Manchester City vs. FC Bayern : Das Ende der Primadonna

Manchester City will in dieser Saison mit einem verstärkten Kader frühere Champions-League-Misserfolge vergessen machen – am liebsten schon am Mittwochabend gegen den FC Bayern.

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Sergio Aguero hat auch in diesem Sommer Verstärkung in seiner Mannschaft bekommen. Diesmal legte City aber mehr Wert auf Qualität als auf Star-Appeal. Foto: dpa
Sergio Aguero hat auch in diesem Sommer Verstärkung in seiner Mannschaft bekommen. Diesmal legte City aber mehr Wert auf Qualität...Foto: dpa

Die meisten Trainer wirken ein bisschen besorgt vor einem Spiel gegen den FC Bayern München. Manuel Pellegrini ist eine Ausnahme. Der 60 Jahre alte Trainer von Manchester City hält den amtierenden Champions-League-Titelträger für schlagbar. „Wenn ich mir Sorgen über Bayern mache, muss sich auch Guardiola Sorgen über meine Mannschaft machen“, sagt Pellegrini vor dem heutigen Spiel (20.45 Uhr, live im ZDF) gegen die Münchner. „Die Bayern haben wichtige Spieler, die einen Unterschied machen können – aber das haben wir auch.“ Wichtige Spieler heißt aber: nicht nur Superstars.

Es gibt mehrere Mythen über Manchester City. Die „Citizens“ zum Beispiel ist kein Spitzname für die Mannschaft, sondern einer für die Fans. Zudem geht der Klub zwar gerne einkaufen, aber er kauft nicht exklusiv die besten Spieler der Welt. Scheich Mansour mag beleidigend viel Geld für Spieler ausgeben, aber er versucht damit jetzt auch, eine richtige Fußballmannschaft aufzubauen. Die Primadonna-Ära von Tevez, Balotelli und Robinho ist definitiv vorbei.

Denn wer von den jüngsten Neuzugängen Fernandinho, Stevan Jovetic, Alvaro Negredo und Jesus Navas ist wirklich ein Superstar, von der Wahrnehmung oder der eigentlichen Qualität her? Die vier großen Transfers des vergangenen Sommers sind grundsätzlich clevere Einkäufe, die mit Blick auf die Konsolidierung einer echten Mannschaft verpflichtet wurden. Unter dem ebenfalls im Sommer verpflichteten Trainer Pellegrini scheint City die Flexibilität und den Zusammenhalt zu entwickeln, die dem Kader zuvor gefehlt hatte.

Die neuen Stürmer Negredo und Jovetic ergänzen beispielsweise perfekt die Fähigkeiten von Edin Dzeko und Sergio Aguero. Negredo ist ein traditioneller Torjäger. Jovetic gehört zu den kreativeren Stürmern des modernen Fußballs. Die zwei neuen Stürmer geben Pellegrini ,der gern mit zwei Spitzen spielt, eine große Flexibilität im Spiel nach vorne. Flügelspieler Navas verhilft seiner neuen Mannschaft zu einer größeren Breite im Aufbauspiel, während der Sechser Fernandinho den theoretisch perfekten Partner für Yaya Touré darstellt. Neben dem immer soliden Brasilianer hat Touré viel mehr Freiheit, seine berühmten kraftvollen Läufe nach vorne zu starten.

Pellegrini ist derweil ein Trainer, der besser zu City passt als seine Vorgänger. Die defensive Taktik von Roberto Mancini war nie für einen offensiv ausgerichteten Kader geeignet, und Mancinis Vorgänger Mark Hughes war einfach nie der Aufgabe bei City gewachsen. Pellegrini hat hingegen schon bei Malaga eine konstante Mannschaft aus einer Menge teuer verpflichteter Spieler gebildet.

Diese Erfahrung passt gut zur Philosophie des Scheichs, der bislang stets zwischen der Sehnsucht nach sofortigen Erfolgen und dem Willen zur Stabilität geschwankt hat. Fest entschlossen dazu, sich nicht mit dem entlassungsfreudigen Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch vergleichen lassen zu wollen, hat der Klub den Abschied von Trainern immer bis zum letzten Moment aufgeschoben. Gefeuert wurden Hughes und Mancini trotzdem, City konnte nie das Potenzial des Geldes in echten Erfolg verwandeln. Auch die Meisterschaft 2012 wurde mit mehr Mühe als nötig geschafft.

Der Chilene Pellegrini hat nun eine größere Chance, ein echtes Erbe im Osten Manchesters zu erschaffen. Leicht tut sich die Mannschaft bislang allerdings nicht. Trotz überzeugender Heimsiege – inklusive der 4:1-Zerstörung des Erzrivalen Manchester United – hat City auswärts bisher nicht gewonnen und gegen Cardiff City und Aston Villa verloren. Dazu gibt es derzeit große Probleme in der Defensive.

Der FC Bayern sollte dennoch vorsichtig sein. Citys Beziehung zur Champions League lag in den vergangenen zwei Jahren irgendwo zwischen Tragödie und Farce, die Mannschaft will das nun wiedergutmachen. Der letzte Heimsieg im größten europäischen Wettbewerb liegt zwei Jahre zurück. Damals gewann City 2:0 – gegen den FC Bayern – und schied trotzdem aus. Der Gegner war allerdings schon Gruppensieger und stellte sieben Reservisten in die Startelf. Diesmal wird auch das anders sein.



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