Manager Bob Hanning : "Ich bin das Gesicht der Füchse Berlin"

Manager Bob Hanning spricht vor dem ersten Saisonspiel der Füchse Berlin über die Entwicklung des Handball-Bundesligisten, Machtkämpfe – und mögliche Investoren.

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Bob Hanning, 49, ist seit zwölf Jahren Manager der Füchse Berlin, mit denen er 2007 in die Bundesliga aufstieg. Vor drei Wochen hat er seinen Vertrag bis 2023 verlängert. Die Füchse bestreiten am heutigen Sonntag (15 Uhr) in der Max-Schmeling-Halle ihr erstes Bundesliga-Heimspiel gegen die Eulen Ludwigshafen.
Bob Hanning, 49, ist seit zwölf Jahren Manager der Füchse Berlin, mit denen er 2007 in die Bundesliga aufstieg. Vor drei Wochen...Foto: Georg Moritz

Herr Hanning, im Fußball sind in diesem Transfersommer unfassbare Summen ausgegeben worden. Was sagen Sie als gelernter Kaufmann zu dieser Entwicklung?

Ich sage: Das Geld ist im Markt und muss ausgegeben werden. Solange es Vereine gibt, die das zu zahlen bereit sind, und es genügend Menschen gibt, die das akzeptieren, darf man sich hinterher nicht wundern, dass es so ausartet. Fußball ist so groß geworden, dass kein Weg mehr an ihm vorbeiführt, und diese Monokultur wird öffentlich ja auch noch gepflegt. Wir haben den Wahnsinn also selbst zu verantworten, deshalb will ich mir auch kein negatives Urteil erlauben.

Die Summen sind also nicht schädlich für die Fans oder den Sport im Allgemeinen?

Der Fan hätte ja die Chance, sein Missfallen zu artikulieren – und doch geht er weiter ins Stadion. Oder die öffentlich-rechtlichen Sender, die den Poker um Übertragungsrechte mit öffentlichen Geldern mitmachen und gegen die großen Scheichs der Welt antreten. Das ist gar nicht böse gemeint, ich gönne jedem alles, und mit Fußball lässt sich nun mal viel Geld verdienen. Aber darunter leiden viele Sportarten.

Vor ein paar Jahren hatten Sie mit den Füchsen Berlin ebenfalls die Chance, einen katarischen Investor ins Boot zu holen.

In der Tat. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch wir brauchen Geld und Sponsoren, auch wir sind ein Wirtschaftsunternehmen – aber so ein Modell, wie es die Kataris angeboten haben, wollen wir als Verein eben nicht umsetzen. Wir können es uns erlauben, unseren Traum nach eigenen Vorstellungen zu leben, unsere Partner stehen zu hundert Prozent hinter unserem Konzept, das vor allem darauf ausgelegt ist, junge Spieler zu entwickeln.

Wie macht sich das bemerkbar?

Ich habe neulich zu unserem Profi-Trainer Velimir Petkovic gesagt, dass er mit der Mannschaft Dritter in der Bundesliga werden kann und seine Aufgabe doch nicht zwangsläufig erfüllt ist. Und dass er auf der anderen Seite Sechster werden kann und einen guten Job gemacht hat, sofern er unseren Nachwuchs in das Gesamtsystem integriert. Das ist ein etwas anderer Ansatz als in vielen anderen Klubs. Und nochmal zum Thema Investor: Ich habe immer gesagt, dass ich eine Teilprostitution mitmache, aber eine Vollprostitution wird es mit mir nicht geben.

Wo sehen Sie die Füchse Berlin denn in zehn Jahren?

Wir haben erst kürzlich sehr intensiv mit unseren Partnern darüber diskutiert, wie wir uns für die nächsten Jahre aufstellen wollen. In der Stadt ist ja viel in Bewegung, auch und gerade im Sport. Wir sehen natürlich, was zum Beispiel beim 1. FC Union oder bei Hertha passiert. Wir sehen, dass viele Millionen in die Leichtathletik investiert werden. Mein Traum ist ja immer noch, dass wir irgendwann Olympische Spiele nach Berlin holen, da stehen wir aber ganz am Anfang.

Wenn Sie Union und Hertha ansprechen. Gibt es auch die Idee, irgendwann aus der Max-Schmeling-Halle aus- und in eine größere Arena einzuziehen?

Wir sind in der Schmeling-Halle super zufrieden. Kritisch für uns ist, dass immer mehr Veranstaltungen dort hingehen. Die Spiele gegen Kiel und Flensburg sollten etwa in der ARD gezeigt werden, aber das mussten wir leider ablehnen – weil die Halle da schon belegt war. Für uns als Verein und unsere Sportart ist das natürlich bitter, das kostet uns richtig Geld und die Chance, uns ganz oben zu zeigen.

Wie sehen Sie die Füchse im gesamtberliner Vereinssport?

Als sehr anerkannter und wichtiger Partner in der Vereinigung der Berliner Großklubs. Wir haben uns ja vor einigen Jahren zusammengetan, obwohl wir uns auf dem Sponsorenmarkt duellieren.

Die Füchse sind für Sie die Nummer zwei, drei oder vier in Berlin?

Ich mag diese Vergleiche nicht und respektiere jeden Sport. Wir haben es gemeinsam geschafft, uns als Sportstadt Nummer eins in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa zu etablieren. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen: Die Volleys etwa machen einen großartigen Job unter schwierigen Rahmenbedingungen. Was Union macht, finde ich auch fantastisch: Die Fan-Kultur dort ist einzigartig. Als Sportstadt brauchen wir ebenso eine gute Hertha, die international unterwegs ist. Selbiges gilt für die Eisbären und Alba. Deshalb tue ich mich schwer mit einer Rangliste. Der Vorteil, den wir haben, ist unsere starke Liga: Von den 400 besten Handballern der Welt spielen etwa 250 in Deutschland. Die Bundesliga ist deshalb so etwas wie die NBA im Basketball, also die beste Liga, in der man landen kann. Obwohl man in anderen Ligen mittlerweile mehr Geld verdienen kann.

Die Verpflichtung eines Superstars im Trikot der Füchse ist also eher unrealistisch?

Ich finde, wir haben ein paar echte Stars im Team. Silvio Heinevetter ist seit neun Jahren bei uns, wir haben mit Paul Drux und Fabian Wiede zwei junge deutsche Nationalspieler, auch Hans Lindberg kennt man in den Hallen des Landes. Wenn wir jetzt einen Superstar holen, müsste ich die gesamte Gehaltsstruktur unseres Kaders anpassen. Das ist zum einen nicht einfach, zum anderen will ich es nicht. Da zahle ich lieber den Jungs gutes Geld, die aus unserer Akademie kommen, und binde sie langfristig an den Verein, wie kürzlich bei Paul und Fabi geschehen. Bei allen kleinen Entscheidungen, die wir täglich treffen müssen, geht es immer darum, die Idee und die Philosophie unseres Vereins zu wahren. Die Plattform Füchse Berlin ist viel größer als ein Silvio Heinevetter, Frank Steffel oder Bob Hanning.

Trotzdem: Ohne Sie würde es die Füchse Berlin in der heutigen Form nicht geben.

Ich bin das Gesicht des Vereins und der Knotenpunkt für viele Themen, das stimmt. Ich bin auch ein herausragender Nachwuchstrainer, dessen Kernkompetenz darin besteht, junge Menschen zu motivieren und ihnen Leitbilder mitzugeben. Aber glauben Sie mir: Alle Menschen, die mich in der Geschäftsstelle umgeben, sind in ihrem Aufgabengebiet besser als ich. Die Kunst war es, diese Menschen zu entdecken.

Sind Sie ein Machtmensch?

Das nicht, aber ich würde mich schon als sehr konsequent bezeichnen. Zu mir darf jeder kommen und Ideen einbringen. Aber ich hasse es, wenn Leute nur mit Problemen und nicht mit Lösungen zu mir kommen. Ich will natürlich immer wissen, was los ist und was gerade passiert.

Sie haben einmal gesagt: „Es gibt nichts Schlimmeres als Menschen, die mir Zeit stehlen.“

So ist es. Ich habe mir auch eine Zeituhr gekauft, die abläuft. Und nächstes Jahr werde ich ja auch 50.

Was würden Sie denn heute anders machen als in der Vergangenheit?

Es hat zum Beispiel viel Kraft und Ärger gekostet, dem Deutschen Handball-Bund neue Strukturen zu verpassen. Die Widerstände waren enorm, es gab ja den Versuch einer Revolte. Wenn ich das heute noch einmal so durchleben müsste, würde ich sagen: Dann macht es doch besser, wenn ihr es besser könnt. Für mich ist auch klar, dass ich in meiner Funktion als DHB-Vizepräsident nur für noch eine Legislaturperiode zur Verfügung stehe, danach müssen andere ran.

Bei den Füchsen haben Sie ihren Vertrag dagegen vor kurzem bis 2023 verlängert.

Weil ich meinen Job liebe und weil er mehr ist als ein Job. Noch einmal den Verein wechseln? Noch einmal die Stadt wechseln? Das kam für mich nicht infrage.

Wieviel Zeit und wieviel Geld fehlt den Füchsen noch, um ganz oben anzugreifen?

Ich glaube, dass wir mit weniger Mitteln Deutscher Meister werden können als andere Vereine. Mit zwei Millionen Euro mehr könnte ich mich hinstellen und sagen: Wir versuchen es zumindest mal.

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