Manchester United : Alle doof außer Louis van Gaal

Auf Manchester Uniteds schlechtesten Saisonstart seit 1986 reagiert Coach van Gaal mit derben Worten. Dabei ist es offensichtlich, dass der Holländer Probleme mit seiner Startruppe hat.

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Der König von Old Trafford. Louis van Gaal sollte Uniteds schwache Saison unter David Moyes vergessen machen.
Der König von Old Trafford. Louis van Gaal sollte Uniteds schwache Saison unter David Moyes vergessen machen.Foto: AFP

Louis van Gaal hat Pech. Er hat eine doofe Mannschaft. Sagt zumindest Louis van Gaal. Am vorletzten Wochenende sprach der Trainer von Manchester United von einer „doofen Entscheidung“ seines Spielers Robin van Persie, nach dem Ausgleichstor sein Trikot auszuziehen. Nach dem verlorenen Derby gegen Manchester City am Sonntag nun musste sich Verteidiger Chris Smalling von seinem Coach als „stupid“, also doof, bezeichnen lassen.

Zumindest im Fall von Smalling hatte van Gaal inhaltlich Recht. Mit zwei völlig unnötigen Delikten innerhalb von acht Minuten verdiente sich der englische Innenverteidiger Gelb-Rot. Schon vor der Halbzeitpause musste United also mit zehn Männern spielen. Doof. Der Platzverweis war eine von zwei Aktionen, die Uniteds Defensive auseinandergerissen haben. In der zweiten Halbzeit verletzte sich der argentinische Neuzugang Marcos Rojo, danach musste der Trainer improvisieren. Uniteds Viererkette bestand für ein gutes Drittel des Spiels aus zwei Mittelfeldspielern und zwei Teenagern.

Die Verletzung von Rojo war Pech, die Aktion von Smalling eine Dummheit. Die improvisierte Defensive war trotzdem eine schöne Metapher für die aktuelle Saison. Auf dem Papier sieht es gut aus. Theoretisch hat van Gaal zahlreiche taktische Lösungen und Notlösungen. In der Praxis herrscht aber zu oft Chaos.

Bisher hat ManU nur drei Punktspiele gewonnen

Englands Rekordmeister United liegt derzeit in der Liga nur auf Platz zehn. Bisher hat das Team nur drei seiner zehn Premier-League-Spiele gewonnen der Rückstand auf Tabellenführer Chelsea beträgt 13 Punkte. Es ist der schlechteste Saisonstart seit 1986 – nicht mal unter David Moyes in der vergangenen Saison stand es zu diesem Zeitpunkt so schlimm.

Dabei hatte van Gaal so viel versprochen. Glanz und Arroganz hat er im Sommer zurück ins Old Trafford gebracht. Neuzugänge auch: Angel Di Maria brachte mehr Kreativität im Angriff, Daley Blind mehr Stabilität im Mittelfeld. Rojo und Luke Shaw galten auch als gute Verstärkungen für die hinteren Reihen. Mit seiner Transferpolitik und seinem berüchtigten selbstbewussten Auftreten versprach van Gaal eine Rückkehr zum alten United.

Zwar spielt das Team unter der Führung des Holländers einen schöneren Fußball als unter Moyes. Gegen die Topmannschaften ist United konkurrenzfähiger als in der vergangenen Saison. Aber taktisch funktioniert es weiterhin irgendwie nicht.

Wenn das Team im Angriff schnelle Kombinationen zeigt, zerfällt die Defensive. Wenn das Team solide verteidigt, findet es vorne nicht in den Rhythmus. Wenn es zwanzig Minuten lang gut läuft, stolpert die Mannschaft in den nächsten zwanzig über den Platz.

Das kann nicht an der Qualität liegen, denn United hat zum ersten Mal seit mehreren Jahren hoch talentierte Spieler für jede Position. Es kann auch nicht unbedingt an der grundsätzlich falschen Taktik liegen, denn manchmal glänzt die Mannschaft in ihrem neuen System.

Vielleicht liegt es daran, dass Uniteds Spieler doch so doof sind, wie Louis van Gaal so gerne erklärt. Wahrscheinlicher ist, dass es am Management der Startruppe liegt. Van Gaal ist einer der besten Taktiker der Fußballwelt, aber seine Ideen von der Theorie in die Praxis umzusetzen, ist ihm bei United noch nicht völlig gelungen. Vielleicht muss er irgendetwas an seinem Verhältnis zu seinen Spielern ändern. In dieser Hinsicht sollte er sich fragen, ob er zuletzt nicht selbst ein paar doofe Worte gewählt hat.

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