Sport : Man spricht nicht Deutsch

Das Identitätsproblem der Basketball-Bundesliga

Benedikt Voigt

Berlin - In der vergangenen Saison verzweifelte die Basketball-Redaktion des Deutschen Sportfernsehens (DSF) an einer Aufgabe, die normalerweise nicht schwer ist. Der Fernsehsender versuchte, wie nach jedem Bundesligaspiel einen Spieler zu interviewen, der im deutschen Basketball eine gewisse Prominenz besitzt. Damals aber lautete das Spiel Bonn gegen Ludwigsburg, und Tim Nees, der deutsche Centerspieler der Ludwigsburger, war verletzt. Wen sollte man sonst fragen? Ludwigsburg bestand zu jenem Zeitpunkt aus Kroaten, Slowenen und US-Amerikanern, die selbst der Moderator nicht kannte, der im Basketball gut informiert ist. Das DSF überlegte schließlich, Peter Hubert-Saffer zu fragen, den einzigen Deutschen im Bonner Kader. Doch auch da gab es ein Problem: Hubert-Saffer spielt nur sehr selten.

Die deutschen Spieler gehören in der Basketball-Bundesliga zu einer aussterbenden Spezies. Das zeigt sich auch im Kader der deutschen Nationalmannschaft, die in Nürnberg das EM-Qualifikationsspiel gegen die Ukraine 95:69 gewann und sich vorzeitig für die EM in Serbien und Montenegro qualifizierte. Nur vier der zwölf Nationalspieler werden in der kommenden Saison in der Basketball-Bundesliga (BBL) spielen. Den 16 Vereinen der Bundesliga gelang es beispielsweise nicht, den 23-jährigen Jan Jagla zu verpflichten, der seine erste Profisaison beim griechischen Aufsteiger Panellionis Athen spielen wird. „Da spielte das Geld die entscheidende Rolle“, sagt Otto Reintjes, Commissioner der BBL.

In der kommenden Saison fördert die Liga sogar die Tendenz zu ausländischen Spielern, indem sie Basketballprofis aus 77 Staaten, die mit der EU eine Assoziierungsabkommen haben, unbegrenzt Zugang gewährt. Viele kritisieren diese neue Regelung. „Wir brauchen eine Positivvereinbarung für deutsche Spieler“, sagt Roland Geggus. Dem Präsidenten des Deutschen Basketball-Bund (DBB) schwebt für die übernächste Saison eine Vereinbarung vor, nach der jeder Bundesligaklub mindestens fünf deutsche Spieler im Kader haben muss. In der Deutschen Eishockey-Liga gibt es diese Vereinbarung bereits, dort dürfen maximal elf der 22 Akteure auf dem Spielberichtsbogen Ausländer sein. Der DBB wird demnächst Gespräche mit der Liga darüber führen.

Holger Geschwindner, Manager von Dirk Nowitzki und Dauerkritiker der Liga, sagt: „Basketball in der Bundesliga ist nicht interessant, aber das hat die Liga selber zu verantworten.“ Nowitzki unterstützt zwar als Spieler in der Nationalmannschaft den Basketballsport in Deutschland, überraschend wird er auch am Mittwoch gegen Ungarn spielen. An eine finanzielle Hilfe für seinen Heimatverein Würzburg denkt Nowitzki allerdings nicht mehr, seit der Klub ebenfalls auf ein Ausländerkonzept setzt.

Otto Reintjes gibt sich inzwischen kompromissbereit. „Natürlich muss man über solche Regelungen nachdenken, wenn der Verband und die Liga der Meinung sind, dass leistungsorientierte deutsche Spieler auf der Strecke bleiben.“ Doch der Ligachef glaubt, dass die Öffnung für Ausländer das Niveau erhöht und die Attraktivität gesteigert hat. „Bei der Einführung des zweiten Ausländers in den Achtzigerjahren, haben viele gesagt, das sei der Untergang des deutschen Basketballs.“ Das Gegenteil davon sieht Reintjes durch die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft in den vergangenen 15 Jahren bestätigt.

Das DSF ist inzwischen vorzeitig aus seinem Vertrag mit der Bundesliga ausgestiegen. „Das ist kein gutes Zeichen“, sagt Bundestrainer Dirk Bauermann. Die Liga steht nun vor einem Abschluss mit dem Bezahlsender Premiere, das DSF überträgt künftig die Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Da kann der Sender wenigstens sicher sein, dass ein paar Deutsche mitspielen.

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