Managerposten : Kahn ist Schalkes Nummer eins

Der Bundesligist verhandelt mit dem ehemaligen Nationaltorhüter über eine Anstellung als Manager – aber auch Huub Stevens ist ein Kandidat für den Job.

Richard Leipold
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Gefrag te Reizfigur. Den Torhüter Oliver Kahn kannten die Journalisten zur Genüge. Möglicherweise müssen sie sich bald an den...

GelsenkirchenDer FC Schalke 04 hat offenbar Großes vor, zumindest bei der Verpflichtung eines neuen Managers. Oliver Kahn, der Münchner Torwart im Ruhestand, traf sich am Donnerstagnachmittag mit Clemens Tönnies, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Schalker, um die Chancen einer künftigen Zusammenarbeit zu erörtern. Schalke sucht nach der Abberufung Andreas Müllers einen neuen Manager, und Kahn, der seine Spielerkarriere beendet hat, strebt einen Job als Manager an. Es war nicht das erste Gespräch zwischen den Parteien, und es wird auch nicht das letzte sein. „Es war ein sehr interessanter Informationsaustausch“, sagte Kahn nach der Unterredung in Rheda. „Es gibt aber nichts Definitives zu vermelden.“

Auch der Schalker Verhandlungsführer zeigte sich angetan von der Zusammenkunft, an der auch Kahns Berater teilnahm. „Wir haben unsere Konzepte verglichen und Übereinstimmung festgestellt“, sagte Tönnies. Man habe eine Bedenkzeit von zwei bis drei Wochen vereinbart. „Danach werden wir noch mal telefonieren.“ Die Bedenkzeit will Tönnies, wie vom Aufsichtsrat beschlossen, dazu nutzen, „mit zwei weiteren Kandidaten zu sprechen“. Angeblich ist einer davon Huub Stevens, der von 1996 bis 2002 Trainer des FC Schalke war und seither bei Klub und Fans hohes Ansehen genießt. Stevens sagt, er habe „noch mit keinem Verein gesprochen“. Auch er scheint aber nicht abgeneigt zu sein, selbst wenn er bisher nur als Trainer gearbeitet hat (zuletzt beim niederländischen Erstligaklub PSV Eindhoven). „Ich hätte kein Problem damit, auf einem anderen Stuhl zu sitzen“, sagt Stevens. „Ich lasse alles auf mich zukommen.“

Der Favorit des Schalker Aufsichtsrates dürfte allerdings Kahn heißen. Darauf deutet nicht zuletzt die Art hin, wie Tönnies seinen persönlichen Eindruck schildert, den der Kandidat bei ihm hinterlassen hat. „Oliver Kahn ist eine Kapazität und ein guter Typ. Wir sind total d’accord“, sagte Tönnies. Kahn, der vor neun Monaten als Spieler aufgehört hat, besitzt zwar keine Erfahrung im Management, gehörte als Bayern-Profi und Nationaltorhüter aber über viele Jahre hinweg zu den markantesten Figuren des internationalen Fußballs. Seine Ausstrahlung und Erfolgsbesessenheit gelten als wichtige Parameter im Anforderungsprofil. Zudem besitzt Kahn als Persönlichkeit genug Profil, im Umgang mit der Mannschaft, aber auch innerhalb des Vorstands eine dominante Rolle zu spielen. Allerdings ist Schalke möglicherweise nicht die einzige Option für ihn.

Kahn wird seit längerem auch als möglicher Nachfolger des aktuellen Bayern- Managers Uli Hoeneß genannt, der zum Jahresende Franz Beckenbauer als Präsident ablösen will. Zuletzt schien das Interesse der Münchner ein wenig abgekühlt. Beckenbauer hatte Paul Breitner als neuen Manager ins Gespräch gebracht. Mit diesem Vorschlag kann sich Hoeneß jedoch nicht anfreunden. Es sei nicht sinnvoll, „einen 58-Jährigen zu holen, wenn ein 57-Jähriger aufhört“, sagt er. Hoeneß schwebt ein Nachfolger vor, der deutlich jünger ist. „Ein Mann um die vierzig, der den FC Bayern in den nächsten Jahren verändern kann.“

Nachhaltige Veränderungen sind auch beim FC Schalke dringend erforderlich, damit der Klub nicht dauerhaft ins Mittelmaß abrutscht. Schalke rangiert auf dem achten Platz der Bundesligatabelle und ist aus den nationalen und internationalen Pokalwettbewerben ausgeschieden. Dafür zeichnet nicht nur der entlassene Manager Müller verantwortlich, sondern auch Trainer Fred Rutten. Der Niederländer wurde zwar kommissarisch vom Vorstand damit betraut, vorübergehend Teile von Müllers Aufgaben zu übernehmen. Spekulationen, dass er über das Saisonende hinaus eine Doppelfunktion ausübt, dürften sich erledigt haben. Insider vermuten, dass Rutten nur eine Chance hat, Trainer in Schalke zu bleiben, wenn er die Mannschaft wieder auf Erfolgskurs bringt – und er in das Konzept des neuen Managers passt. Sollte Rutten in Gelsenkirchen keine Zukunft haben, würde er wohl weich fallen. Wie es heißt, wäre er beim PSV Eindhoven willkommen, wo Huub Stevens im Januar aufgehört hat. Wie auch immer – mit den Avancen an Kahn scheint jedenfalls klar: Nach dem unscheinbaren Müller will der Schalker Aufsichtsrat einen Mann mit Charisma und Durchsetzungsvermögen.

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