Sport : Man spielt weiter deutsch

Die Tennisturniere in Stuttgart und Hamburg setzen im Kampf ums Publikum auf einheimische Spieler

Petra Philippsen[Stuttgart]
Bloß nicht ausruhen will sich Philipp Petzschner. Vor allem nicht auf dem vor einer Woche
Bloß nicht ausruhen will sich Philipp Petzschner. Vor allem nicht auf dem vor einer WocheFoto: dpa

Edwin Weindorfer hat ein Faible fürs Pokern, und diese Vorliebe lebt der Turnierdirektor des Stuttgarter Weissenhofs inzwischen auch beruflich genüsslich aus. Als im Vorfeld die Anzahl der Anwärter auf eine Wildcard anstieg, nutzte der Österreicher das als cleveren PR-Schachzug und machte diesen Umstand kurzum öffentlich. Vollmundig verkündete er, dass Nicolas Kiefer, Mischa Zverev, Daniel Brands, Björn Phau, Julian Reister, Dustin Brown, Wimbledon-Achtelfinalist Yen-Hsun Lu und selbst der gerade zurückgekehrte Altmeister Thomas Muster starkes Interesse an einem der drei Freifahrtscheine fürs Hauptfeld hätten. „Es ist doch toll, dass der Andrang so groß ist“, sagte Weindorfer, der erst sehr spät bekannt gab, dass der Deutsch-Jamaikaner Brown, Phau und Zverev die Wildcards erhalten würden. Jahrzehntelang wurden stets ausländische Spieler damit bedacht.

Das kleine Zappel-Spielchen Weindorfers belegt deutlich, dass sich die wackelige Position der deutschen Turniere mittlerweile gefestigt hat. Zumindest, was das Ansehen im eigenen Land angeht. Waren die Turnierdirektoren zuletzt eher Bittsteller, so haben die deutschen Akteure nun begriffen, wie enorm wichtig diese Turniere als Bühne sind – für Publikum und potentielle Sponsoren. Durch die stark eingeschränkte TV-Präsenz während der Saison liegt der Fokus für sie besonders auf den fünf lokalen Veranstaltungen.

International betrachtet spielen die deutschen Turniere, die alle in der 250er und damit in der untersten Kategorie angesiedelt sind, eine immer geringere Rolle. Ausgenommen der World-Team-Cup, der als inoffizielle Mannschafts-WM eine Sonderstellung hat. In München standen elf deutsche Spieler im Hauptfeld, in Halle waren es acht, von denen es gar fünf ins Viertelfinale schafften. Das Vorbereitungsturnier auf Wimbledon genießt in Punkto Effizienz und Teilnehmerliste mit stetem Aushängeschild Roger Federer eine Ausnahmestellung, wohingegen sich die übrigen Sandplatzveranstaltungen generell schwerer tun. Nicht nur, weil sie wie Stuttgart und Hamburg zu Terminen im Tourkalender liegen, zu denen sich die Spielerkarawane längst zu den amerikanischen Hartplätzen aufmacht.

Vielen Spielern werden daher Kombi- Verträge für das deutsche „Sand-Doppel“, das heute in Stuttgart beginnt und sich in der kommenden Woche in Hamburg fortsetzt, angeboten. Ein bis drei internationale Namen werden für hohes Antrittsgeld zudem als Zugpferde verpflichtet, und dafür ist man wie nun in Stuttgart bereit, das 32er-Teilnehmerfeld auf 28 schrumpfen zu lassen. Eine Kostenersparnis, die Spieler wie Michael Berrer wütend macht: „Das kostet uns viele Arbeitsplätze“, wetterte der 45. der Weltranglisten. Spieler wie ihn treffen solche Entscheidungen hart.

Die gesparten Gelder im Spielerbereich für Hotel, Verpflegung und weitere Annehmlichkeiten können in Stuttgart so aber auch in den Ausbau der Anlage investiert werden. So gibt es in diesem Jahr erstmals eine Flutlichtanlage, die für künftige Nightsessions genutzt werden soll. Zu diesem späten Vergnügen war man in Hamburg vor einem Jahr eher unfreiwillig gekommen. Aufgrund von hartnäckigem Schauerwetter mussten viele Partien unter dem Dach des Center Courts beendet werden, und das manchmal kurz vor Mitternacht und wenig zuschauerfreundlich.

Trotz der schwierigen Bedingungen gelang es Michael Stich, ein Desaster am abgewerteten Rothenbaum zu verhindern, obwohl nur insgesamt 50 000 Zuschauer kamen. Mit Ausgleichszahlungen von 200 000 Euro der Stadt Hamburg sowie den 1,2 Millionen Euro des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) brachte es Stich noch auf das Budget von 3,2 Millionen Euro. Von diesen Teilzahlungen fallen in diesem Jahr nicht nur die des DTB weg. „Wir haben stark an der Kostenschraube gedreht und das Turnier damit zukunftsfähig gemacht, ohne dass den Besuchern irgendwelche Nachteile entstanden sind“, verspricht Stich, der jedoch ohne Titelsponsor dasteht.

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