Sport : Man springt deutsch

Viele Topreiter beim CHI Berlin kommen aus dem eigenen Land – sie dominieren wie Lars Nieberg die Disziplin

Ingo Wolff

Berlin. Eigentlich heißt das CHI in Berlin ja Concours Hippique International - also Internationaler Pferdewettbewerb oder frei übersetzt Internationales Reitturnier. So weltumspannend ist die Besetzung der Veranstaltung an diesem Wochenende in den Messehallen jedoch nicht. Fast die Hälfte der Springreiter kommt aus dem eigenen Land. Doch den Veranstalter trifft deswegen keine Schuld. Er hat nur die besten Reiter der Welt nach Berlin geholt, und die kommen zum überwiegenden Teil aus Deutschland. Allein vier Deutsche stehen unter den besten sechs der aktuellen Weltrangliste. Nur die Spitzenposition hat derzeit Markus Fuchs inne, und der hat einen Schweizer Pass.

Seit Jahrzehnten dominieren die deutschen Springreiter ähnlich wie die Dressurreiter. Bei Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen und Europameisterschaften, aber auch bei großen Turnieren, räumen Franke Sloothaak, Otto Becker, Lars Nieberg, seit einiger Zeit auch die Nachwuchsspringer Toni Hassmann, Christian Ahlmann und Marcus Ehning, Preisgelder und Medaillen ab. Sie und vor allem Ludger Beerbaum - der dominierende Reiter der vergangenen Jahre - ziehen Zuschauer in die Hallen.

Gerade erst vor drei Monaten wurde die deutsche Equipe um Ahlmann, Ehning, Becker und Ludger Beerbaum Europameister, Ahlmann hat zudem Einzelgold geholt. Sie alle starten an diesem Wochenende in Berlin. Doch einen Platz in der erfolgsverwöhnten deutschen Equipe zu erhalten, ist fast so schwer wie das Championat selbst. Auch wenn ein Teil der weltbesten Reiter natürlich aus anderen Ländern kommt, in Deutschland ist die Masse der Erfolgsreiter beheimatet. Die Nummer 20 ist hier so gut wie die Nummer zwei in anderen Ländern, mit Ausnahme der USA, der Schweiz, Großbritanniens und den Niederlanden.

Doch warum ist Deutschland so erfolgreich im Reiten? „Es ist das System an der Basis", sagt Lars Nieberg. Der 40-Jährige wurde zweimal Mannschafts-Olympiasieger und hat gestern mit Hengst Adlantus As den ersten Teil der höchstdotierten Prüfung beim CHI gewonnen. Er geht damit heute als Favorit in das zweite Springen, das Finale im Audi-Championat. „Wir haben weitgehende Richtlinien für die Nachwuchsarbeit, die andere Länder nicht haben." Die Förderung hält der zweifache Vater für einmalig. Selbst die große Zahl von erfahrenen Springreitern in Deutschland, die sich mit Ende 30, Anfang 40 noch in der absoluten Weltspitze halten, würde die Nachwuchsarbeit nicht blockieren. „Man spürt die starke Konkurrenz schon." Er hält sie aber eher für förderlich. „Ich glaube nicht, dass es der Nachwuchs in Deutschland schwer hat. So eine Förderung gab es in meiner Anfangszeit noch nicht", sagt Nieberg, „manchmal haben es unsere jungen Springer fast zu gut."

Bei ihm seien die Erfolge auch erst mit 30 gekommen. „Man muss in unserem Sport viel Geduld haben", sagt Nieberg. „Talente kommen immer nach oben. Wer das durchhält, gehört auch nach oben." Die, die es nicht schaffen, hatten nicht den richtigen Willen, glaubt Nieberg. Im deutschen System mit Sichtungen und starker Konkurrenz kommen nur die nach oben, die selbst da hoch wollen. Gerade die große Anzahl von Topreitern bietet vielfältige Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des gemeinsamen Trainings an. So können junge Reiter zum Teil in den Ställen der Topreiter arbeiten. Ein Generationskonflikt entsteht deshalb nicht. Ältere Reiter dienen eher als Vorbilder, auch wenn Nieberg selbst keines gehabt hat. „Allein die Arbeit mit den Pferden und das Dabeisein machen doch schon Spaß." Zudem haben die jungen Reiter ihre eigenen Turniere. Und der Erfolg kommt dann auch irgendwann. „Man muss den Prozess eben mitmachen." Auch die Einarbeitung der Pferde dauere seine Zeit, erklärt Nieberg.

Die Pferde sind auch der wichtigste Grund, warum Deutschland seit Jahren im Pferdesport an der Spitze steht. „Deutschland ist das beste Zuchtgebiet", sagt Nieberg. Er selbst managt das Gestüt Wäldershausen. Ausländer müssen ihre Pferde zum Teil hier teuer einkaufen. Für junge deutsche Reiter ergibt sich eher mal die Möglichkeit, an ein gutes Pferd günstig heranzukommen.

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