewinnen“, grantelte Moculescu. Zumindest weiß der SCC nun, dass er am Sonntag in Bonn ein besonderes Auge auf die Nummer 13 des VfB, Elvis Contreras aus der Dominikanischen Republik, werfen muss. Von dem 20-Jährigen schwärmte auch SCC-Spieler Marko Liefke in höchsten Tönen. „Da haben die einen richtig Guten geholt“, sagte Liefke. „Der ist sauschnell, springt enorm hoch – und dann trifft er auch noch.“

Erst einmal genoss Liefke aber eine persönliche Genugtuung: „Gegen Friedrichshafen zu gewinnen, bringt immer Freude. Allein schon zu sehen, wie Moculescu sich ärgert – das macht Spaß.“ Grund für solch kleine Animositäten: Moculescu ist auch Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Und dort fühlt sich Liefke ein bisschen vernachlässigt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben